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10.08.1979

Sind Fehlerquellen im Rechenzentrum auszuschließen?

Solange der Mensch noch seine Finger in der Rechenzentrumsarbeit hat, sind Fehlerquellen kaum auszuschließen - also niemals!? Denn: "Alles, was menschliches Gedächtnis voraussetzt", so Peter Dangelowski, DV-Leiter der Eppendorf Gerätebau GmbH in Hamburg, "kann zu Fehlern führen." Die Spitze des Fehlerberges bilden derzeit in den meisten Unternehmen Programmiermacken. Bei Pohlschröder führen sie die Statistik mit rund 40 Prozent an, gefolgt von 30 Prozent Hardwarefehlern. Bedienungsfehler liegen bei

20 Prozent, und die Fachabteilungen sind mit 10 Prozent Fehleranteil die Musterknaben. Siegfried Kögel, DV-Chef bei Albert Berner in Künzelsau, diagnostiziert sein Error-Problem so: fehlerhafte Datenerfassung, Parameterfehler, Handling-Fehler und Ablauffehler. Vier EDV-Leiter schildern ihre Fehlerquellen. ha

Peter Dangelowski

DV-Leiter Gerätebau Eppendorf - Netheler & Hinz GmbH, Hamburg

In unserem RZ bearbeiten drei Operatoren gleichberechtigt die Aufgaben der AV, des Operatings und der Nachbearbeitung wobei jeder Operator ein Schwerpunktgebiet hat.

Unsere Praxis hat gezeigt, daß für einen reibungslosen Routinebetrieb einige organisatorische Voraussetzungen gegeben sein müssen. Fehlen diese, liegt es nahe, daß dann daraus im RZ Fehler entstehen können, die durch die Operatoren selbst nur bedingt zu vermeiden sind.

Zu diesen Voraussetzungen gehören

- klare Dokumentation der Programmabläufe,

- konsequente Dokumentationspflege,

- von seiten der Programmierer bei neuen Programmen die Fehlermöglichkeiten bereits vor dem Einsatz zu erkennen und von vornherein entsprechende Maßnahmen einzuarbeiten,

- rechtzeitiger Einbezug der Operatoren (AV) in die entsprechenden Phasen der Programmneuentwicklungen,

- Schulung im Handling für nicht selbstentwickelte Software

- Schulung vor Einsatz neuer Betriebssystemversionen

- präzise Dienstleistungsanforderungen durch die Fachabteilungen.

Sind diese Bedingungen erfüllt, bleiben noch Fehlermöglichkeiten offen, zu deren Vermeidung der Operator selbst jedoch weitgehend beitragen kann:

- Flüchtigkeit oder Nachlässigkeit bei der Beachtung und evtl. Interpretation der Dokumentation kann sich dann negativ auswirken, wenn die Dokumentation aufgrund einer Programmänderung aktualisiert wurde und die Programme nur sporadisch eingesetzt werden. Der Operator meint den Job zu kennen und fährt ihn wie gewohnt.

- Handlingfehler können dann auftreten, wenn die Forderung nach hoher Programmintegration nicht oder nur wenig durch Programm- oder Betriebssystem unterstützt

wird und durch das Handling ausgeglichen werden muß.

- Falsche oder nicht ausreichende Sicherung von Datenbeständen und/oder ungenügende Kennzeichnung der Datenträger.

- Falsche Abgrenzung von Bewegungsdateien, die periodisch ausgewertet werden müssen.

- Letztlich kann alles, was menschliches Gedächtnis voraussetzt, zu Fehlern führen.

Es hat sich gezeigt, daß die Fehlerhäufigkeit bei zunehmender Routine im Umgang mit neuinstallierten Programmen schnell so stark zurückgeht, daß es bei uns ein Problem "Fehlerquelle im RZ" nicht gibt. Fehler werden hauptsächlich während der Einführungsphase eines Programms sichtbar jedoch liegt die Fehlerursache hier in der Regel in der mangelnden organisatorischen Vorbereitung.

