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Migration in die Unix-Welt nur noch unter ferner liefen

Siemens und Nixdorf wollen 8890-Kunden mit BS2000 halten

30.03.1990

MÜNCHEN (qua) - Die Verlobung zwischen Nixdorf und Siemens eröffnet eine neue Perspektive für 8890-Kunden: Wie beide Unternehmen übereinstimmend äußern, werden sie - falls das Kartellamt ihre Ehe absegnet -den Anwendern der von Nixdorf aufgegebenen Mainframes den Umstieg auf BS2000 empfehlen.

Als der Paderborner Computerlieferant im Herbst vergangenen Jahres erklärte, aus dem Mainframe-Geschäft aussteigen zu wollen, bot er den betroffenen Kunden zwei Zukunftsperspektiven an. Wer in der von IBM bestimmten /370-Welt bleiben wollte, mußte sich einen neuen Lieferanten suchen; denjenigen, die den Sprung in die Welt der offenen Systeme wagen wollten, versprach die Nixdorf AG einen Migrationspfad zu den Unix-Maschinen der Targon-Serie.

In die /370-Bresche sprang die Mannheimer Comparex GmbH, indem sie sich Nixdorf gegenüber verpflichtete, den Service für die 8890-Maschinen zu übernehmen. Unerwartet kam dieses Angebot nicht; schließlich waren die von Nixdorf unter der Bezeichnung 8890 vertriebenen Großrechner eigentlich Comparex-Maschinen.

Für Überraschung sorgte jedoch Otto-Hermann Grüneberg, Mitglied des Siemens-Bereichs- vorstands Daten- und Informationssysteme auf der Frühjahrstagung des Siemens-Anwendervereins Save. Er stellte den 8890-Anwendern die Migration auf das Siemens-Großrechnerbetriebssystem BS2000 in Aussicht - für den Fall, daß es zur Gründung der Siemens-Nixdorf Informationssysteme (SNI) kommen werde.

Die Reaktion aus Paderborn fiel positiv genug aus, um den Verdacht nahezulegen, daß Nixdorf die Migration von der 8890 auf die Targon nur mit halben Herzen propagiert habe. Dazu Dietrich Zeh, in der Nixdorf-Zentrale zuständig für den Bereich 8890: "Wir werden unseren 8890-Kunden, die Interesse daran haben, in die offene Standardwelt zu gehen, diesen Weg sicher nicht verwehren. Aber ich glaube einfach, daß aufgrund der technischen Nähe eine Migration nach BS2000 attraktiver ist. "

Der Nixdorf Mitarbeiter gibt sich überzeugt, daß die künftige SNI den 8890-Anwender weni-

ger den Umstieg in die Unix-Welt als den Wechsel auf BS2000 empfehlen werde. "BS2000 ist zwar ein eigenständiges Betriebssystem, aber nicht soweit von der /370-Welt entfernt wie ein Unix-System", er-

läutert Zeh. "Wenn es den Zusammenschluß gibt, so gehe ich davon aus, daß sich unsere Empfehlungen ändern und wir unseren 8890-Kunden eine langfristige Migration auf BS2000 nahelegen werden. "

SNI-Strategie versus

Comparex-Kooperation

Die neue BS2000-Perspektive macht - zumindest aus der Nixdorf-Siemens-Sicht-die Kooperation mit Comparex obsolet. War dieses Abkommen doch vor allem deshalb geschlossen worden, weil Nixdorf seinen Mainframe-Kunden keine konkrete Zukunftsperspektive zu bieten hatte.

Auf die Frage, wie die SNI mit der Nixdorf-Comparex-Vereinbarung umgehen werde, antwortet Otto-Hermann Grüneberg erwartungsgemäß: "Pacta sunt servanda. Verträge, die der Partner geschlossen hat, werden grundsätzlich von uns übernommen. " Aber der Siemens-Manager macht kein Hehl daraus, daß diese Verträge seiner Ansicht nach der SNI-Geschäftsstrategie "zuwiderlaufen".

Wie die Migration vom Nixdorf-Betriebssystem Nidos nach BS2000 konkret aussehen könnte, ist derzeit noch ungeklärt. Für einen allmählichen Umstieg mit Option auf spätere Portierung bietet sich das "Super-Betriebssystem" VM 2000 an.

Laut Grüneberg kann Nidos durchaus als virtuelle Maschine unter VM 2000 betrieben werden.