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20.04.1990

Sienix: Start in die Flitterwochen

Keine Frage, daß das Bundeskartellamt in Berlin seine Pflicht tun und vermuteten Gefahren für den Wettbewerb im DV-Markt nachgehen mußte. Es hätte freilich schon wie im Tollhaus zugehen müssen, wäre im Falle des Siemens-Nixdorf-Antrages ein Ergebnis herausgekommen, das die Zusammenlegung der DV-Aktivitäten beider Unternehmen erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht hätte. Gründe für eine Ablehnung, so formulierten Branchenkenner ihr "Vor"-Urteil, waren nirgends auszumachen. Die Kuh ist vom Eis - der Gründung der Siemens-Nixdorf Informationssysteme (SNI) steht nichts mehr im Wege.

Doch gemach: Aufgabe der Kartte-Behörde war es nicht, Noten zu vergeben, wie nämlich das Marktverhalten der Münchner und der Nixdorfer in der Vergangenheit zu bewerten sei. Und nichts lag ihr ferner, als Prognosen zu stellen. Es wird das Geheimnis der Berliner Wettbewerbshüter bleiben, was sie zu ihrem "Ja-Spruch ohne Vorbehalte" veranlaßte. Eine Begründung gibt es nicht. Doch es gibt andere Fragen. "Jetzt spiel mal schön mit dem (Nixdorf)Hundilein", hatten wir in einer Cartoon-Unterschrift die-"Katzenmutter" Siemens zu ihrer DI-Tochter sagen lassen. Die Botschaft war eindeutig: Kann diese Ehe gutgehen?

Nachdem jetzt das Plazet aus Berlin vorliegt, können sich die Münchner nicht länger bedeckt halten, was Konzepte und Köpfe betrifft. Für Marktkenner treten die Probleme offen zutage. So orakelt der Siemens-Anwenderverein SAVE, gewiß keiner Anti-Siemens-Verschwörung verdächtig: "Es ist zu befürchten, daß sich das neue Unternehmen über längere Zeit mehr mit sich selbst als mit den Problemen der Kunden beschäftigt." Diebold-Deutschland-Chef Gerhard Adler wird schon deutlicher: "Aus eigener Kraft werden die beiden den internationalen Markt nicht schnell genug aufrollen. Dazu bedarf es weiterer Zusammenschlüsse." Mit einer simplen Feststellung legt Christian Schulz, Fachmann für Unternehmenskultur, den Kern des Problems bloß: "Man hätte von vornherein drei oder vier symbolische - das heißt kulturwirksame - Entscheidungen treffen müssen, um die Gleichberechtigung der Partner zu betonen."

In einem ersten Kommentar zur Siemens-Nixdorf-Fusion hatten wir ganz ähnlich argumentiert (CW Nr. 3 vom 19. Januar 1990, Kolumne: "Sienix - Geld bringt keine Ideen"). Nach wie vor kennen wir die Absichten der Siemens-Oberen nicht. Grund genug, erneut dieselben Fragen zu stellen: Wo ist denn das klare Konzept? Von wem kommen die Impulse? Welche "Köpfe" können aufgeboten werden? Vor allem: Wie kann das Vertrauen der Kunden gewonnen werden? Siemens ist in Zugzwang. Die zu erwartenden Entscheidungen werden Aufschluß darüber geben, wohin der SNI-Zug-rollt. Wir fürchten: auf ein totes Gleis.