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Sind Dual-Mode-Phones schon überholt?

14.02.2008
Glaubt man einigen Ausstellern des Mobile World Congress, dann gehören Dect- und WLAN-Telefone bald zum alten Eisen. Der moderne User soll künftig in den eigenen vier Wänden dank Femtocell mit seinem gewöhnlichen Handy telefonieren.

Der Gedanke hat etwas für sich: Eine Minimobilfunkzelle - die so genannte Femtocell - soll in den eigenen vier Wänden künftig eine problemlose Handy-Nutzung erlauben. Mit den Femtocells sollen die Zeiten endlich vorbei seien, in denen in manchem europäischen Massivhaus gerade mal am Fenster an einen vernünftigen Handy-Empfang zu denken ist. Nützlicher Nebeneffekt der rund 50 Quadratmeter großen Funkzellen ist, dass die Handys mit deutlich weniger Leistung senden und empfangen können, also zumindest auf dem Papier den Elektrosmog reduzieren. Und last, but not least kann der Benutzer für die neue Technik sein vorhandenes Handy weiterverwenden und braucht kein Dual-Mode-Telefon. Dies ist nämlich erforderlich, wenn die Fixed Mobile Convergence per WLAN realisiert und innerhalb von Gebäuden per Voice over IP over WLAN telefoniert wird. Damit sind die Femtocells auch für Unternehmenskunden interessant, die so ohne große Investitionen die Konvergenz von Mobilfunk und Festnetz angehen könnten.

Zu guter Letzt lockt die neue Technik die Mobilfunkbetreiber noch mit Einsparungen, die laut Sandip Mukerjee, Vice President der Wireless Business Group bei Alcatel-Lucent, im hohen zweistelligen Prozentbereich liegen. Denn die Netzbetreiber müssten ihre Funkzellen nicht mehr so dicht ausbauen und könnten zudem im Betrieb die Sendeleistung herunterfahren, wenn die Inhouse-Abdeckung - angeblich werden 70 Prozent aller Handy-Telefonate innerhalb von Gebäuden geführt - per Femtocells gewährleistet ist.

Femtocell-Phantasien

Angesichts dieser Vorteile verwundert es nicht weiter, dass Hersteller wie Netgear, NEC, Motorola oder Alcatel-Lucent auf dem Mobile World Congress solche Produkte im Gepäck hatten und ITC-Schwergewichte wie Google oder Cisco in entsprechendes Know-how investieren. Alcatel-Lucent-Manager Mukerjee schwärmt bereits davon, dass dank der Femtocells in naher Zukunft auch MP3-Player, Kameras und andere Consumer-Geräte mit Mobilfunksendern zum Datenaustausch ausgerüstet werden. Da die Femtocell zur Weiterleitung der Handy-Telefonate über DSL oder TV-Kabel zum Mobilfunkanbieter sowieso mit dem eigenen Router verbunden werden muss, könnten die Geräte per Funk zum Bestandteil des eigenen Netzes im digitalen Heim oder Unternehmen werden. Laut Mukerjee könnte es in Sachen Femtocells noch in diesem Jahr losgehen. Seinen Worten zufolge testen in Europa bereits etliche große Carrier die Technik. Ein kommerzieller Rollout sei im zweiten Halbjahr vorstellbar. Anfangs, so seine Überzeugung, würden die Kunden das Femtocell-Equipment von den Mobilfunkanbietern bekommen, später sei aber eine ähnliche Entwicklung wie bei den DSL-Modems denkbar, die jetzt einfach im Laden verkauft werden.

Diesen Optimismus teilt allerdings Ken Kolderup, Vice President bei Kineto Wireless, nicht. Sein Unternehmen produziert Network-Controller, die im Back-end sowohl die Anbindung der Dual-Mode-Handys im WLAN als auch der Femtocells an die Netze der Mobilfunkanbieter übernehmen. Kolderup ist davon überzeugt, dass die Femtocell-Protagonisten mit der technischen Reife ihrer Produkte heute dort stehen, wo sich das Dual-Mode-Lager vor zwei bis drei Jahren befand. "Was passiert, wenn der Benutzer in einer Ecke ein stärkeres Mobilfunksignal hat als von seiner Femtocell?", legt Kolderup den Finger in die Wunde, "telefoniert er dann zum teuren Mobilfunktarif oder zum günstigeren Homezone-Preis?" Ebenso fehlt noch der praktische Beweis, dass ein nahtloser Übergang zwischen zwei Femtocells außerhalb des Labors unter rauen Alltagsbedingungen funktioniert. Dann könnte ein Benutzer nämlich, so Mukerjee, in einem Gebäude über die Femtocell seines Nachbarn telefonieren. Eine andere Vision ist, dass mit den kleinen Femtocells etwa Messehallen ausgerüstet werden, um so in Spitzenzeiten den Ansturm an Handy-Telefonierern zu bewältigen. So müssten nicht, wie in Barcelona das Gerücht kursierte, extra zum Mobile World Congress zusätzliche Mobilfunk-Basisstationen auf LKWs installiert werden, um den Andrang zu bewältigen.

Ungelöste Technikfragen

Was Mukerjee als Vorteil betrachtet, sieht Kolderup wiederum eher skeptisch: "Glauben Sie wirklich, dass die Femtocell-Benutzer begeistert sein werden, wenn Fremde über ihre Zelle telefonieren?" Zudem fehlen nach seiner Meinung noch die Mechanismen, die regeln, in welche Femtocell sich ein Handy einbucht, wenn etwa in einem Appartmenthaus gleich 20 oder mehr der Kleinstzellen vorhanden sind. Letztlich eröffnen die Dual-Mode-Phones für Kolderup dem User zudem mehr Freiheitsgrade: "Egal wo ich bin, mit einem Dual-Mode-Gerät kann ich in einem Hotspot günstig per VoIP über das WLAN telefonieren." Das Einsatzgebiet der Femtocells sieht der Manager dagegen eher auf die heimischen vier Wände begrenzt. Dass die Femtocells mehr Endgeräte unterstützen, sei kein überzeugendes Argument, "denn bei vielen Femtocell-Geräten benötigen Sie ein 3G-Telefon". Ferner sei die Verfügbarkeit an Dual-Mode-Handys auch kein Problem mehr, da große Hersteller wie Nokia, Samsung, LG etc. entsprechende Modelle im Programm hätten.

Das Kostenargument sticht wiederum laut Mukerjee nur bedingt, "denn es steht dem Netzbetreiber ja frei, wie er Telefonate in einer Femtocell tarifiert". Warum sollte ein Netzbetreiber seinen Kunden beispielsweise in ihrer eigenen Femtocell Gespräche nicht umsonst anbieten und auf Messen mit Sondertarifen locken, blickt der Manager in die Glaskugel.

Kampf um Endkunden

Unabhängig davon, welcher der Experten Recht behält, der Wirbel um die Femtocells auf der Messe verdeutlicht zumindest eines: Die Schlacht um den Endkunden zu Hause geht in die nächste Runde - oder, wie es Kolderup formuliert, "the battle for Homezone 2.0" hat gerade begonnen. Dabei geht es darum, ob es den Mobilfunkern gelingt, den Festnetz-betreibern genügend Kunden abzujagen und ihre Sprachminuten in die Mobilfunknetze zu transferieren. Noch verdienen die Mobilfunker nämlich das Gros ihres Geldes mit simplen Handy-Telefonaten. (hi)