Siegfried Kögel

DV-Leiter, Albert Berner GmbH, Künzelsau

Fehlerquellen im Rechenzentrum weitgehendst auszuschalten, ist bisher aus Zeit- und Kostengründen nur größeren Firmen mit entsprechender Manpower in der DV-Abteilung möglich gewesen. Kleinere Firmen haben eine wesentlich höhere Fehlerrate aufzuweisen, weil vor allem die personellen Voraussetzungen fehlen. Um die Fehlerrate trotzdem möglichst gering zu halten und um eine Qualitätsverbesserung der betrieblichen EDV zu erzielen, wären ohne größeren Aufwand folgende: Maßnahmen erforderlich.

Erste Fehlerart - fehlerhafte Datenerfassung: Fehlerhafte Datenerfassung zeigt sich im Nachhinein als Programmfehler. Maßnahme: Es sollten Qualitätskontrollen mit Prüftabellen eingeführt werden, die jedes einzelne Feld auf Kann- oder Mußfeld, Nummern- oder Alphafeld, Eintragung links- oder rechtsbündig und auf zeitliche Gültigkeit (zum Beispiel Datum) prüfen. Weiterhin sollte eine Gültigkeitsprüfung bei Tabellen und Schlüsseln durch Zugriff in die Tabellendatei erfolgen. Die jeweiligen Fehlernummern werden an die Prüftabelle angehängt, wobei die Prüftabellen in der Tabellendatei untergebracht sind. Im Dialogbetrieb sind die Prüfungen ähnlich, obwohl sie von einer etwas anderen Vorgehensweise geprägt sind (beispielsweise Bildschirm). Sinnvollerweise: wird die Prüfroutine als Unterprogramm oder Makro entwickelt, um universell eingesetzt zu werden.

Zweite Fehlerart - Parameterfehler: Sie entstehen, wenn zum Steuern eines Programms Parameteranforderungen falsch ausgefüllt werden. Maßnahme: Parameteranforderungen werden in die Anforderungsbelege für die jeweiligen Programme aufgenommen, und die Eintragungen der Fachabteilungen, im Wert der vorhandenen Parameterbeschreibung überlassen. Die Verantwortung liegt somit außerhalb des Rechenzentrums.

Dritte Fehlerart - Handling-Fehler: Sie entstehen durch Verwechselung von Datenträgern und Programmen sowie durch falsche Bedienung seitens der Konsol-Operatoren. Maßnahme: Maschinelle und manuelle Abstimmkontrollen und Prüfung der Endprodukte durch die Arbeitsvorbereitung.

Vierter Fehler - Ablauffehler: Sie entstehen durch fehlerhaftes Zusammenstellen der Programmfolge in Verbingung mit Multiprogramming. Maßnahme: Um diese Fehler auszuschalten, müssen möglichst große Jobs zusammengestellt werden, für die eine zwingende Folge eingehalten wird. Ebenso können durch entsprechende Hinweise in den Steuerkarten Meldungen und Warnungen für den Konsol-Operator angezeigt werden.

Theo Lüling

Rechenzentrumsleiter, Pohlschröder, Dortmund

Wir arbeiten im 2-Schicht-Betwieb auf einer Siemens 7.730 im BS1000.

Grundsätzlich sollte zu diesem Thema vorab klargestellt werden, daß in der DV-Abteilung ebenso wie in den Fachabteilungen "gleich viel" oder "gleich wenig" Fehler in der Bearbeitung gemacht werden. Für die DV-Abteilung sind diese Fehler von größerer Tragweite, da hier in den häufigsten Fällen nicht ein einzelner Geschäftsvorgang falsch erledigt wird, sondern innerhalb des Arbeitsgebietes gleich das gesamte Volumen einer Abrechnungsperiode. Zum Nachweis der verbrauchten Maschinenzeit und für Planungsaufgaben erstellen wir seit Jahren Aufzeichnungen, die über Verteilung der Ist-Zeiten in den einzelnen Arbeitsgebieten Aufschluß geben. Darin enthalten sind auch Zeiten, die für Wiederholläufe (WH) aufgewendet werden müssen. Der Anteil der WH an den

Gesamtprogrammlaufzeiten beträgt darin zwischen 4 und 6 Prozent.

Nach den Gründen zur Wiederholung untersucht, ergeben sich Hardware-Fehler, Programmierfehler/Software, Bedienungs- und Job-Vorbereitungs-Fehler sowie Fehler, die in den Fachabteilungen durch falsche Eingaben entstanden sind. Prozentual aufgeteilt ergeben sich folgende Fehlerursachen:

Hardware-Fehler 30 Prozent

Programmierfehler/Software 40 Prozent

Bedienungsfehler 20 Prozent

Fachabteilungsfehler 10 Prozent

Hardwarefehler entstehen dabei kaum im ZE-Bereich, sondern überwiegend durch Gerätefehler der Band- und Platteneinheiten. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß wir umfangreiche Band-Arbeitsgebiete haben.

