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27.01.1984 - 

Neue IBM-Großrechnerserie wird spätestens im Herbst erwartet:

Sierra-Jumbos sollen 3084-Schwäche ausmerzen

STUTTGART/ARMONK - Die Informationen verdichten sich. daß IBM noch im zweiten Quartal dieses Jahres, spätestens aber im Frühherbst, eine unter dem Codenamen "Sierra" entwickelte Großrechnerserie ankündigen wird. Zwar basieren die neuen High-end-Prozessoren nach Ansicht von US-Marktanalysten technologisch noch auf den derzeit verfügbaren H-Modellen - sie seien jedoch mit einem "revolutionären" Preis/Leistungs-Verhältnis ausgestattet. Ein so frühes Sierra-Announcement würde den 3084-Maschinen, mit deren Vermarktung Big Blue sich ohnehin schwertue, zu schnellem Abgang verhelfen, spötteln Jumbo-Insider.

Das Großrechnergeschäft wird für IBM-Konkurrenten - ob PCM-Anbieter, Leasinggesellschaften oder Broker - zunehmend härter. Dabei strengt sich der Marktführer offensichtlich auch mit seiner neuen Rechnerserie keineswegs an, Mitbewerber durch neue Technologien an die Wand zu drücken. Die IBM baut vielmehr auf ihre bislang wirksamste Waffe: das Marketing. So wollen denn auch Marktbeobachter mit Passierschein zum Entwicklungszentrum in Poughkeepsy wissen, daß die Sierra-Modelle noch immer in der /370-Architektur verhaftet sind. Die Rechner enthielten lediglich Verbesserungen im Kanal-Design, seien auf die neuen 3380-Double-Density-Platten ausgelegt und auf reine Extended-Architecture-Anwendungen zugeschnitten. Ebenso gerätselt wie über die angewandte Chip-Technik (TCM oder ECL) wird auch über die Upgrade-Pfade zu den neuen Prozessoren.

Da die Leistung der Sierra-Modelle bis zu 6,5 Mips herunterreiche, spekulieren IBM-Watcher, daß die Jumbo-Serie mit einer Kompatibilitätsbrücke zu dem XA-fähigen Midrange-Prozessor 4381 ausgestattet sei.

Als sicher gilt, dies geht auch aus Prognosen der amerikanichen Gartner Group hervor, daß IBM den Sierra-Reigen mit einer dyadischen 29-Mips-Maschine (Codename "Morgan") eröffnen wird. Wie die Gartner-Analysten prognostizieren, dürfte Big Blue spätestens ein halbes Jahr nach dem Morgan-Entree vier weitere Sierra-Prozessoren ankündigen Dabei komme neben den kleineren Modellen "Cresten" (6,5 Mips) "Lago" (14 Mips) und "Indian" (19 Mips) insbesondere dem 44-Mips-Rechner "Buckhorn" mit einer Hauptspeicherkapazität von bis zu 128 MB eine strategisch wichtige Bedeutung zu. In dieser Leistungsklasse bemühe sich derzeit auch die japanische und amerikanische PCM-Konkurrenz, entsprechende Computer-Power auf die Beine zu stellen. Während jedoch die "Buckhorn"-Maschine, ebenso wie die 3084 Q, über ein Quadro-Prozessor-Konzept verfüge, so die Buschtrommel, zielen die Ambitionen des Wettbewerbs auf in der Regel schnellere Single- oder Dyadik-Prozessoren.

Mit Preispower gegen Broker

Mangelnden "Tech-Novitäten" will der Marktführer aber offensichtlich ein bisher nie dagewesenes Preis / Leistungs-Verhältnis entgegensetzen. Wie aus IBM-Kreisen verlautet, werde sich der Sierra-Preis pro Mips zwischen 150 000 und 170 000 Dollar bewegen. Somit würde die als 29-Mips-Maschine deklarierte "Morgan" für nur etwa 12 bis 14 Millionen Mark erhältlich sein. Zum Vergleich: Der augenblicklich größte IBM-Rechner 3084 Q kostet bei einer Leistung von 25 bis 27 Mips knapp 20 Millionen Mark.

Daß bei einer derartigen Preispower vor allem Broker und Leasingunternehmen, die sich im hartumkämpften Jumbo-Geschäft die RZ-Türen mit dramatischen Restwerten aufstoßen wollten, an den Rand des finanziellen Abgrunds gedrängt würden, steht außer Frage. Die "alternativen" Mainframe-Anbieter sehen denn auch bereits eine Situation auf sich zukommen, wie sie sich bei der 4300-Ankündigung im Jahre 1979 einstellte. Damals wartete IBM ebenfalls mit einer "neuen" Preis/Leistungs-Dimension auf, was im Brokerlager bekanntlich zu einigen Bauchlandungen führte. Nach Meinung von Finanzierungsexperten werden die Kaufpreise für die jetzt noch vermarkteten Modelle 3081 K und 3084 Q schon innerhalb der nächsten drei Monate um bis zu 20 Prozent in den Keller gehen. "Bei derartigen Preisbewegungen, so der deutsche Geschäftsführer des amerikanischen Leasingunternehmens Comdisco, Michael Besler, "haben nur finanzstarke Broker eine Überlebenschance."

Wie IBM-Kritiker meinen, richte sich die als verfrüht betrachtete Sierra-Ankündigung nicht nur gegen die "Jumbo-Finanziers", sondern auch gegen die bevorstehende Auslieferung der von Gene Amdahl entwickelten Trilogy-Rechner. Der PCM-Pionier arbeitet seit etwa zwei Jahren an einer neuen Großrechner-Generation, deren Monoprozessor eine Leistung von über 40 Mips erreiche. Eine geplante Doppelprozessor-Anlage soll gar auf Performance-Werte von rund 70 Mips kommen. Da die von Gene Amdahl ausgetüftelte Chip-Technologie die bisherigen Herstellungskosten für Mainframes drastisch senken dürfte, erwarten Trilogy-Beobachter einen geradezu "bombastischen" Sprung beim Preis/ Leistungsverhältnis. Offiziellen Verlautbarungen zufolge kämpfe das Amdahl-Team derzeit allerdings mit Schwierigkeiten bei der Schaltkreis-Technologie der Super-Rechner. Die Auslieferung der ersten Trilogy-Prozessoren könne deshalb voraussichtlich erst im Herbst 1985 erfolgen.

3084 Q: Ein Versager

Obgleich Big Blue die Verzögerung der Amdahl-Maschinen als eine willkommene Verschnaufpause auffassen könnte, gehen Kenner der IBM-Szene davon aus, daß die Sierra-Ankündigung kurz bevorsteht. Grund: Der Marktführer tue sich bei der Vermarktung der 3084 Q schwer. Das US-Management habe geplant bis Ende 1984 insgesamt 300 dieser Rechner weltweit abzusetzen. Die IBM Deutschland GmbH, größte Tochtergesellschaft des Computermulti, konnte dem Vernehmen nach bislang nur fünf Systeme installieren.

In anderen Ländern soll die 3084-Vermarktung auch nicht erfolgreicher verlaufen sein. Während die 3081 K in Benutzerkreisen als eine Maschine mit einem ausgewogenen Preis/Leistungs-Verhältnis gilt und sich inzwischen zum größten Umsatzträger im Großrechner-Geschäft des Marktführers gemausert habe, wird der Quadro-Prozessor als "Exote" angesehen, der obendrein viel zu teuer sei. Überdies klagen 3084-User zunehmend über Performance-Probleme. Renommierte Großanwender, allen voran die Nürnberger Datev AG, haben sich denn auch bereits für die PCM-Konkurrenz entschieden.