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Schwere Zeiten für Silicon Graphics


19.09.1997 - 

Siggraph '97: Wintel wird vom professionellen 3D-Markt akzeptiert

Der in anderen Branchen deutlich spürbare Wintel-Boom macht sich inzwischen auch im High-end-Grafiksektor bemerkbar. Selbst die bislang auf Silicon Graphics (SGI) eingeschworenen Töchter des Workstation-Herstellers wollen sich diesen Markt nicht entgehen lassen. So zum Beispiel der SGI-Ableger Alias/ Wavefront, der zur Zeit an einem Nachfolger des Rendering- und Animationspakets "Power Animator" arbeitet und dieses Anfang 1998 zunächst für die SGI-Plattform, später aber auch für NT ausliefern will. Bei der als "Maya" bezeichneten Software handelt es sich um ein objektorientiertes System, das vor allem in Sachen Geschwindigkeit und Produktivität gegenüber der aktuellen Variante glänzen soll.

Ähnliches gab die auf SGI spezialisierte US-Firma Side Effects bekannt, die ihre Entwicklungen im Bereich der Animationssoftware "Houdini" künftig auf beide Betriebssysteme ausweiten will. Genaue Verfügbarkeitsdaten konnte der Hersteller auf der Siggraph allerdings noch nicht nennen.

Bewegung zeigte sich auf der Messe auch bei den von der PC-Schiene her kommenden Anbietern. Autodesks Multimedia-Division Kinetix führte beispielsweise vor, daß es sich bei Version 2.0 von "3D Studio Max" um einen Major-Release-Wechsel handelt. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt der Nurbs-Modeller, mit dem der Anwender auch schwierige Freiformflächen konstruieren kann. Ebenfalls überarbeitet wurde der Renderer, der nun die Möglichkeit bietet, ein selektives Raytracing vorzunehmen. Hinzu kommt eine neue Scripting-Sprache, mit der sich visuell Makros erstellen lassen, die häufig wiederkehrende Arbeitsschritte automatisieren. Interessant ist, daß 3D Studio Max jetzt voll- ständig die Grafikschnittstelle Open GL unterstützt und damit die gesamte Leistung der mittlerweile großen Palette von High-end-Grafikkarten nutzen kann. Das Upgrade wird insgesamt 1000 neue Features umfassen und soll ab Ende dieses Jahres verfügbar sein.

Das Ziel, mit dem Produkt gegen Lösungen des oberen Marktsegments anzutreten, wurde durch den Messeauftritt von Magic Camera unterstrichen: Der auch in der Filmbranche aktive britische Produzent berichtete über seinen Umstieg von Silicon-Graphics-Animationspaketen auf 3D Studio Max.

Kinetix-Konkurrent und Microsoft-Tochter Softimage, Anbieter von 3D-Animations- und -Visualisierungssoftware, präsentierte zur Siggraph das Service Pack 1 für "Softimage 3D". Außer Bugfixing bietet das Produkt eine Reihe neuer Features wie Ergänzungen im Bereich der inversen Kinematik-Funktionen sowie neue Selektions- und Betrachtungswerkzeuge. Das im vergangenen Jahr vom Hersteller gestartete Entwicklerprogramm trägt inzwischen erste Früchte. Zu den Plug-ins, die für Softimage 3D heuer erstmals präsentiert wurden, gehören "Filmbox" von Kaydara, ein Echtzeit-Motion-Capturing-System für Gesichtsanimationen, und die "Digital Nature Tools" von Arete Image Software, mit denen man beispielsweise realistisch erscheinende Wasseroberflächen oder atmosphärische Effekte erzeugen kann.

Die Phantasiewelt in der Filmproduktion wird jedoch nicht allein durch 3D-Technik, sondern auch mit sogenannten Composing-Verfahren erreicht. Die Kunst hier liegt im Zusammenfügen von Realbildsequenzen mit computergeneriertem Bildmaterial. Aufgrund der riesigen Datenmengen, die etwa mit einem 35-Millimeter-Kinofilm zu verarbeiten sind, spielen in diesem Anwendungssegment Workstations von Silicon Graphics immer noch eine dominante Rolle, obwohl es auch hier bereits geeignete PC-Lösungen unter Windows NT gibt.

