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04.01.1985

Siemens-Telecom vor der Bewährung

Es gehört hierzulande nachgerade zum guten Ton in der DV-Branche, von "den USA" zu reden - und "die IBM" zu meinen. "Man kann nicht einfach sagen", widerspricht der SCS-Manager und Big-Blue-Kenner Dr. Eberhard Rauch, "daß IBM das Marktgeschehen diktiert. Präziser muß es heißen: Was sich Neues tut, wird zur Zeit noch eindeutig auf dem US-Markt bestimmt."

Gewiß, diese Lesart hat einiges für sich. Wenn einer im Lande der Chipburger und Chapter-eleven-Asylanten einen Innovationspups läßt, dann darf er sicher sein, daß ihn die Computerwelt hört. Die Darmwinde aus Armonk schwellen über dem Atlantik, bevor sie die europäische Küste erreichen, gar orkanartig an. Wie man sich diesem Phänomen am besten nähert, zeigt die Salami-Taktik der IBM bei lokalen Netzen.

Da gibt es seit gut zehn Jahren die "Systems Network Architecture" (SNA), ein generelles Konzept des Mainframe-Marktführers, bestehende und zukünftige IBM-Geräte unter einer Host-Direktive arbeiten und miteinander "reden" zu lassen. Welche Systeme jeweils den SNA-Stempel erhalten sollen, wird aus verkaufstaktischen Gründen offengelegt. Der Rest ist mehr oder weniger Betriebsgeheimnis.

Aber wo ist das IBM-Rezept, herkömmliches SNA-Equipment, Mikros und neue Bürosysteme für die Verarbeitung von Daten, Text, Bildern und Sprache in einem lokalen Netz zu verbinden? In Sachen LAN (Local Area Network) kennen wir nur die von IBM verwendeten Kabeltypen. Warum also dieser Wirbel um nichts, wobei auffällt, daß den LAN-Plänen des Rechnerriesen beinahe blind vertraut wird? Schlicht gesprochen: Jegliche Innovation auf dem Computersektor kann nur von drüben kommen und Amerika, das ist IBM (siehe oben).

Im Unterbewußtsein wissen die IBM-Anhänger natürlich, daß sie auf dem trocknen sitzen, weil die LAN-Strippen noch ohne Saft sind. Mit einem feuchten Händedruck und blauem Augenaufschlag, wie die IBM ("Token ... aber Bus oder Ring oder wie, vor allem wann?"), mochte die Siemens AG ihre Kunden nicht hinhalten. Sie hat mit "Hicom" (Seite 1) ein High-Tech-Produkt angekündigt, das Maßstäbe für die Bürokommunikation setzen könnte.

Man wird den Münchnern nicht mehr, wie ehedem, das Attest ausstellen können, sie seien verschlafen und provinziell, eben - was High-Tech-Entwicklungen anbelangt - "typisch deutsch". Die Überbetonung des Prädikats "Made in USA", wie gehabt, kann nämlich leicht zu falschen Schlüssen verführen. Bei der Telekommunikation macht Siemens so schnell keiner etwas vor. Die Erklärung ist simpel: Man kommt vom Telefon her - und so einfach wie das Quatschophon soll das ISDN-fähige Hicom-Büroterminal auch funktionieren.

Man kann nur ahnen, welche Euphorie eine vergleichbare IBM-Ankündigung ausgelöst hätte. Daß die bundesdeutschen Anwender nun das Jubilieren anfangen, muß bezweifelt werden. Wenn ein DV- und Kommunikationsanbieter bisher im Lande der Dichter und Denker Innovation machte, dann durfte er sich nicht wundern, daß ihn kaum einer ernst nahm. Das könnte sich ändern.

Wer sichergehen will, daß die Kommunikationslandschaft weiterhin von SNA/LAN-Baugruben geprägt wird, der sollte "blau" wählen. Wer vermeiden will, daß Konzessionen an den IBM-Trend dazu führen, daß vorläufig überhaupt nichts passiert, der prüfe den Siemens-Weg. Man sage nicht, es gäbe keine Alternative.