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07.02.1975 - 

Import aus Kanada

Simulant mit 18 Herzklappenfehlern

BONN - Was Ärzte im allgemeinen gar nicht schätzen, wird ein Institut der Universität Bonn aus Kanada importieren - einen Simulanten. Der computersimulierte Patient kann 18 verschiedene Herzklappenerkrankungen bieten. Das in Kanada entwickelte System zeigt an einem Bildschirmterminal beispielsweise EKG-Kurven, läßt Tonbänder mit Herzgeräuschen erklingen - spielt aber auch von einem 16-mm-Film Aufnahmen von Patienten auf den Bildschirm. Der Student kann Beschwerden und Befunde abfragen und danach seine Diagnose stellen.

In Alberta ist das Modell sogar schon zur Facharztprüfung verwendet worden. In Deutschland erhofft man sich zunächst eine Entlastung der Patienten, man will sie nicht öfter als wirklich nötig durch Studenten nur des Lernens wegen befragen und untersuchen lassen. Die Kanadier haben festgestellt, daß bis zu 30 Prozent der Kurszeit am Computer verbracht werden kann.

Der Import des Simulationsmodells ist das erste großere Vorhaben im Bonner "Institut für Didaktik der Medizin". Unter Leitung von Professor Rentschler hat man sich dort seit vorigem Jahr zunächst mit der Entwicklung eines einfachen Herzschallsimulators für die Grundschulung befaßt. Nach dem kanadischen Computer-Patienten steht die computergerechte Darstellung des Lernverhaltens auf dem Programm. Durch Auswertung der Fragen und Antworten des Studenten sollen dessen Kenntnisstand verfolgt und Hinweise gewonnen werden, was beispielsweise wiederholt werden muß.

Kanadier sind großzügiger

Rentschlers Kanada-Kontakte basieren auf einem Regierungsabkommen, das unter anderem eine deutsch-kanadische Zusammenarbeit beim Bildungswesen vorsieht.

Rentschier: Die Kanadier sind für eine Kooperation sehr aufgeschlossen und wesentlich großzügiger im Mitteilen von Erfahrungen als man etwa es in den USA ist, wo immer gleich Copyright-Fragen aufgeworfen werden".

Die Deutschen konnten aber auch schon den Kanadiern etwas bieten: bei einem Besuch von Mitarbeitern der Heidelberger Stiftung Rehabilitation in Edmonton, Vancouver, Toronto und Ottawa zeigte sich nicht nur ein starkes gemeinsames Interesse an APL. Die Deutschen, in Europa größter Anwender des Computerunterstützten Unterrichts, brachten ein Modulsystem für die von Ausbildungsinhalten freie Grund-Software mit, das vom Band weg beispielsweise in Vancouver sofort eingelesen und angewendet werden konnte. "Der Austausch dieser sprachunabhängigen Software ist problemlos" berichtete H. Berger, der in Kanada konkrete Zusammenarbeit etwa bezüglich der Interface-Standardisierung oder der Übernahme der Bausteine Information und Dokumentation vereinbarte.

Während bei den Ausbildungsinhalten meist die Sprachbarriere beziehungsweise das Übersetzungsproblem Schwierigkeiten macht, ist das zumindest in einem Fall problemlos: die Heidelberger wollen für den Englisch-Unterricht später den Kurs übernehmen, den die Universität Edmonton zur Zeit entwickelt, damit deutschen Einwanderer in Kanada schneller Englisch lernen.