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08.04.1988 - 

Vernetzte Mikros verdrängen Abteilungsrechner:

Sind die Tage des Minicomputers gezählt?

FRAMINGHAM (IDG) - In den siebziger Jahren revolutionierten Minicomputer als Alternative zu den monolithischen Mainframes die betriebliche Datenverarbeitung. Die jüngsten Fortschritte in der Rechenleistung der Mikros, verbunden mit wachsendem Kostenbewußtsein in den Rechenzentren angesichts einer unsicheren Wirtschaftslage, drohen den Minicomputer nun von seinem Podest zu stürzen.

Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß DV-Leiter derzeit dazu tendieren, die Anschaffung von Minis als Abteilungsrechner zugunsten leistungsstarker Supermikros zurückzustellen. Erst kürzlich gab Digital Equipment bekannt, daß der Gewinn des laufenden Quartals hinter den Erwartungen zurückbleiben werde, da sich die Bestellungen in Richtung Low-End-Produkte verschieben.

LANs und Fileserver bieten Supermini-Leistung

"Die Tage des Minicomputers als tragende Säule im mittleren Leistungsbereich sind womöglich gezählt", rechnete Merrily Shinyeda, Leiter des Marktforschungsunternehmens The Sierra Group, die Entwicklung hoch. "Wir glauben, daß LANs und Fileserver heutzutage mindestens gleichwertige Leistungen bereitstellen - und dabei weniger kosten."

In einer Studie, die das Institut kürzlich vorgelegt hat, wurden 1588 US-amerikanische DV-Leiter danach gefragt, welcher Art die für dieses Jahr geplanten Anschaffungen seien. 20 Prozent gaben an, ihre Abteilungsrechnerinstallationen erweitern zu wollen. Dagegen wollten 60 Prozent ihre lokalen Netze und 70 Prozent ihre Fileserver ausbauen. Nur 16 Prozent der befragten DV-Abteilungen planten eine Erhöhung des Budgets für Abteilungsrechner im Minicomputerbereich, verglichen mit 40 Prozent im vergangenen Jahr.

"Der PC als Standardplattform für Software in den meisten Anwendungskategorien hat weiter an Boden gewonnen", erläuterte Shinyeda weiter. "Auch Applikationen wie Textverarbeitung und Grafik werden zunehmend in LANs installiert."

Wackelnde Konjunktur behindert Investitionen

Der Trend weg von den Minis wird anscheinend durch die gegenwärtig unsichere Wirtschaftslage noch verstärkt. Während die Mainframes und Mikros offenbar ihre Position halten konnten, hat sich der Mini zum bevorzugten Kandidaten für das Ansetzen des Rotstiftes erwiesen, wenn Unternehmen ihre DV-Kosten bremsen wollen.

"Die Planung für Mainframes verläuft langfristiger", hat ein Marktforscher von Merrill Lynch beobachtet. "Wenn man seine Investitionspläne deshalb schon vor diesem Quartal erarbeitet hat, kommt man damit in der Regel durch. Bei Minis wird erst geprüft, ob die wirtschaftliche Situation die Anschaffung geraten erscheinen läßt. Bei Mikros legen die Unternehmen weniger harte Maßstäbe an".

Auch die Hersteller haben diese Tendenz registriert. DEC-Verkäufer notierten eine "eindeutige Bewegung zum unteren Preisbereich". Für höherwertige Maschinen war neuerdings die Zeit bis zum Vertragsabschluß länger als üblich", erklärte Mark Steinkrauss, beim Branchenzweiten verantwortlich für die Verbindung zu den Investoren. "Aber die Nachfrage nach Arbeitsplatzrechnern, Servern und Terminals war wesentlich höher als erwartet." Das Unternehmen hofft, mit dem unlängst eingeführten Mainframe "Polarstern" diesen Trend zu brechen. Investoren indes sind sich da nicht so sicher: Die Aktien typischer Minicomputerhersteller wie DEC, Wang, NCR, Prime und Data General sind, zumindest in den USA, in den ersten beiden Märzwochen beständig gefallen, nachdem die Marktbeobachter die Kaufzurückhaltung bei Minis konstatiert haben. Hewlett-Packard scheint als einziger derzeit von dieser Problematik ausgenommen zu sein.

Auch die enttäuschenden Verkaufszahlen des vom Hersteller IBM mit großen Vorschußlorbeeren bedachten Systems 9370 deuten auf einen Einbruch im Minisektor hin. Zwar liegen dem Versagen der Rechnerfamilie eine ganze Reihe von Ursachen zugrunde, aber zumindest ein Großanwender, die United-Airlines-Tochtergesellschaft Covia Corp., reduzierte ihre Investitionspläne, nachdem sie ihre wichtigsten Softwarepakete für Reisebüros auf die Mikrorechner der Typen PS/2 Modell 60 und 80 portieren konnte.

"Die Idee des "Downsizing" wird mittlerweile nicht nur auf Mainframes angewandt", resümiert ein Marktforscher. "Immer mehr Minicomputeranwendungen laufen auf Workstations und vernetzten PCs. Die Minicomputerbranche hat ein Reifestadium erreicht, in dem nicht mehr viel Wachstum zu erwarten ist."