Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.02.1976 - 

Intel gibt Starthilfe

Siemens will den europäischen Mikro-Markt erobern

MÜNCHEN - "Vor 18 Jahren haben wir mit dem Rechnersystem 2002 ein Transistor-Bergwerk vorgestellt - heute geht es um eine Briefmarke", erklärte Dipl.-Ing. W. Hagen von der Siemens-Zentralstelle für Information und hielt vor der Presse das jüngste Produkt des Elektrokonzerns hoch: Einen Mikroprozessor vom Typ Intel 8080.

Siemens, heute "größter europäischer Hersteller von kundenspezifischen Grobschaltkreisen", will bis 1980 auch führender Hersteller von Mikroprozessoren in Europa werden und hofft, 50 Prozent Marktanteil zu erreichen. Als Kooperationspartner suchte sich Siemens den Mikroprozessor-Pionier und weltweit führenden MP-Hersteller Intel Corp. aus Santa Clara in Kalifornien. Beide Firmen werden am Markt weiterhin getrennt auftreten - haben sich aber gegenseitig zu offiziellen "Zweitlieferanten" (Second Source) ernannt. Die Münchner bieten für den Anfang drei MOS-Systeme (zwei mit 4-Bit- und eines mit 8-Bit-Wortlange) sowie ein 2-Bit-Element in TTL-Schottky-Technologie. Eines der Systeme ist selbst entwickelt - die anderen sollen zwar ebenfalls in München gefertigt werden, beispielsweise der "SAB 8080", werden aber zunächst von Intel bezogen.

Neben den reinen Bauelementen wie Mikroprozessoren und Spreicherbausteinen gibt es Bausätze (Kits) zu 400 bis 1000 Mark. Ein 8080 von Siemens kostet je nach Stückzahl zwischen 60 und 250 Mark- die untere Preisgrenze dürfte sich nach Siemens-Schätzungen bis 1980 auf 30 Mark verbilligen.

1 Mega-Bit-Chip

Bei Hauptspeicher-Bausteinen verfügt Siemens heute bereits über funktionsfähige Muster von 16-K-Bits-Chips. Für die Zeit nach 1980 halten die Siemens-Spezialisten sogar Chips von 500-1000 K Bits für wahrscheinlich. "Die Konkurrenzfähigkeit wird vom Memory-Angebot abhängen".

Mikrocomputer, die einen Mikroprozessor als CPU haben, sind zwar langsamer als Großrechner und haben nicht deren Datenbreite - sind aber entweder als programmierbare Universalsysteme oder in anwendungsspezifischen Ausführungen sehr vielseitig einsetzbar. Die Anwendungsgebiete reichen von der Kanalsteuerung beim Großrechner über Terminals und Registrierkassen, Münzwechsler und Spielautomaten, Prozeß- und Aufzugsteuerungen bis zu Bordcomputern in Raketen, Schiffen und Kraftfahrzeugen und zu "smarten" Meßinstrumenten, bei denen keine Fehlbedienung möglich ist. Um die Interessenten überhaupt mit Mikroprozessoren vertraut zu machen wird zur Zeit eine Anwendungsberatung aufgebaut, die auch die Programmierung von Micros - gegen Berechnung - übernehmen kann.

Ab Mai wird es bei Siemens in München auch eine "Mikroprozessorschule" geben, die zunächst einen Grundkurs sowie einen Micro-Programmierkurs anbietet. Bevor es losgehen kann, müssen Siemens-Schreiber noch stöhnen: Das deutsche Elektrounternehmen hat sich vorgenommen, die bisher nur in Englisch verfügbare Micro-Literatur auch in Deutsch bereitzustellen. Allein für den 8080 hat sie einen Umfang von etwa 1500 Druckseiten. -py