Composing für kleinere Budgets

Auf diesen Trend haben sich inzwischen einige High-end-Anbieter vorbereitet. So erweiterte der bislang auf SGI-Rechner aufsetzende Composing-Spezialist Discreet Logic erst kürzlich seine Produktlinie, indem er die Firma Denim Software mit dem Produkt "Illuminaire" akquirierte, ein objektorientiertes, auf NT-basierendes Composing-Paket. Darüber hinaus gab der an Hollywood-Produktionen beteiligte Hersteller bekannt, daß einige Features seiner SGI-Lösungen auch dem Publikum mit geringerem Budget unter NT zur Verfügung stehen werden.

Von dem Windows-Einzug im Bereich Composing profitiert außer der Filmindustrie vor allem der Baubereich, der es sich aufgrund der sinkenden Systemkosten nun zunehmend leisten kann, die Technik für eine animierte Visualisierung von Architekturobjekten zu nutzen.

Ein anderes, Internet-bezogenes Thema auf der Siggraph war die Beschreibungssprache Virtual Reality Modeling Language (VRML), die in diesem Jahr aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht zu sein scheint. Das VRML-Konsortium, dem über 60 Firmen, darunter auch namhafte Hersteller wie Sony, 3D Labs, Oracle, Philips und Silicon Graphics angehören, ließ auf der Messe wissen, daß VRLM 2.0 noch in diesem Jahr als ANSI/ISO-Standard zertifiziert wird. Bezüglich des Internets wollen die Konkurrenten Netscape und Microsoft einen VRML-2.0-Viewer standardmäßig in ihre Browser integrieren.

VRML könnte somit bald auch im professionellen Umfeld eine Rolle spielen, wenn beispielsweise im Mechanik- oder Architekturbereich 3D-Geometrien über das Netz zu betrachten sind. Speziell dafür bietet die Firma Resolution Technology mit "Virtual View" ein eigenes Browser-Plug-in an. Es ist den Konkurrenzprodukten "Cosmo Player" von der SGI-Tochter Cosmo Software sowie "World View" von Intervista Software insofern überlegen, als das Ansichts-Tool auch mit den komplexeren Szenerien der Mechanik umgehen kann.

Ein weiteres Messe-Highlight gab es im Spielesektor. Für realistischere 3D-Erlebnisse soll die sogenannte Force-Feedback-Technik sorgen, die eine Rückkopplung der digitalen Welt auf das Eingabegerät erlaubt. Ein Beispiel dafür ist der nun von Microsoft vorgestellte "Flugsimulator 98" im Zusammenspiel mit einem Force-Feedback-fähigem Joystick als Steuerknüppel. Ein Stück realistischer wird die Erlebniswelt dadurch, daß die Auswirkung verschiedener Kräfte etwa von Motorvibrationen oder Windböen auf den Joystick übertragen werden.

Gegenwind

Der Einzug von PC-Workstations und Windows NT in den professionellen 3D-Markt macht Silicon Graphics schwer zu schaffen. Daß der Hersteller von der herausragenden Position in seinem angestammten Anwendungssegment etwas einbüßen mußte, zeigte sich besonders auf der diesjährigen Computergrafikmesse Siggraph. Zu den schärfsten Konkurrenten gehört Hard- und Softwarespezialist Intergraph, der seine Intel-Workstation "TDZ 2000" vorstellte und mit eigenen Vergleichstests nicht sparte. Gegenüber dem SGI-Rechner "Octane" biete der Computer und dessen Grafiksubsystem mehr Leistung zum halben Preis, so die Intergraph-Botschaft. In diese Kerbe schlugen auch andere Branchengrößen wie Compaq, DEC, IBM, HP oder Netpower, die ebenfalls im lukrativen 3D-Markt intensiver mitmischen wollen.