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Überwachung der Antwortzeiten schafft Klarheit über Engpässe


07.04.2000 - 

Site-Performance-Messung als Service gefragt

Internet-Anwender haben nur wenig Geduld. Dauern ihnen Transaktionen zu lange, wechseln sie den Web-Shop. Immer mehr Site-Betreiber überwachen daher das Antwortzeitverhalten ihrer Online-Anwendungen. Vermehrt nehmen sie dafür Monitoring-Dienste gegen Mietgebühr in Anspruch.CW-Bericht, Frank Niemann

Kaum jemand würde im Supermarkt aus der Warteschlange vor der Kasse ausscheren, die Waren ins Regal zurückstellen und ein anderes Geschäft aufsuchen. Im Internet geschieht das ständig. Dauert es dem Surfer auch nur ein wenig zu lange, bis sich die Seiten einer Website aufgebaut haben, verlässt er das virtuelle Geschäft und geht zur Konkurrenz. Den dadurch entstandenen Schaden für Online-Anbieter beziffert das Marktforschungsunternehmen Zona Research auf insgesamt vier Milliarden Dollar im Jahr - ganz abgesehen vom Imageverlust für die Internet-Händler. Den Betreibern sind verlässliche Aussagen über die Performance ihrer Sites daher sehr wichtig.

Auf dieses Bedürfnis reagierten die Hersteller mit einer Fülle an Lösungen und Dienstleistungen für das Web-Monitoring. Sie entwickelten spezielle Softwarewerkzeuge zum Überwachen der Web-, Datenbank- und Applikations-Server von Online-Anwendungen. Hier tun sich Firmen hervor, die schon seit eh und je ihr Geschäft mit Testsoftware von Client-Server- sowie Mainframe-Umgebungen machen und ihre Produkte an Internet-Anwendungen angepasst haben. Zu ihnen zählen beispielsweise Mercury Interactive, Segue, Compuware und Rational. So simuliert beispielsweise "Silkperformer" von Segue Tausende von Usern, die auf Web-, Applikations- und Datenbank-Server eines Online-Anbieters zugreifen, und liefert auf diese Weise ein Gesamtbild des Verhaltens der Internet-Anwendung unter Last. Firmen können so ihre E-Commerce-Applikationen vor dem Rollout auf Herz und Nieren prüfen. Eine ähnliche Vorabanalyse bietet Mercury Interactive mit seinem "Load Runner".

Darüber hinaus haben die Softwarehersteller Programme zur Echtzeitüberwachung der Systeme entwickelt, die während des Betriebs der Website Daten über die Performance liefern. Segues "Silkmonitor" zählt zu dieser Kategorie. Die Software erfasst kontinuierlich Laufzeitdaten der Anwendungen und sendet sie an eine zentrale Konsole. Außerdem kann der Systemverantwortliche sich bei Über- oder Unterschreiten bestimmter Schwellenwerte eine Warnung per E-Mail, Pager oder Short Message Service (SMS) schicken lassen. Ähnliche Funktionen bietet die Software "Topaz" von Mercury Interactive.

Zunehmend gehen die Softwareanbieter dazu über, ihre Programme nicht mehr nur zu verkaufen, sondern als Dienstleistung über das Internet zu vermieten.

Beispielsweise bietet Mercury Interactive mit "Topaz Activewatch" sowie "Load Runner Activetest" solche Services an. Vor dem Eröffnen seines Internet-Shops kann der Betreiber über Activetest Lastsituationen simulieren. Activewatch überwacht dann den Livebetrieb der Site.

Wie Mercury Interactive bietet auch die zum amerikanischen Internet-Service-Provider Exodus gehörende US-Firma Service Metrics sowohl eine Software ("SM-Webpoint") als auch einen Online-Service ("SM-Web") für die Web-Performance-Messung an. Einen Mietservice hat auch Amdahl im Programm. Dessen "Enview Commerce" basiert auf der Service-Level-Agreement-Lösung Enview und ist eng mit den Consulting-Diensten der Firma verknüpft. Einer der bekanntesten Anbieter solcher Messdienste im Web ist die US-Company Keynote Systems, die sich ganz dem Mietmodell verschrieben hat.

Topaz Activewatch, Enview Commerce, SM Webpoint und "Perspective" von Keynote basieren auf speziellen Agenten - Rechner, die in den Backbones verschiedener ISPs installiert wurden. Diese Systeme simulieren Transaktionen beziehungsweise das Verhalten eines Web-Surfers auf den Sites der Kunden und ermittelten so die Performance-Daten.

