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Im Zeitalter der TK-Liberalisierung

Sind Corporate Networks noch zeitgemäß?

07.05.1999
KÖLN (jha) - Früher sollten Corporate Networks Telefonkosten sparen. Seit im letzten Jahr die Preise für Sprachvermittlung drastisch gesunken sind, ist dieses Motiv hinfällig. Es gibt allerdings noch andere Gründe für die Kommunikation innerhalb einer geschlossenen Benutzergruppe.

Kalt erwischt von der Preisschlacht im TK-Markt wurde die Deutsche Post AG: "Wir haben uns anfangs angesichts der Kostenersparnis die Hände gerieben", berichtet Sabine Velmeden, Leiterin Netzplanung bei dem gelben Transportunternehmen in Darmstadt, anläßlich der von IIR Deutschland in Köln veranstalteten Anwenderkonferenz "Corporate Networks". "Die Derugulierung des Marktes hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht."

Die Gelbe Post ließ sich jedoch nur kurzzeitig vom Preiskrieg irritieren. Von dem Vorhaben, die Sprach- und Datenkommunikation von etwa 200 Niederlassungen über ein ATM-Backbone innerhalb einer geschlossenen Benutzergruppe abzuwickeln, ließ die Managerin nicht ab. Der Zweck des Corporate Nework hat sich indes verlagert. Es soll nun vor allem der strukturellen und funktionalen Verbesserung des Kerngeschäfts dienen. Die Installation wird künftig die Basis für interne Videokonferenzen, den Helpdesk für die Mitarbeiterbetreuung und Multimedia-Anwendungen sein. Zudem erhofft sich die Deutsche Post, neue elektronische Geschäftsfelder schneller erschließen zu können.

Unter dem Gesichtspunkt der Datenübertragung hat sich bei der Kostenkalkulation für ein Corporate Network wenig geändert, denn nach wie vor ist Bandbreite im Weitverkehrsnetz teuer. Zwar ist der Markt für Corporate Networks bereits seit 1993 vom Gesetzgeber freigegeben, der Preisverfall hält sich im Vergleich zur Sprachkommunikation jedoch in Grenzen.

Die neuen Carrier, so scheint es, haben sich mit aller Vehemenz auf den Sprachverkehr gestürzt und das Gros ihrer Kapazitäten auf diesen Markt konzentriert. Die Ausschreibung der Infrastruktur für Corporate Networks durch Daimler-Chrysler (damals noch Daimler-Benz), stieß bei nur wenigen Anbietern auf Interesse, "die hatten selbst Engpässe bei der Bandbreite", berichtete Walter Müller, beim Stuttgarter Automobilbauer Leiter des Corporate Network 2.

Die Schwaben ließen sich durch den stürmischen Wettbewerb im Markt für Sprachverbindungen ebensowenig wie die deutsche Post beeindrucken. Zwar habe sich die Kostenrechnung verschoben, so Müller, doch "wir telefonieren nicht nur von Deutschland nach Singapur, sondern auch von Singapur nach Deutschland - und das ist teuer."

Die Wirtschaftlichkeit ist zwar ein, jedoch nicht der alleinige Grund zur Installation eines Corporate Network. Vor allem das Argument der Globalisierung wird in diesem Zusammenhang oft bemüht.

"Daimler-Chrysler will in zehn Jahren das Wachstum verdoppeln", gibt Müller einen Ausblick. Die Konsequenz daraus sind zusätzliche Standorte, die Ausweitung der Geschäftsfelder, verbunden mit einer rasanten Entwicklung beim unternehmens- und geschäftsrelevanten Informationsaustausch. Um ein globales unternehmensinternes Netz einrichten zu können, mußte Daimler-Chrysler zusammen mit dem Outsourcer Debis Systemhaus weltweit bei den nationalen Carriern auf die Suche gehen. Keiner der in internationalen Konsortien organisierten Anbieter war in der Lage, den Stuttgartern ein flächendeckendes Netz zur Verfügung zu stellen.

Automobilkonzerne sind ebenso wie Konsumgüterhersteller oder IT-Anbieter von den immer kürzer werdenden Innovationszyklen betroffen. Dieser Anforderung begegnen die Unternehmen mit einer kontinuierlichen Produktentwicklung. Die Denkfabriken der Hersteller sind über unterschiedliche Zeitzonen, etwa Europa, Asien und Amerika, verteilt und übergeben ihre Arbeiten am Feierabend ihren Kollegen im Westen, deren Arbeitstag dann beginnt. Für derartige Entwicklungsabläufe ist ein verläßlicher Informationsfluß unabdingbar.

Bei der Realisierung des Corporate Network haben die Deutsche Post und Daimler-Chrysler unterschiedliche Wege gewählt. Der Automobilkonzern vereinbarte mit dem Debis Systemhaus einen Outsourcing-Vertrag, in dem Eckpunkte wie ein unternehmensweites Adreßbuch für alle 430 000 Mitarbeiter, internationale Mail-Zustellung in weniger als 15 Minuten und standortunabhängiger Zugriff auf Daten und Informationen festgehalten wurden. Die Deutsche Post ging den Weg dagegen alleine. "Wir sind technischer Betreiber des Corporate Network und können unsere Kundenanforderungen mit unserem Equipment umsetzen", begründet Post-Managerin Velmeden den Entschluß, das Unternehmensnetz selbst zu betreiben.

In der Argumentationskette für und wider das Outsourcing eines Corporate Network steht auf der einen Seite die Kosten-Nutzen-Rechnung, auf der anderen Seite die unternehmensinterne Politik. "Immer wenn die Personalkosten eingerechnet werden, fällt die Entscheidung gegen den Betrieb eines Corporate Network", weiß Dieter Steuer, Geschäftsführer von DOK Systeme, Garbsen. "Die Controlling-Abteilung fragt nicht nach Know-how-Verlust." Erschwerend kommt die Situation auf dem Arbeitsmarkt hinzu, denn Fachleute für den Betrieb eines solchen Netzes sind rar und teuer.

