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20.02.1981

Sind externe Proqrammierer ihr Geld wert?

Personal-Engpaß, Spitzenbelastungen sowie fehlendes Know-how sind meist Anlaß für den Einsatz externer Programmierer. Doch so sehr die Auftraggeber auf die "Externen" angewiesen sind, so unzufrieden sind sie mit deren Qualität. Allein der Aufwand für die Einweisung eines "Fremdarbeiters" erscheint Klaus-Dieter Müller, DV/Org.-Chef bei der Tyczka GmbH & Co. in Geretsried, im Verhältnis zum effektiven Nutzen als viel zu hoch. Außerdem bedeute die Betreuung und Unterstützung der "Externen" durch interne Mitarbeiter zusätzlich eine Beschneidung der eigenen Manpower. Unmutsäußerungen über die Zusammenarbeit mit Fremd-Programmierern kommen auch von Hans-Peter Chilian: "Erst die Honorarforderungen machen deutlich, daß für das gleiche Geld umfangreiche Schulungen für eine Vielzahl von Mitarbeitern oder Überstunden von internen Programmierern über Monate oder Jahre hinaus bezahlt wären."

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Herbert Bier, DV-Leiter, Prädifa Präzisions-Dichtungsfabrik GmbH, Bietigheim-Bissingen

(Honeywell Bull 64 DPS 4, GCOS)

Seit 1972 betreiben wir Datenverarbeitung mit eigenen Computern. Wir haben daher aus früheren Projekten bereits Erfahrungen mit externer Programmierung. Der Einsatz von fremden Mitarbeitern bedeutete für uns vor allem einen Mehraufwand an Vorarbeit im eigenen Haus und die Notwendigkeit des richtigen "Externen" am richtigen Platz.

Zu den Problemen im einzelnen:

Eine Aufgabenstellung setzen voraus. Jedoch nur eine korrekte, logisch, fehlerfrei aufgebaute und verständlich gegliederte Programmvorgabe ist die einzige Möglichkeit, um nicht in vorprogrammierte Kalamitäten zu geraten. Hier ist eine organisatorische Mehrarbeit unerläßlich und erschwert, wenn nicht aufzubringen, die Mitarbeit des externen grammierers erheblich. Eine Verärgerung bleibt in der Regel hier nicht aus, wenn durch Korrekturen und Nacharbeiten Mehrkosten entstehen. Die Schwierigkeit liegt dann meist darin, daß der letztlich Betriebsfremde gewisse Vorgänge, die seine Arbeit erleichtern und auch beschleunigen würden, nicht wissen oder in Erfahrung bringen kann. Hier ist sicher noch einiges an Überlegungen einzubringen - aber durchaus von beiden Seiten. Wünschenswert wäre eine Einführung in die Unternehmensvorgänge, die jedoch aus finanziellen Gründen kaum praktiziert wird.

Wir arbeiten in der Programmierung interaktiv und haben inzwischen festgestellt, daß dies extern nicht immer verwirklicht werden kann. Hier haben wir unter anderem Schwierigkeiten, die teilweise angebotenen Arbeitszeiten von freien Mitarbeitern in unser Zeitgeschehen einzufügen.

Als "Hausprogrammierer" verwenden wir Hilfsmittel wie Copys oder Basisroutinen. Diese Anwendungen sollte auch der externe Mitarbeiter beherrschen. Aber hier haben wir teilweise große Schwierigkeiten. Es ist zum Beispiel nicht vertretbar, Fremd-Software nur modifizieren zu müssen, weil man das neueste Release fährt.

Ein Vorgang, der von mir als sehr störend empfunden wurde:

Ein Fremdprogramm war im Einsatz mit Terminfestlegung und Abbruch desselben. Die Fehler, von unseren Daten verursacht, waren offensichtlich. Wir konnten jedoch kurzfristig die für uns fremde Materie nicht klären - aber auch der externe Programmierer nicht. Warum? Durch Kursbesuch war er erst nach zwei Tagen erreichbar. Ein Alptraum? Diesmal noch nicht. Eine zusätzliche Absprache wird in Zukunft sicherstellen, daß noch ein weiterer Mitarbeiter für Rückfragen zur Verfügung steht.

Als letzter Punkt ist noch die Bezahlung der Fremd-Programmierer anzuführen:

Hier würde ich in erster Linie für ein Festangebot plädieren, das jedoch im Zusammenhang mit einer korrekten, fest umrissenen Aufgabenstellung steht. Dies sehe ich als Gradmesser für Leistung und problemfreies Zusammenarbeiten mit externen Programmierern.

Externe Programmierung hat sicher dann Berechtigung, wenn durch fehlende Manpower Aufgabenstellungen oder Projekte termingerecht durchgeführt werden müssen. Diese Projekte sollen jedoch nicht größeren Veränderungen unterliegen, denn Flexibilität, wie wir sie in unserem Unternehmen teilweise praktizieren mußten, kann hier nicht verwirklicht werden.

