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26.07.1985 - 

Amerikanische 3081 Anwender haben den stärksten Performance-Bedarf:

Sierra 3090 soll IBM Umsatzschub bringen

MÜNCHEN (ru) - Steinig ist für die IBM der Weg zur 100-Milliarden-Dollar-Company geworden. Die Gewinne waren in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres deutlich rückläufig, der Umsatz stagnierte. Das Loch hofft Big Blue im vierten Quartal durch 3090-lnstallationen zu stopfen.

Offiziell vorgezogen vom November auf den Oktober '85 hat die IBM vor kurzem die Auslieferung des Sierra-Modells 3090-200. Bei der Datev in Nürnberg steht bereits schon jetzt die neue Top-Maschine neben dem ehemaligen Flaggschiff 3084Q und zwei Siemens-Rechnern 7890 S.

Über die Zahl der 3090-Prozessoren, die IBM bis zum Jahresende 1985 weltweit absetzen will, gibt es unterschiedliche Ansichten. Einige Branchenbeobachter haben sich auf etwa 250 festgelegt. Davon, so spekulieren sie, würden weniger als zehn Prozent in Deutschland installiert.

Glaubt man hingegen Informationen aus Montpellier - hier wird die 3090 gefertigt - hat sich die IBM zumindest für die Bundesrepublik ein Ziel von 30 bis 40 Systemen gesteckt. Rund 100 Aufträge sollen in den Büchern stehen. Nach Angaben von Branchenkennern hat die IBM in Stuttgart alle Liefertermine bis Februar nächsten Jahres in 1985 hineingezogen, um die Umsätze zu puschen. Ferner erarbeitet man derzeit wohl noch Rabattstaffeln für Großkunden.

Das amerikanische Marktforschungsunternehmen International Data Corp. (IDC) hat, um die Gültigkeit der IBM-Hoffnungen zu testen, im Mai eine Umfrage durchgeführt. 860 Anwender von 308X-Systemen sollten sich äußern, ob sie 3090-Maschinen bestellt haben oder aber noch zu ordern beabsichtigen. Das Ergebnis, befand IDC nach der Auswertung, sehe für die IBM gar nicht so schlecht aus. Danach hätten bereits mehr als 1000 US-Anwender von 3080-Maschinen eine 3090-200 bestellt. Allein in diesem Jahr würden davon noch 370 in den Staaten ausgeliefert.

Weltweit rechnet IDC bis Ende Dezember mit 450 Installationen, was einem Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar entspräche. Die Marktbeobachter kommen allerdings zu dem Schluß, daß die Verkäufe von 3090-Rechnern in diesem Jahr den Umsatzverlust der IBM bei Großrechnern, bedingt durch die Schwäche im 308X-Geschäft, nicht kompensieren können. Für 1986 errechnete IDC 685 Auslieferungen in den USA, wobei sich diese Zahl durchaus um 350 auf 1035 erhöhen könne. Die Nachfrage nach Sierra sei unleugbar vorhanden. Daß Bedarf nach weiter steigender Rechnerleistung besteht, zeigen die zur Zeit der Umfrage 64 Stimmen für den Aufrüstsatz zur 3090400. Die Projektion liegt bei 170 Einheiten.

Das größte Interesse am derzeitigen Performance-Gipfel des Marktführers kommt aus den Reihen der 3081-User. Von ihnen seien in den USA 163 Aufträge für das Sierra-Grundmodell eingegangen und 22 Bestellungen für das Upgrade zur 400er-Version. Einige entschieden sich aber auch gegen die 3090 und für eine 3084.

Die wenigsten Aufträge für eine 3090 hat IBM aus dem Kreis der 3083-Anwender erhalten. Lediglich 12 trugen sich mit dem Gedanken, in die obere Mips-Klasse aufzusteigen. Um aber auch Käufer aus diesem Bereich zu rekrutieren, bereite IBM, wie Insider munkeln, das Announcement einer 3090-100 vor.

Mit der Ankündigung der 3090 hat, so IDC, die 308X-Linie wesentlich an Sex-Appeal verloren und die Verkäufe gerieten ins Stocken. In Deutschland konnte insbesondere die Siemens AG aus der Schwäche des Marktführers Kapital schlagen. Der Marketingflop von Big Blue, den Aufrüstsatz zur 3090-400 erst 1987 zu liefern, brachten die 7.8XX-Rechner des Mitbewerbers aus München vermehrt ins Gespräch. Hinzu kommt ein offensichtlich höheres Preisentgegenkommen, als es IBM praktiziert. Zwar ist das Interesse und die Ordertätigkeit von 3084-Anwendern an dem Nachfolgemodell des bisherigen High-end-Prozessors nicht schlecht, jedoch offensichtlich nicht so hoch wie erwartet. "Mit der Leistung der 200er bringt man Kunden nur schwer zur Unterschrift", formuliert ein Marktkenner. Als Alternative zur 3084QX ist das 3090-Basismodell kaum zu bezeichnen. Es biete keine höhere Performance und baut auf der 3081-Architektur auf. Eine Back-up-Möglichkeit, wie sie ... 3084 bietet, scheidet damit aus.

Viele User, vor allem diejenigen, die an der Grenze der Rechnerkapazität angelangt sind, steigen allerdings trotzdem auf die Sierra um - in Erwartung des Aufrüstsatzes, dessen Auslieferung IBM möglichweise vor ziehen könnte. Nicht selten bemängeln zudem Fachleute, daß das Leistungsspektrum der 400er Sierra nur über das Modell 200 zu haben sei.

Zumindest, ermittelte IDC in seiner Umfrage, hatten sich von 135 3084-Usern in den Staaten 71 entschlossen, einen Auftrag für eine 3090 zu plazieren oder dies zumindest zu planen.