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18.05.2001 - 

8100 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit

Siemens will sparen und entlässt weiter

MÜNCHEN (CW) - Die Krise der Information & Communication-(IC-) Sparte von Siemens geht weiter. Nachdem der Konzern bereits vor Wochen die Entlassung von 5100 Mitarbeitern angekündigt hatte, müssen in einer zweiten Runde weitere 2000 Angestellte ihren Hut nehmen. Aufgrund der mageren Ergebnisse des letzten Quartals erhoffen sich die Siemens-Verantwortlichen Einsparungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Angesichts der nicht überzeugenden Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres (siehe CW 18/01, Seite 4) will die Siemens-Spitze in den nächsten Monaten einen rigiden Sparkurs steuern. Das erklärte IC-Vorstand Volker Jung anlässlich einer Analystenkonferenz letzte Woche in London.

Im Bereich ICN sollen zu den bereits angekündigten 3500 weitere 2000 Stellen wegfallen, erläutert der leitende Manager Roland Koch. Damit müssen zehn Prozent der im Bereich Networks beschäftigten Mitarbeiter ihren Hut nehmen. Ende April hatte Konzernchef Heinrich von Pierer schon angekündigt, bei der Handy-Fertigung 2600 Stellen zu streichen. Dabei soll es sich laut offizieller Siemens-Lesart um zeitlich befristete Verträge handeln, die nicht verlängert werden. In dem einst so hoch gelobten Siemens-Segment verlieren somit 30 Prozent der Mitarbeiter ihren Job. Ob in der näheren Zukunft weitere Arbeitsplatzverluste anstehen, wollte ein Siemens-Sprecher nicht beantworten.

Der Konzern will mit den jetzt eingeleiteten Maßnahmen kräftig auf die Kostenbremse treten. Insgesamt sollen 1,4 Milliarden Euro eingespart werden, 600 Millionen in der Handy-Sparte und 800 Millionen bei den Netzen. Um dies zu erreichen, sei ein ganzes Maßnahmenpaket geplant. Einzelheiten würden jedoch erst zusammen mit den Ergebnissen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres am 25.Juli preisgegeben. Vorerst verstecken sich die Manager hinter allgemein gehaltenen Aussagen: So sollen laut der offiziellen Stellungnahme die Prozesse im Einkauf, in der Logistik, der Projektsteuerung sowie der Fertigung optimiert werden. Welche konkreten Maßnahmen damit verbunden sind, wollen oder können die Siemens-Vertreter bislang nicht verraten. Altbekannte Projekte wie die 4P-Strategie (People, Portfolio, Processes, Profitability) bei ICN sollen weitergehen. Allerdings konnten die Manager trotz dieses seit letztem Jahr betriebenen Vorhabens die Krise nicht verhindern.

Neben den Sparplänen steht bei Siemens IC eine Umstrukturierung an. Der Bereich Richtfunk, der bislang in der Sparte ICN untergebracht war, soll in den Bereich ICM integriert werden. Laut einem Unternehmenssprecher seien die 2000 Beschäftigten dort wegen des Aufbaus der künftigen UMTS-Mobilfunkinfrastruktur besser aufgehoben. Als Kosten für die Umstrukturierung veranschlagen die Münchner zwischen 100 und 200 Millionen Euro.

Geldquelle trocknet ausDer Siemens AG stehen schwere Zeiten bevor. Der ins Schlingern geratene I&C-Bereich erwirtschaftete im letzten Geschäftjahr mit 26 Milliarden Euro ein Drittel des Konzernumsatzes. Ungeachtet der jetzt zutage getretenen Schwierigkeiten beharren die Verantwortlichen weiter auf ihren Vorgaben: "Wir halten trotz der aktuellen Marktschwächen an unseren mittelfristigen Zielmargen fest", erklärte Siemens-Vorstandsmitglied Jung.

Die Zahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres geben jedoch wenig Anlass zur Hoffnung. Zwar wuchs der Umsatz des I&C-Segments um 20 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte um mehr als die Hälfte von 935 auf 463 Millionen Euro. Als Grund für das abflauende Geschäft nannte Jung den Margendruck bei Handys und Schwierigkeiten im Enterprise-Geschäft. Laut offizieller Siemens-Einschätzung werden die schwierigen Marktverhältnisse zunächst noch anhalten.

Außer den rigiden Sparmaßnahmen auf Kosten der Mitarbeiter hat die Siemens AG kaum richtungsweisende Strategien zu bieten, die dem deutschen Traditionskonzern wachsende Gewinne bescheren könnten. Wie bereits seit Monaten schwören die Verantwortlichen für den Bereich ICM auf den künftigen Boom im Mobile Business und das Handy-Geschäft. Doch die jüngsten Zahlen sprechen gegen die Vorhersage der Siemens-Manager. So wurden im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 6,9 Millionen Mobiltelefone verkauft. Im vorausgegangenen Quartal waren es noch 9,3 Millionen Geräte. Das defizitäre Handy-Geschäft belastete die Siemens-Bilanz mit 143 Millionen Euro.

Der weltweite Handy-Absatz aller Hersteller werde nach Ansicht von Jung im laufenden Jahr etwa bei 400 Millionen Geräten liegen. Damit reduzieren sich die Erwartungen immer weiter. Anfang des Jahres waren die Siemens-Manager noch von zirka 450 bis 500 Millionen Mobiltelefonen ausgegangen. Im letzten Jahr hatte die Prognose sogar bei 550 Millionen verkauften Handys für das Jahr 2001 gelegen.

Den Erfolg von M-Commerce-Strategien beurteilen Marktforscher nach neuesten Untersuchungen kritisch. Laut einer Studie von A.T. Kearney, das zusammen mit der Cambridge University 1600 Handy-Nutzer befragte, sank das Interesse an mobilfunkbasierten Internet-Diensten während der letzten Monate deutlich. Erklärten im Juni letzten Jahres noch 32 Prozent der Befragten, über das Mobiltelefon auf das World Wide Web zugreifen zu wollen, zeigten Anfang dieses Jahres nurmehr zwölf Prozent Interesse an entsprechenden Diensten.

Als Grund für die Abkehr der Mobiltelefonierer vom Internet führt Marktforscher Paul Collins in erster Linie die technischen Probleme an. Die Hersteller warnt er vor sinkenden Absatzzahlen, sollte sich die Technik nicht verbessern. Außerdem müssten Gerätehersteller, Dienstleister sowie die Anbieter von Inhalten verstärkt zusammenarbeiten, um die potenziellen Kunden von den Vorteilen des M-Commerce zu überzeugen. Davon ist allerdings bislang wenig zu spüren.

Sicherheit kein KernthemaDer Siemens-Bereich Information & Communication Mobile (ICM) trennt sich rückwirkend zum 1. Mai von der Sparte Hardwareverschlüsselung. Das Münchner Unternehmen Rhode & Schwarz SIT GmbH wird den Bereich übernehmen. Man ziehe sich aus dem Spezialmarkt zurück, um sich verstärkt auf das Kerngeschäft mit der mobilen Kommunikation zu konzentrieren, begründen die Siemens-Manager diesen Schritt. Insider kritisieren jedoch, dass gerade die Sicherheit ein wichtiger Aspekt für das künftige Mobile-Business sei. Mit dem Verkauf verliere Siemens Kompetenz in Sachen Sicherheit im M-Commerce.