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Software wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb:


13.03.1987 - 

Siemens schwenkt um auf "weiche" Denke

HANNOVER (mer) - "Die Fähigkeit, gute Software rasch zu entwickeln, wird zu einem der entscheidenden Wettbewerbsfaktoren auf dem Weltmarkt." Damit begründete Professor Heinz Schwärtzel, Leiter des Hauptbereichs Zentrale Aufgaben "Informationstechnik" der Siemens AG, die kommende Marschrichtung im DV-Geschäft des Münchner Elektrokonzerns.

"Wir sind das größte Softwarehaus Europas", versprühte der Siemens-Manager reinen Zweckoptimismus; Ziel sei es, vor allem für die strategischen Wachstumsgebiete Büro, Netzwerke und Fabrik der Zukunft neue oder verbesserte Systeme bereitzustellen. Doch die Probleme liegen auch für Schwärtzel bereits auf der Hand: "Wir müssen die Entwicklung in den Griff bekommen. Softwarelösungen werden vom Markt nicht mehr zu jedem Preis akzeptiert."

Der Schwenk zur verstärkten "weichen" Denke im DV-Bereich des traditionell hardwareorientierten Unternehmens stützt sich darüber hinaus auf Zahlen und Trends am Weltelektromarkt, die Schwärtzel präsentierte. Hier hielten die USA derzeit einen Anteil von 36 Prozent, im Softwaresegment dagegen mehr als 60 Prozent. Europa - mit 19 Prozent am Weltelektromarkt beteiligt - habe sich mit Software einen Anteil von 23 Prozent gesichert, während Japan - ebenfalls mit 19 Prozent am Weltelektromarkt beteiligt - es bei der Software nur auf rund 11 Prozent bringe.

Insgesamt werde der Weltelektromarkt bis 1990 mit jährlich knapp 6 Prozent auf etwa drei Billionen Mark anwachsen. Die Datentechnik nehme dagegen jährlich um etwa 12 Prozent und damit rund doppelt so schnell zu wie der gesamte Weltelektromarkt. Die größte Dynamik entwickle dabei die System- und Anwendersoftware mit einem Wachstum von 20 bis 25 Prozent pro Jahr, einschließlich Kosten für Beratung, Schulung und Rechenzentren.

Um an diesem Wachstum künftig weiter zu partizipieren, setzt Siemens verstärkt auf die internationale Normung im Softwarebereich, wie beispielsweise die Standardisierung von Benutzerschnittstellen im Betriebssystem Unix. Dazu der Aschermittwoch-Kommentar von Professor Heinrich Görling, Leiter Systemtechnik im Unternehmensbereich Kommunikations- und Datentechnik: "Wir arbeiten eben zweigleisig - am unteren Ende setzen wir die Standardisierung durch, am oberen Ende hoffen wir, daß der Markt wächst."

Das angestrebte Wachstum von 20 Prozent im Softwaregeschäft wollen die Münchner zur Hälfte durch den Einsatz von Tools und Werkzeugen zur Produktivitätssteigerung bei der Entwicklung erreichen. Die andere Hälfte soll "durch mehr qualifiziertes Personal" abgedeckt werden. Gleichwohl sind sich die Siemens-Manager im klaren, daß die angestrebten Ziele aus eigener Kraft nicht zu erreichen sind. Für die Entwicklung von branchenspezifischen Lösungen fehlt es an geeignetem Personal und an

Know-how.

Dieses Defizit wollen die Siemensianer durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Software- und Systemhäuser wettmachen, die in ihrem Auftrag entsprechende Branchenlösungen entwickeln. "Siemens und Partner", heißt für Rudolf Duschl, Leiter Anwenderprogramme im Unternehmensbereich Kommunikations- und Datentechnik, das Motto für die angestrebten Kooperationen. Dabei präsentierte er auch gleich die gemeinsame Hausordnung: "Wir wünschen uns viele Softwarepartner, die wie Rösser an der Deichsel gehen und unseren Verkaufskarren beschleunigen."