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22.11.1991

Siemens und Bull: Traurige Parallele

Den traurigen Rekord, das nach V e r 1 u s t e n größte DV-Unternehmen der Welt zu sein, hält die Groupe Bull - ein Faß ohne Boden für den französischen Staat. Francis Lorentz, der streitbare Chef des Computerkonzerns, löste zuletzt mit der teuren Nachricht über die tiefroten Zahlen nur noch Galgenhumor bei seinen Mitarbeitern aus, nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert. Das geht soweit, daß mit dem Loch im Portemonnaie auch noch geworben wird: Als staatliches Unternehmen, so die alberne Botschaft an die Kunden, könne Bull gar nicht Pleite gehen. Mit keinem Wort wird erwähnt, daß der Steuerzahler für die Folgen einer zwar ehrgeizigen, letztlich aber erfolglosen Industriepolitik geradestehen muß, die die Machtverhältnisse im internationalen DV-Geschäft ignoriert.

Warum wir das Bull-Beispiel so ausführlich behandeln, wo doch auch hierzulande - da wäre SNI zu nennen - um den Fortbestand einer wettbewerbsfähigen DV-Industrie gerungen wird? Nun, es gibt Dinge, die Bull und Siemens gemeinsam haben. Doch ohne eine zweite Vorrede kommen wir nicht aus. Zur Erinnerung: Triumph-Adler, CTM, Dietz, PCS und Kienzle, um nur die wichtigsten Namen zu nennen, standen einmal für "MDT made in Germany" - Nixdorf nicht zu vergessen. Nachdem sich Mannesmann mit einem "Bitte nach Ihnen, Mister Olsen!" vom Dienst im Computermarkt abgemeldet hat und damit der US-Anbieter Digital bei Kienzle in Villingen Hausherr geworden ist, trägt Siemens-Nixdorf allein die Hoffnungen der deutschen DV-Gemeinde.

Bull hatten sie als Vorbild wohl nicht im Auge -die Münchner sind jedoch ebenfalls zu dem zweifelhaften Ruhm gelangt, einen strammen Jahresverlust melden zu können, ohne daß dadurch gleich der Haussegen schiefhängt. Die Bank Siemens wird's schon richten, diskret wie immer -und diskretissimo kann sie wirken, wenn SNI, wie beabsichtigt, in die AG eingegliedert sein wird.

Bedenklich stimmt, daß SNI-Chef Hans-Dieter Wiedig in seinem Ergebnisbericht kaum auf Marktstrategien einging, dafür um so ausgiebiger auf die Finanzsituation, auf abrechnungstechnische Fragen, deren Beantwortung SNI nicht weiterbringt. Doch selbst dazu ist ein Einwand angebracht: Niemand - außer dem Siemens-Finanzvorstand -weiß doch, wieviel SNI tatsächlich in den Sand gesetzt hat. Der Hinweis auf außerordentliche Erträge und Wertberichtigungen mag genügen.

Nein, die eigentliche SNI-Bilanz hat anders auszusehen: Was muß getan werden, um Marktanteile zu gewinnen? Wie schwierig das ist, erfahren die SNI-Verkäufer täglich an der IBM-Front. Wenn Kaske & Co. nicht umdenken, ist alles zu spät. Siemens ist ja - im Gegensatz zu Bull - kein Staatsunternehmen.