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19.03.1982 - 

Münchner Elektrokonzern will mit PCM-Philosophie neue Markte erschließen:

Siemens trimmt BS 2000 auf "IBM-Standard"

CW-Bericht, Manfred Hasenbeck

MÜNCHEN - Auf die Kompatibilitätsschiene des Industriestandards "IBM" will die Siemens AG, München, jetzt auch ihr Betriebssystem BS2000 hieven. Vorstandsmitglied Dr. Werner Poschenrieder sieht diesen Schritt als notwendige Abwehrreaktion gegen den immer stärker werdenden Verdrängungswettbewerb im Markt der General Purpose Computer. Über Strategien der 80er Jahre äußerte sich das Siemens-Management des Unternehmensbereiches Datenverarbeitung (UBD) jetzt in München vor Journalisten.

Allen Unkenrufen zum Trotz will die Siemens AG nach den Worten von Vorstandsmitglied Dr. Claus Kessler ihr DV-Geschäft weiter ausbauen. Der Leiter des Unternehmensbereiches D gibt sich verhalten optimistisch: "Wir wollen nicht Wachstum um jeden Preis, sondern mit dem nötigen Augenmaß."

Kessler zufolge streben die Münchner bis 1985 an, sämtliche Schnittstellen der Systemreihe 7.500 der IBM-Welt anzupassen, um damit einer "internationalen Norm" zu genügen. Insbesondere gelte es aber eine Kopplung zwischen den Betriebssystemen BS2000 und BS3000 zu schaffen. Unter BS3000 laufen die in der japanischen Fujitsu-Schmiede entwickelten Großcomputer der Serie 7 800, die bereits seit 1978 als steckerkompatible Rechner in Deutschland angeboten werden.

Die Münchner machen kein Hehl daraus, daß den BS2000-Benutzern bisher eine Perspektive fehlte, die Vorteile der Japan-Jumbos zu nutzen. Wegen mangelnder Kompatibilität kommt eine Umstellung von BS2000 auf BS3000 momentan beinahe einem Herstellerwechsel gleich. Wie aus Siemens-Kreisen zu erfahren ist, sind deshalb in den letzten Jahren zahlreiche Kunden ins IBM-Lager übergeschwenkt.

Ziel des Elektrokonzerns ist es nunmehr, Kompatibilität von der kleinsten 7.500er Maschine bis zum größten Fujitsu-Prozessor zu schaffen. Beide Systemreihen sollen künftig auch im Rechnerverbund arbeiten können, der durch Verbindungsmöglichkeiten von Transdata- und FNA- beziehungsweise SNA-Netzwerken unterstützt werde.

Die neue "Schnittstellen-Politik" (Siemens-Lingo) beinhalte ebenfalls, daß die gesamte 7.500-Peripherie bis 1985 "IBM-like" ausgelegt werde. Damit wollen sich die Münchner auch international neue Märkte erschließen.

Als "Allround-PCM" sieht sich das Siemens-Management in Anbetracht seiner neuen Marketing-Strategie nur ungern. Daß "weitgehend alles beim alten" bleibt, begründen die UBD-Chefs insbesondere damit, daß sowohl die Betriebssysteme als auch die gesamte Anwendungssoftware weiterhin in der Isarmetropole gestrickt werden. Ungewohnt in den Ohren von Siemens-Anwendern muß jedoch die Erklärung Kesslers klingen: "Dort, wo sich Normen abzeichnen, sind wir bereit, uns dem Wettbewerb in diesem Rahmen zu stellen."

Auf Unverständnis stößt das Vorhaben der Siemens-Bosse zum Teil auch bei der eigenen Rechner-Truppe: Die PCM-Marschrichtung könne sich als zweischneidiges Schwert erweisen, glauben einige Mitarbeiter. Habe IBM die Münchner im 7.500-Bereich bislang meist zufriedengelassen, so sei es jetzt nicht mehr sicher, ob die Vertriebsbeauftragten des Marktführers die Grenzen der Siemens-Gewässer respektieren.

Branchenkenner sehen allerdings in der Entscheidung des Elektrokonzerns die einzige Chance, auf Dauer im Universalrechner-Markt zu überleben. Vermutungen, Siemens könne künftig auch die Serie 7.500 aus japanischer Fertigung beziehen, werden vom Kessler-Team dementiert. Dazu Vorstandsmitglied Poschenrieder: "Wir werden auch künftig auf eigener Technologiebasis Universalrechner entwickeln und sind überzeugt, dafür die Mittel zu haben." Poschenrieder erwähnt in diesem Zusammenhang die bevorstehende Markteinführung der "BS2000-Flaggschiffe" 7.770 und 7.780, die an der Isar den Kosenamen "Tiger" führen.