Programmierfehler entstehen meist durch kurzfristige Änderungen (die eingebaut werden müssen), bei denen keine Zeit mehr für einen Testlauf vorhanden ist.

Unklare Angaben der Job-Vorbereiter und nicht eindeutige Bedienungsanleitungen/Gerätebelegungen führen zu Bedienungsfehlern der Operatoren. Hinzu kommen Datenbestandsüberschreibungen und falsche Druckerbedienung, die bei Streßsituationen im Operating, durch falsches Zuweisen der Geräte, entstehen. Grobe Erfassungsfehler, die nicht vom Programm abgefangen werden, ergänzen den Anteil dieser Fehlergruppe.

Unvollständige oder falsche Eingaben der Fachabteilungen führen vor allem bei Arbeitsgebieten, die periodisch abzugrenzen sind, zu aufwendigen Wiederholungen.

Falsche DV-Auswertungen können zwar nie 100prozentig ausgeschaltet werden, sollten jedoch nicht die Fachabteilungen erreichen.

Walter Schöning

Leiter der Organisation und Datenverarbeitung, Karwendel-Werke, Buchloe/Allgäu

In der Praxis erweist sich immer wieder, daß fehlerhafte Auswertungen oder falsche Informationen das RZ verlassen. Werden diese Fehler noch erkannt, bevor die gefertigten Unterlagen an den Auftraggeber, die Fachabteilung gegeben werden, kann durch Wiederholungslaufe eine fehlerfreie Auswertung ausgeliefert werden. Eine fehlerhafte EDV-Produktion belastet auf lange Zeit das Image der DV-Abteilung, egal wer letztlich der Verursacher war. Das Vertrauen in das EDV-Zahlenmaterial schwindet, die Kritik wächst.

Wo liegen nun die Ursachen? Die Gefahr, daß falsches Zahlenmaterial produziert wird, beginnt mit dem Entwurf eines DV-Projektes und endet letztlich im Maschinensaal beim Operating. Alle diese Stufen beinhalten Fehlerquellen, die bei der täglichen Produktion mehr oder weniger schwerwiegende Folgen haben können.

Bereits beim Design eines Projektes ist zu beachten, daß das Projektteam vom Ausbildungsstand her die notwendige Qualifikation aufweist. Neben dem fachlichen Wissensstand des EDV-Personals, der bei regelmäßiger Ausbildung und entsprechender Eigeninitiative zum Selbststudium vorausgesetzt werden kann, ist es wichtig, daß dieses Personal auch über ein entsprechendes Fachwissen für das übertragene Projekt verfügt. Es darf innerhalb des "P-Teams" nicht mit zwei Sprachen gesprochen werden. Im Projektteam müssen die Mitarbeiter aus der Fachabteilung oder des Auftraggebers mit vertreten sein. Diese Personen arbeiten aktiv an einem neuen Projekt und sind mitverantwortlich für den Erfolg. Ein Projektteam setzt sich aus Personen mit dem richtigen Wissen

zusammen. Wichtig ist die Überwachung eines Projektes auf dessen Fortschritt. Nach Fertigstellung: Ausführliche Endtests, Vorlegen einer ausführlichen und verständlichen Dokumentation für die Fachabteilung oder den Anwender, den Bereich Programmierung, Arbeitsvorbereitung und Operating.

Weitere Ursachen einer schlechten DV-Produktion sind mangelhafte Dokumentation von Restartverfahren, schlechtes Belegwesen zur Datenerfassung, schlechte Koordination und mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und DV, Überforderung des Personals (physisch wie geistig), fehlendes Verständnis für die Probleme des anderen Partners keine oder mangelhafte logische Prüfroutinen vor und während der Verarbeitung, schlechter Informationsfluß.

Es ist wichtig, die Mitarbeiter aller Bereiche durch regelmäßige; Schulung auf dem erforderlichen Wissenstand zu halten und durch entsprechende Motivation zu optimalen Leistungen zu führen.