Die Corporate-Network-Pläne des DFN-Vereins wurden schon deshalb in Outsourcing-Bahnen gelenkt, bevor die Frage nach Fachkräften überhaupt diskutiert werden konnte. Schon nach der Evaluierungsphase fand der Verein zur Förderung eines Deutsche Forschungsnetzes e.V (DFN-Verein) heraus, daß der eigene Betrieb eines sprachvermittelnden Netzes nicht machbar wäre.

Gescheitert ist das Vorhaben an technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Das vorhandene ATM-Netz um Sprachdienste aufzurüsten, "ist technisch zu bewältigen, betriebswirtschaftlich jedoch fragwürdig", urteilte Jochen Pattloch vom DFN-Verein, Berlin. "Voice over IP", so seine Erfahrung mit der Alternativtechnik, " ist über das heutige B-Win katastrophal."

Ausschlaggebend war schließlich die Geldfrage. Der Verein finanziert sich über ein Umlageverfahren und sammelt keinerlei Überschüsse an. Damit fehlte dem Dienstleister für die deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen das Startkapital, um ein eigenes Netz aufzubauen.

Herausgekommen ist schließlich eine Lösung, bei der die angeschlossenen Einrichtungen einen geschlossenen Fernsprechdienst innerhalb des Telefonnetzes der Deutschen Telekom beziehen. "Wir haben Verhandlungsgebot", erklärt Pattloch einen wichtigen Bestandteil des CN-Vertrages. Ergibt sich im Markt ein neues Preisgefüge, wird mit dem Anbieter über die Kosten nachverhandelt. Die Aufgaben des DFN-Vereins beim Sprachverkehr seiner Mitglieder beschränken sich dadurch auf die Pflege und Abrechnung sowie auf Mittlerfunktionen zwischen Betreiber und Nutzer.

Ein Beispiel für die strategische Entscheidung zum Betrieb eines eigenen Netzes bietet Bosch Telekom. Der in Stuttgart ansässige Elektrokonzern unterhält ebenso wie Daimler-Chrysler ein weltweites Netz, vertraut dabei jedoch keinem Outsourcing-Partner: "Sollen wir als Anbieter von TK-Geräten unser eigenes TK-Netz auslagern?" fragte Rainer Eggensperger. Die Antwort: "Wir können das Netz als Referenzinstallation präsentieren." Bosch verspricht sich zudem mehr Flexibilität und eine geringere Abhängigkeit von der getroffenen Entscheidung, zudem kann das Unternehmen eigenes Know-how aufbauen, das wiederum dem Kerngeschäft zugute kommt.

Bosch profitiert beim Aufbau der Unternehmensinfrastruktur natürlich auch davon, daß die eingesetzten Kommunikationskomponenten wie Richtfunkeinheiten und TK-Anlagen aus dem eigenen Hause stammen. In der Regel ist der Aufbau eines Corporate Network mit erheblichen Investitionen verbunden, deren Rücklauf vor allem angesichts der fallenden Preise im TK-Markt schwer zu kalkulieren ist.

Die Tarife, so das Credo der Veranstaltung, werden nicht nur bei den Sprachdiensten, sondern auch für Datenstrecken fallen, und die werden die wichtigste Plattform für alle Unternehmen sein. Das bedeutet gute Perspektiven für die IT-Manager in den Anwenderunternehmen, denn kaum einer bezweifelt, daß auch deren Kommunikationsnetze künftig vornehmlich IP-Pakete transportieren und Sprache als Zusatzdienst durch die Netze geschleust wird. Noch offen bleibt lediglich, wann Voice over IP für diesen Einsatz reif ist.

CN oder VPN?

Was ist ein Corporate Network (CN), und was ist ein Virtual Private Network (VPN)? In jüngster Vergangenheit wird der Begriff des VPNs häufig zur Beschreibung eines Systems bemüht, in dem geschlossene Benutzergruppen über das Internet kommunizieren und der Informationsfluß mit Hilfe von Tunneling-Verfahren, Firewalls und Authentifizierungsmechanismen gesichert wird. Diese Definition greift zu kurz, denn ein VPN kann auch auf öffentlichen Telefonnetzen, Mietleitungen, ATM- oder Frame-Relay-Strecken beruhen, meinten viele Teilnehmer des von der IIR Deutschland GmbH in Köln veranstalteten Kongresses "Corporate Networks".

Anwender eines VPN beziehen Daten- und Sprachdienste von einem Service-Unternehmen, ohne über eine eigene Infrastruktur zu verfügen. Betreiber eines Corporate Network besitzen physikalische Kommunikationswege, die nur dem Unternehmen zugänglich sind. Innerhalb des Corporate Network können durchaus VPNs eingerichtet werden. Ein Beispiel: Das Debis Systemhaus hat sich von nationalen und internationalen Carriern Leitungskapazitäten besorgt und mit eigenen Komponenten ein weltweites Netz aufgebaut - ein Corporate Network, über das nur Debis-Mitarbeiter und -Kunden kommunizieren dürfen. Damit genügt das Service-Unternehmen den vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Einschränkungen, Kapazitäten nur einer geschlossenen Nutzergruppe anzubieten. Daimler-Chrysler bezieht von Debis Kommunikations-Dienste und bildet innerhalb des Corporate Network eine eigene Infrastruktur ab, ohne sie zu besitzen und zu verwalten. Damit ist Daimler-Chrysler Betreiber eines VPNs.