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01.12.2000 - 

Keine großen Übernahmen geplant

Siemens will sich in den USA völlig neu aufstellen

MÜNCHEN (CW) - Der für März kommenden Jahres vorgesehene Börsengang an der Wallstreet wirft seine Schatten voraus. Die Siemens AG plant eine nachhaltige Umstrukturierung ihres US-Geschäfts. Die Holding Siemens Corp. soll die bisher getrennt und weitgehend selbständig operierenden Business Units stärker an die Kandare nehmen. Unklar ist die Zukunft der Sparte Information und Kommunikation (I&C), die bisher in den USA nur schwach vertreten war.

Die Pläne, die Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer gegenüber der "Financial Times Deutschland" kundtat, sind mehr als ehrgeizig. Der Elektronikriese will demnach den Anteil des US-Geschäfts am Gesamtumsatz von derzeit 23 Prozent mittelfristig auf über 30 Prozent erhöhen. Hintergrund dürfte Experten zufolge vor allem das für den 12. März 2001 geplante Zweitlisting an der New York Stock Exchange (Nyse) sein.

Die institutionellen Anleger in den USA bräuchten eine "entsprechende Perspektive", heißt es. Gleichzeitig spricht aber auch die Geschäftsentwicklung für ein Überdenken der bisherigen US-Strategie der Münchner. So war im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/00 (30. September) erstmals der Auftragseingang mit 19 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten größer als in Deutschland (18 Milliarden Euro).

Mehr Macht für die US-HoldingUm dem allem Rechnung zu tragen, soll die bisherige US-Holding Siemens Corp. mehr Macht erhalten und die gegenwärtig noch weitgehend selbständig operierenden Konzernsparten steuern. Rechnungswesen, Rekrutierung von Personal und Marktauftritt würden vereinheitlicht, kündigte von Pierer an. Außerdem sollen die US-Geschäfte nicht mehr nach Unternehmensbereichen, sondern nach Kundensegmenten unterteilt werden. Vier solche Bereiche seien bereits festgeschrieben: E-Commerce, Flughafen, Gesundheit und Hochtechnologie-Campus (Universitäten, Geschäftszentren). Ziel sei es, in Zukunft besagten Kundensegmenten gebündelte Produkte anzubieten - etwa in Form von Industrieanlagen, Systemlösungen und Kommunikations- beziehungsweise IT-Infrastruktur. Neuer starker Mann in Übersee wird der bisherige Bereichsvorstand Medizintechnik Klaus Kleinfeld sein, der zum 1. Januar als Chief Operating Officer die Leitung der Holding übernimmt.

Sehr zurückhaltend äußerte sich der Siemens-Chef indes zur Rolle der Konzernsparte I&C, die bisher im IT-Eldorado USA nur sehr schwach vertreten ist. Seit Monaten kursieren Spekulationen um einen großen Deal, der den eigenen IT-Dienstleistungsbereich um Siemens Business Services (SBS) stärken oder das Mobilfunk- und IP-Datenkommunikations-Geschäft in ein Joint Venture mit einem US-Unternehmen einbringen solle. Auch nach dem Börsengang im März werde man mit der "Akquisitionswährung Aktie" behutsam umgehen, dämpfte von Pierer entsprechende Erwartungen. Man werde keine überzogenen Preise bezahlen. Großeinkäufe seien zudem in aller Regel nicht einfach zu integrieren und vernichteten daher eher den Wert des Unternehmens für die Aktionäre, als dass sie neue Assets schafften.

Wahrscheinlicher sei die Fortsetzung der bisherigen Praxis, nämlich die Übernahme kleinerer Firmen, die ins Produktportfolio passen. Vorstellbar sei jedoch die Errichtung eigener Produktionsstätten für Mobiltelefone in den USA.