Hans-Peter Chilian, DV-Leiter, Otto Bihler GmbH & Co. KG, Halblech/Füssen

(IBM /34, IBM Serie /1)

Die Problematik der meist unter Zwängen mannigfaltiger Art eingegangenen Geschäftsverbindungen mit Fremd-Programmierern enthält bereits in der Basis eine Menge Sprengstoff: Interne DV-Kapazitäten können aufgrund der chronischen Mangelerscheinungen an ausgebildeten und in der Praxis bewährten Programmierern im DV-Personalmarkt nicht kurzfristig erweitert werden. Die Weiche ist damit, falls die Arbeit unter allen Umständen bis zu einem fixen Termin durchgeführt werden soll, als Einbahnstraße in Richtung "externe Kapazitäten" gestellt. Wobei hier in der Regel bereits der erste Trugschluß gelegt ist - zumal die Service-Unternehmen aus dem gleichen Personalmarkt versorgt (oder besser entsorgt) werden wie der DV-Anwender.

Ohne Zweifel steht kurzfristig ein nadelbestreifter Mittvierziger vor der eigenen (den DSG-Vorschriften entsprechenden?) DV-Tür und prüft, ob eine Verbindung mit seinem Unternehmen überhaupt Früchte tragen kann. Wenn dem so ist - und diese Entscheidung kann aufgrund der eigenen Nöte fast nur noch die externe Seite fällen -, wird ein Vertragswerk zur Unterschrift präsentiert, dessen sachliche und rechtliche Prüfung schon allein eine Terminüberschreitung hervorrufen wurde.

Allein die Tatsache, daß bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort über Stundensätze verloren wurde, beweist die besondere Situation einer solchen Verbindung. Aber erst dann, wenn die Honorarforderungen kommen, wird auch dem Management außerhalb der DV-Abteilung klar, daß für das gleiche Geld im eigenen Haus Schulungen für eine Vielzahl von Mitarbeitern oder Überstunden von internen Programmierern über Monate oder Jahre bezahlt gewesen wären (die Möglichkeiten können hier beliebig erweitert werden). Als einer der wenigen angenehmen Begleitfaktoren dieser Aktion erweist sich für den EDV-Leiter die plastische Darstellung, daß die beantragten Gehaltserhöhungen im Vergleich zu den externen Honoraren im Bereich der "Sozialempfängermaßnahmen" einzustufen sind.

Da aber auch diese Umstände schweren Herzens, unter größter Diskretion dem eigenen Programmierstab gegenüber, geschluckt werden, erscheint am Montag um 11.15 Uhr, nach einer Anreise von sechs Stunden per Bahn (die gilt natürlich als Arbeitszeit), der "Ersehnte". Die Programmvorgaben nach Vertrag, Absatz 3 B und 3 C, werden erwartet und auf die fehlenden Anlagen laut Absatz 5 hingewiesen. Am Donnerstag um 13.10 Uhr bittet der Herr um eine Fahrgelegenheit zum nächsten TEE-Anschluß, da die Arbeiten für diese Woche ansonsten schon um 10.21 Uhr abgeschlossen werden müssen (Freitag wird der Wochenbericht erarbeitet und gilt natürlich auch zur Hälfte als Arbeitszeit).

Nach weiteren zwei Wochen mit entsprechenden Maschinenzeiten-Reservierungen zu Testzwecken (nur während des Tages, hoffentlich nicht unterbrochen durch Kurse, Urlaub etc.) wird das Produkt feierlich übergeben und die Funktionsfähigkeit mit selbsterstellten Testdaten dokumentiert.

Gott sei Dank verlief alles termingerecht, da unser "Externer" bereits ab Montag in der entgegengesetzten Ecke Deutschlands wirkt und hier für die nächsten drei Wochen gebunden ist. Sie wissen schon, was jetzt kommt: . . . Ieider haben wir bei der Prüfung der Programm-Liste feststellen müssen, daß . . . fehlt und die Rubriken x und y sich anders errechnen. Dies konnte zum Zeitpunkt der Programm-Vorgabenerstellung nicht erkannt werden. Bitte korrigieren Sie dies bis zum . . .

Peter Hecht, DV-Leiter, Volvo Deutschland GmbH, Dietzenbach, (IBM 4341, DOS/VSE)

Der Einsatz eines Extern-Programmierers ist immer dann gerechtfertigt, wenn im Unternehmen Spitzenbelastungen vorliegen, die vor allem temporärer Natur sind. Keinesfalls sinnvoll ist es indessen, fremde Softwerker einzusetzen, um damit interne Arbeitsplätze zu ersetzen.

Als DV-Leiter muß man darauf achten, daß eine Qualitätsüber-wachung des externen Programmierers durchgeführt wird, damit man für sein Geld auch eine adäquate Leistung erhält. Es muß eine enge Führung gewährleistet sein, um feststellen zu können, daß die gewünschten Ergebnisse eintreten. Verfügt ein Unternehmen über eigene Standards, sollte kontrolliert werden, ob der externe Mitarbeiter diesen Vorgaben entspricht.

