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25.11.1988 - 

Telecom-, Chip-, und Rüstungselektronik machen Plessey-Übernahme interessant:

Siemens will mit GEC Marktposition starken

MÜNCHEN/LONDON (cmd) - Nach mehreren vergeblichen Versuchen, über Aufkäufe Terrain im europäischen Telecom-Markt zu gewinnen, setzt Siemens jetzt auf eine Kooperation mit der britischen General Electric Co. Plc. (GEC): Über ein Joint-venture wollen die beiden Konzerne das ebenfalls britische Elektronikunternehmen Plessey Co. Plc. übernehmen.

In Anspielung auf die seit dem Frühjahr an der Londoner Börse kursierenden Gerüchte, Siemens habe ein Auge auf Racal, Plessey oder GEC selbst geworfen, charakterisierte GEC-Chef Lord Arnold Weinstock die jetzige Gründung der gemeinsamen Tochtergesellschaft GEC-Siemens Plc. mit den Worten, dies sei nicht eine Fusion, sondern der Auftakt zu einer weiterreichenden Allianz. Im ersten Schritt soll über dieses Joint-venture die Plessey Co. Plc. übernommen werden, die vor knapp drei Jahren einen

Übernahmeversuch der GEC erfolgreich abwehren konnte. Die jetzige Übernahmeofferte des Duos bewertet Plessey mit umgerechnet 5,4 Milliarden Mark, was einem Preis von 225 Pence pro Aktie, zahlbar in bar oder als Schuldverschreibung, entspricht. GEC will dann 40 Prozent seiner Anteile an der GEC Plessey Telecommunications Plc. - einem Joint-venture, in das GEC und Plessey ihre Fernmeldeaktivitäten im Bereich der öffentlichen Vermittlungstechnik eingebracht haben und das diesen Markt dominiert - an die Münchener verkaufen. Damit hätte Siemens seinen Fuß im britischen Markt und könnte dort sein System "EWSD" vermarkten.

Daneben haben die Bayern auch höchstes Interesse an der Chip-Fertigung von Plessey, die gut in ihre Halbleiter-Strategie paßt. Marktbeobachter in London sprechen bereits hinter vorgehaltener Hand davon, daß - vorausgesetzt, die Übernahme ist erfolgreich - über kurz oder lang die Aktivitäten der drei Unternehmen zusammengelegt würden.

Das Interesse von GEC bei diesem Deal liegt dagegen vorrangig im Bereich der Rüstungselektronik. Geplant ist hier, daß zum einen Siemens einen 50prozentigen Anteil von Plessey's Verteidigungsaktivitäten kauft, und GEC sich im Gegenzug ebenfalls zu 50 Prozent an der Rüstungssparte der Münchener beteiligt. In Europa soll Plessey als selbständige Einheit, gemeinsam gehalten von dem deutsch-englischen Gespann, erhalten bleiben, während in den USA GEC 51 Prozent des dortigen Plessey-Engagements übernimmt und die restlichen Anteile auf die GEC-Siemens Plc. entfallen.

Die Chancen, daß die Übernahme zustande kommt, stehen nach Meinung englischer Analysten nicht schlecht, da sich GEC und Siemens vor Bekanntgabe ihrer Absicht offenbar die Rückendeckung ihrer Regierungen geholt hätten. Auch das Verteidigungsministerium, das nach dem englischen Monopolgesetz bei einer Übernahme von mehr als 15 Prozent der Plessey-Anteile durch GEC ein gewichtiges Wort mitzureden hat, werde keine Einwände machen, hieß es weiter.

Plessey selbst hat unmittelbar nach Bekanntwerden des "hostile take-over" angekündigt, man werde sich mit allen Mitteln dagegen wehren. Inzwischen hat ein Sprecher des Unternehmens erklärt, daß eine Reihe von anderen Firmen ebenfalls Interesse an einer Kooperation bekundet hätten. Namen potentieller Kandidaten wollte er jedoch nicht nennen.