Im einfachsten Fall prüfen die Agenten, wie lange es dauert, bis sich eine Homepage aufgebaut hat. Doch eine flott erscheinende Startseite nutzt wenig, wenn der Surfer beispielsweise nach Anklicken der Suchfunktion oder des Bestell-Buttons ewig warten muss. Damit auch diese Vorgänge begutachtet werden können, gibt es Methoden, mit denen sich spezielle, vom Site-Betreiber definierte Aktionen auf Websites simulieren lassen. So wäre ein Online-Brokerage-Haus in der Lage, die Transaktion, die für das Abrufen von Börsendaten bestimmter Aktien oder Indizes erforderlich ist, nachzuspielen. Die dafür erforderliche Interaktion lässt sich mit einem Tool aufzeichnen und dann als Script auf den Agenten abspielen.

Keynote Systems betreibt weltweit etwa 450 solcher Agenten. Bis Jahresende sollen es 1000 sein, wobei 30 davon in Deutschland installiert werden. Seit Dezember ist die Firma auch in Europa vertreten. Zu den ersten Kunden diesseits des Atlantiks zählt die britische Niederlassung des Paketdienstes TNT. Laut Unternehmensangaben überwacht Keynote derzeit weltweit etwa 16 Millionen Sites, darunter die des Netzwerkspezialisten Cisco Systems.

Mercury Interactive verfügt weltweit über 30 Agenten, einer davon steht in Frankfurt. Noch in dieser Jahreshälfte will der Anbieter auf neun hiesige Messpunkte aufstocken. Das Münchner Online-Auktionshaus Offerto.de zählt zu den ersten deutschen Kunden. Seit etwa zwei Wochen lässt die Internet-Firma über Activewatch messen, wie schnell sich ihre Startseite aufbaut und wie lange das Suchen beziehungsweise Anbieten von Waren dauert. Offerto.de betreibt zwölf Web-Server auf Basis von Windows NT sowie zwei Datenbank-Server, von denen einer ein Acht-Wege-, der andere ein Vier-Wege-Pentium-System ist.

Den Kunden dieser Performance-Messdienstleistungen geht es aber nicht nur um das Überwachen der eigenen Site. Sie wollen darüber hinaus auch erfahren, wie performant die Online-Angebote der Wettbewerber sind. Über die Services der genannten Firmen können sich Unternehmen die Antwortzeiten von verschiedenen Sites in regelmäßigen Abständen abrufen. So behält auch Offerto.de die Performance-Daten anderer Online-Auktionshäuser im Auge.

Doch simulierte Transaktionen spiegeln nicht wirklich das Verhalten eines Endanwenders wider, bemängelt die Meta Group. Andere Anbieter, unter ihnen Candle, betten ein Java-Applet in die zu überwachende Website ein. Dieses Modul wird automatisch geladen und liefert so Informationen über das Antwortzeitverhalten und die Verweildauer des Besuchers auf der Online-Präsenz. Allerdings hat auch diese Methode einen Haken: Erst wenn der Nutzer das Applet geladen hat, liefert es Performance-Informationen. Zudem kann die Konfiguration der Browsers das Ausführen von Java-Programmen unterbinden.

Die als Online-Service angebotenen Performance-Messungen liefern generell nur Hinweise auf Schwachstellen. Erst eine detaillierte Analyse der gesamten Infrastruktur gibt darüber Auskunft, wo genau nachgebessert werden muss, sprich, ob das Netz des Internet-Service-Providers, die Datenbanken, die E-Commerce-Software oder Applikations-Server Schuld sind am schlechten Antwortzeitverhalten. Hier kommen dann wieder die Tools zum Tragen, die der Site-Betreiber kauft und hinter seiner Firewall installiert.

Wie läuft das Geschäft?Einen Monitoring-Service speziell für Online-Geschäfte hat das amerikanische Unternehmen Webpartner entwickelt. Dessen "Secretshopper" überwacht Web-Shops rund um die Uhr und stellt fest, wie schnell sich die Seiten aufbauen, aber auch, wie lange eine Kreditkartentransaktion dauert. Darüber hinaus misst Webpartner auch die Performance der Internet-Fillialen (E-Commerce Affiliates) eines Anbieters. Viele Web-Geschäfte betreiben virtuelle Zweigstellen auf einer Vielzahl von Websites. So können Surfer beispielsweise auf diversen Finanzportalen Bücher über Anlagetipps bei einem Web-Buchhändler ordern. Der Portalbetreiber wird dann an den Umsätzen beteiligt.