Ein Problem ist, daß die von einem "lnternen" verlangten Kenntnisse der Branche, des Unternehmens sowie der Programmierung in der Regel von den "Externen" nur im letzten Punkt erfüllt werden. Die Struktur der Tätigkeit eines Fremd-Programmierers sollte sich daher ausschließlich in der Programmierung bewegen. Jeder Übergriff auf Gebiete wie Systemanalyse oder Organisation erfordern ein zusätzliches Know-how. Speziell hier können dann fehlerhafte Entwicklungen eintreten.

Es gibt heute ein sehr großes Angebot an externen Programmierern. Bei der Auswahl für das Unternehmen muß daher sehr stark selektiert werden. Wir haben bisher gute Erfahrungen damit gemacht, vorerst einen kleineren Auftrag an einen externen Mitarbeiter zu vergeben, und damit zu testen, ob wir uns auf diesen Mann auch tatsächlich verlassen können und ob er seinem Preis gemäß, gute Arbeit leistet. Hiermit haben wir das Risiko, das mit der Beschäftigung eines ,,Unbekannten" verbunden ist, auf ein Minimum reduziert.

Klaus-Dieter Müller, DV/Org.-Leiter, Tyczka GmbH & Co., Geretsried, (Honeywell Bull 62-60, Cicos)

Wir sind ein Energieversorgungsunternehmen auf dem Flüssigkeitssektor und handeln mit einem umfangreichen Geräteprogramm aus dem Gas- und Wasserbereich. Außerdem projektieren und bauen wir Gasversorgungsanlagen. Unsere Branche ist teilweise so spezifisch, daß wir für die Produktion der Anwendungssoftware ausnahmslos hauseigene Organisationsprogrammierer einsetzen müssen. Lediglich zur Lösung der klassischen Verwaltungsaufgaben, wie Finazbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, benutzen wir gekaufte Softwarepakete.

Vom Einsatz externer Programmierer haben wir bisher keinen Gebrauch gemacht. Das hat folgende Gründe: Wir verfügen nicht über ein Organisatorenteam, das den externen Programmierern

Programmvorgaben erstellen könnte. Daraus resultiert die Erfordernis, daß die "Externen" organisatorische Vorarbeiten abdecken müssen - und hier fehlt es wieder an den Branchenkenntnissen.

Der Aufwand für die Einweisung der externen Programmierer erscheint uns im Verhältnis zum Nutzen zu groß. Versuche haben dies bestätigt. Der Einsatz eines externen Programmierers erfordert aus unserer Sicht die intensive Betreuung und Unterstützung durch einen internen Mitarbeiter. Das bedeutet für die DV-Abteilung eine Beschneidung der eigenen Manpower. Bei nur zwei zur Verfügung stehenden Organisationsprogrammierern wirkt sich dies entsprechend aus. Auch unser Standort (zirka 40 Kilometer südlich von München) erschwert generell den Einsatz externer Arbeitskräfte. Neben den ohnehin unbescheidenen Honorarforderungen der DV-Freiberufler oder Softwarehäuser fallen zusätzlich Fahrtkosten und Übernachtungskosten an.

Wir sind der Meinung, daß uns der Einsatz von externen Nur-Programmierern (Codierern) nichts bringt, der Einsatz von Organisationsprogrammierern indessen einen zu hohen Einweisungsaufwand erforderlich macht.

Hans Schmidt, RZ-Leiter, Raychem GmbH, Putzbrunn , (lBM /3-15 d)

Die Vorteile, die mit dem Einsatz externer Programmierer verbunden sind, liegen vor allem im Bereich der Organisation: Man erreicht eine kurzfristige Verfügbarkeit und kann den Einsatzzeitraum exakt kalkulieren. Ein "Externer" hilft Personal-Engpässe zu überbrücken und trägt oftmals durch breites DV-Basiswissen und einer mehrjährigen Erfahrung dazu bei, ein Projekt relativ schnell abzuschließen. Hinzu kommt, daß durch den Einsatz von externen Programmierern Aus- und Weiterbildungsprobleme vermieden werden können.

Die Nachteile der Fremdprogrammierer liegen besonders darin, daß in der Regel dataillierte Betriebskenntnisse fehlen. Dies wirkt sich besonders kraß bei internationalen Unternehmen aus. Verständigungsschwierigkeiten sind somit häufig Anlaß von fehlerhafter Arbeit. Andererseits ist die Qualität der Dokumentation erst nach einem längeren Zeitraum überprüfbar, so daß die Honorare für die Fremdhilfe (etwa 20 bis 25 Prozent mehr als die Kosten der internen Programmierung) meist schon gezahlt wurden.

Schwierigkeiten hatten wir bisher bei extrem kurzfristigen Änderungen oder Ergänzungen bereits bestehender Systeme. Hier erwiesen sich die Kosten für die ausgeführten Arbeiten als unverhältnismäßig hoch. Bezieht man den erforderlichen Manpower-Aufwand durch Managing und Kontrolle ein, so ist der Preis für einen externen Programmierer kaum noch zu rechtfertigen. Doch durch die derzeitige Personalsituation kann heute kaum ein Unternehmen noch auf HiIfe von "draußen" verzichten.