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30.06.1995

Skepsis ueber kartellrechtliche Genehmigung von "Phoenix" Beteiligung von France Telecom und Telekom an Sprint perfekt

NEW YORK/BONN (gh) - Nach monatelangem Verhandlungspoker ist der Vertrag ueber die Beteiligung von Deutscher Telekom und France Telecom in Hoehe von 20 Prozent am US-Carrier Sprint perfekt. Alle drei Partner wollen nun so schnell wie moeglich im gemeinsamen Joint-venture "Phoenix" international taetigen Unternehmen weltweite Kommunikationsdienste anbieten. Mehr als ein Fragezeichen steht indes nach wie vor hinter der Genehmigung durch die europaeischen und US-amerikanischen Kartellbehoerden.

Telekom-Chef Ron Sommer wertete den Abschluss der Verhandlungen als einen "Meilenstein fuer die Entwicklung der Deutschen Telekom zu einem globalen Dienstleister". Der noch von seinem Vorgaenger Helmut Ricke und dem Vorstandsvorsitzenden von France Telecom, Marcel Roulet, eingefaedelte Deal sieht vor, dass sich beide europaeischen Telefongesellschaften mit insgesamt 20 Prozent am US- Branchendritten Sprint beteiligen. Der endgueltige Kaufpreis ist, wie der nun in New York unterzeichnete Vertrag vorsieht, abhaengig von der weiteren Entwicklung der Sprint-Aktie und einer eventuellen Ausgliederung des analogen Mobilfunknetzes von Sprint - soll sich aber in einem ausgehandelten Rahmen zwischen 3,8 und 4,2 Milliarden Dollar bewegen und wird faellig, wenn die letzte Genehmigung vorliegt.

Ob indes eine kartellrechtliche Zustimmung ueberhaupt erfolgt, ist mehr als fraglich. Sowohl die zustaendige US-Aufsichtsbehoerde Federal Communications Commission (FCC) und das Washingtoner Justizministerium als auch die EU-Kommission muessen die Partnerschaft noch absegnen. Insbesondere was Bruessel angeht, sind Experten mittlerweile sehr skeptisch. EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert hatte vor kurzem die Genehmigung des von Telekom und France Telecom geplanten Joint-ventures "Atlas" auf Eis gelegt und Nachbesserungen bei dessen Ausgestaltung eingefordert, weil von dem geplanten Duo der europaeische Markt fuer Datenkommunikation beherrscht wuerde.

Keine Eingliederung der Info AG in Atlas

Von beiden Carriern war daraufhin Entgegenkommen signalisiert worden, unter anderem mit einem Verzicht auf die Eingliederung des zur France-Telecom-Gruppe gehoerenden Hamburger Netzbetreibers Info AG in Atlas sowie mit der Zusage, im Rahmen ihres Joint-ventures nur ausserhalb der jeweiligen Heimatmaerkte taetig zu werden. Beides ist jedoch, wie aus gut informierten Kreisen der Info AG durchsickerte, zwischen Bonn und Paris umstritten und bis dato Bruessel keineswegs offiziell zugesagt worden.

Zusaetzliche Argumentationshilfe fuer ihre europaweite Zusammenarbeit erhoffen sich Sommer und Roulet auch von der Vertragsunterzeichnung mit Sprint, die den EU-Beamten die globale Dimension des heutigen Telecom-Marktes vor Augen fuehren soll. Doch auch bei der US-Kartellbehoerde FCC lassen erste Reaktionen auf einen muehsamen und langen Genehmigungsprozess schliessen. Entscheidendes Kriterium sei, wie der Wirtschafts- Informationsdienst "vwd" den fuer internationale Beziehungen zustaendigen FCC-Abteilungsleiter Scott Harris zitiert, "ob die Allianz wettbewerbsfoerdernd ist und auch der amerikanischen Telecom-Industrie nutzt".

Dabei kommt es wiederum vor allem auf die Haltung des US- Branchenprimus AT&T an, dessen Lobbyisten in Washington schon seit laengerem gegen die geplante Beteiligung der Deutschen und Franzosen an Sprint Sturm laufen. Die Mannen um AT&T-Chef Robert Allen verweisen zum einen auf geltendes Recht, das den auslaendischen Anteil an einem US-Telecom-Unternehmen begrenzt, zum anderen auf die immer noch nicht geoeffneten Maerkte in Frankreich und Deutschland. Was letzteren angeht, laufen, wie Insider wissen, seit Monaten Gespraeche ueber eine Kooperation mit RWE und Mannesmann, die nun kurz vor dem Abschluss stehen sollen.