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05.04.1996

Skandaloese Argumente

Deutschland ist informationstechnische Diaspora. Dieses beklagenswerte Resuemee zog Joerg Menno Harms auf der CeBIT. Der Vorsitzende des Fachverbands Informationstechnik im VDMA und ZVEI fuerchtet, die Bundesrepublik werde im Wettbewerb der Nationen auf einen der hinteren Plaetze durchgereicht. Verantwortlich sei unter anderem eine technikfeindliche Geisteshaltung - eine Argumentation, die seit langem durch einschlaegige und breit kommunizierte Studien laengst widerlegt ist.

Der Geschaeftsfuehrer von Hewlett-Packard beklagt zudem die Rueckwaertsgewandtheit der Gewerkschaften. Harms und mit ihm die Industrie fordern eine grossangelegte Ausbildungsoffensive, um den Nachwuchs des Landes informationstechnisch auf Erfolgskurs zu bringen. Doch die Umsetzung werde von Interessenvertretern behindert, die fuer eine informationstechnologische Bildungsreform keine Notwendigkeit saehen. Auch heute gilt, koennte man die Ansichten des VDMA/ZVEI-Vorsitzenden zusammenfassen, die offensichtlich ewige Wahrheit: Amerika, du hast es besser.

Aergerlich an dieser Streitrede ist, dass sie den Tenor der seit Monaten gaengigen Schelte aus der Industrie an den Rahmenbedingungen des Standorts Deutschland aufnimmt, insofern also als wenig originell gelten kann: Da gibt es mittlerweile keine soziale Errungenschaft, die nicht auf dem Altar der Marktwirtschaft geopfert werden duerfte.

An die eigene Nase wollen sich die Industriebosse, will auch der streitbare Harms sich hingegen nicht fassen. Vielmehr beklagen sie noch die Finanzierungsbeitraege, die die DV-Industrie in Deutschland als Obulus fuer eine rosigere Zukunft zu entrichten habe.

Solche Argumentation ist nicht nur aergerlich. Sie ist skandaloes: Gerade erst wurde bekannt, dass deutsche Unternehmen Profite einfahren wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotzdem klagen sie ueber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Fragt man die Industriekapitaene hingegen nach ihrem Beitrag, nach Innovationen, nach Ideen, die in Gewinne umgemuenzt werden koennen, nach der Anzahl der von deutschen Unternehmen eingereichten Patente - dann schweigen sie vornehm.

Ein Beispiel fuer negative Rahmenbedingungen, unter denen deutsche Firmen zu leiden haben, ist das Muenchner Unternehmen Fast. Den auf dem Gebiet Multimedia nicht nur zu lokalem Ruhm gelangten bayerischen Tueftlern legten engstirnige Banken jede Menge Steine in den Weg. Wegen fehlender Kapitalisierungsoptionen in Deutschland sah sich Fast gezwungen, seine Geschaeftsaktivitaeten in wesentlichen Teilen in die USA zu verlegen.

Wo sind - abgesehen einmal von der SAP und dem Telecom-Riesen Siemens - deutsche Unternehmen mit Produkten von Weltniveau? Wer nach dem regulierenden Staat ruft, Verantwortung und Einsatzbereitschaft der Arbeiter und Angestellten einfordert - der sollte mit gutem Beispiel vorangehen.