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28.05.1999 - 

Postbank spekuliert auf Bankensoftware von SAP

Siemens verliert größten BS2000-Kunden an IBM

MÜNCHEN (qua) - Nach der Jahrtausendwende schickt die Deutsche Postbank AG, Bonn, ihre zwölf BS2000-Mainframes in Rente. Sie werden bis 2003 durch IBM-Hosts ersetzt. Außerdem erwägt der Finanzdienstleister, die Siemens-Bankensoftware "Kordoba" gegen eine Neuentwicklung auf der Basis von SAP R/3 einzutauschen.

Für Richard Moormann, den Geschäftsführer der Postbank Data, ist die Situation ein bißchen haarig. Schließlich fungiert er als Vorstandsmitglied der Siemens-Anwendervereinigung Save. Darüber hinaus repräsentiert er den - eigenen Angaben zufolge - "derzeit größten Anwender" des Siemens-Betriebssystems BS2000.

Nichtsdestoweniger verkündet Moormann freimütig die geplante Revolution im Postbank-Rechenzentrum: Der aus einem Dutzend großer Siemens-Maschinen bestehende Mainframe-Park des Finanzdienstleisters soll in den kommenden Jahren ausgetauscht werden: gegen IBM-Rechner, auf denen das Betriebssystem MVS läuft.

Auch was die Gründe für den Wechsel angeht, redet Moormann Tacheles: Die Postbank wolle im Mainframe-Bereich "Anschluß an andere Großbanken finden". In der MVS-Welt biete der Softwaremarkt eine größere Auswahl an Drittanbietern als im BS2000-Bereich.

Ein offenes Geheimnis ist aber auch, daß der Postbank-Data-Chef die strategischen Entwicklungen im Siemens-Konzern skeptisch beurteilt. Seiner Ansicht fehlt es dem Unternehmen nach der Verschmelzung von Siemens-Nixdorf und Siemens AG an eindeutigen Zielen und Plänen (siehe CW 46/98, Seite 14: "Siemens-Anwender vermissen klare Strategie im IT-Geschäft"). Last, but not least, ist die Postbank offenbar auch mit der Applikationssoftware Kordoba nicht mehr glücklich.

Noch vor einem halben Jahr hatte Siemens Business Services (SBS) als 50prozentige Gesellschafterin der Kordoba Gesellschaft für Bankensoftware mbH & Co. KG, stolz zwei Partner für die Weiterentwicklung der Branchenanwendung präsentiert: die Hamburger Schmidtbank KGaA und die Deutsche Postbank. Nach Darstellung des SBS-Marketiers Klaus Hommer haben die beiden Finanzdienstleister damals ein auf sieben Jahre befristetes Abkommen geschlossen. Zudem lägen BS2000 und MVS nicht so weit auseinander, als daß Kordoba nicht auch in der IBM-Umgebung zum Ablauf gebracht werden könne.

Wie Hommer einräumt, prüft die Postbank derzeit jedoch das von SAP entwickelte Kontokorrent-Modul auf seine Tauglichkeit für große Transaktionsvolumina. Eine "umfassende Bankensoftware" hat das größte deutsche Software-Unternehmen auch nach Moormanns Dafürhalten derzeit nicht zu bieten. Das könnte sich ändern, falls SAP und Postbank handelseinig werden: "Wir denken derzeit mit SAP darüber nach, eine komplette Bankensoftware zu entwickeln", konstatiert Moormann. Zuvor müsse jedoch geprüft werden, ob die R/3-Infrastruktur mit den "Größenordungen" der Postbank vereinbar sei.

Auf die Zukunft des derzeit nur in der proprietären Siemens-Welt lauffähigen Kordoba angesprochen, versichert Hommer, daß die Weiterentwicklung wie geplant vorangetrieben werde und bis dato sowohl die Schmidtbank als auch die Postbank an Bord seien. Darüber hinaus suche SBS jedoch "ein bis zwei" zusätzliche Partner, von denen einer "aus dem internationalen Bereich" kommen solle.

Auch wenn die Postbank auf längere Sicht bei Kordoba bleiben sollte - für Siemens ist der Verlust des BS2000-Vorzeigekunden schon hart genug, denn das Beispiel könnte Schule machen.