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26.05.1995

Skeptiker rechnen erst in zwei bis fuenf Jahren mit wirklichen Loesungen Unzufriedenheit der Anwender mit Management-Tools waechst

FRAMINGHAM (IDG) - Hoehere Bandbreiten, mehr Applikationen, Kostensenkungen - die Anforderungen, die an die Netzadministratoren gestellt werden, sind zahlreich und oft widerspruechlich. Zwar lassen sich die meisten Ansprueche an das Corporate Network von heute mit moderner Technik erfuellen, doch der Systemverwalter sieht sich dann unweigerlich mit dem Problem konfrontiert: Wie soll er das heterogene Konglomerat aus DV- Altlasten und modernster Technik effizient verwalten, wenn er keine neuen Mitarbeiter genehmigt bekommt?

Meist bleibt dem Administrator nichts anders uebrig, als sich mit verschiedenen Netz-Management-Plattformen herumzuaergern, die in den meisten Faellen den Anforderungen der Anwender an eine Verwaltungs-plattform fuer Enterprise Networks nicht gerecht werden. So lautet zumindest der Grundtenor der 223 Netzwerk- Manager, die die "Network World" befragen liess.

Wie die CW-Schwesterpublikation weiter ermittelte, waechst die Unzu-friedenheit der Anwender von Jahr zu Jahr. Zwar halten 28 Prozent der Befragten SNMP-Plattformen fuer die einzigen adaequaten Tools, doch 48 Prozent sind damit eher unzufrieden. Insgesamt beurteilen die ameri-kanischen Administratoren die Werkzeuge im Vergleich zur "Network-World"-Studie von 1994 nicht besser.

Dieses Ergebnis spiegelt teilweise die Enttaeuschung vieler Anwender wider, dass die viel gepriesenen Plattformen, die endlich eine effek-tive Integration der diversen Management-Applikationen erlauben, noch immer Vaporware sind. Besonders aergert die Teilnehmer der Umfrage hierbei, dass die Hersteller immer wieder ihre Produkte als Kernstueck zur Integration der Verwaltungs-Tools anpreisen und die Automatisie-rung in einem einzigen Prozess versprechen. Doch in der Praxis haben dann nur sehr wenige Hersteller ihre blumige Rhetorik in die Tat um-gesetzt.

Der Wunschliste der Anwender zufolge sind Daten-Repositories ein Schritt in Richtung weniger komplexes, zeitaufwendiges und arbeits-intensives Netzwerk-Management, wie es sich die Anwender vorstellen. So klingen denn die Wuensche von Bill Branson, Senior Network Engineer bei der Frank Russell Co. in Tacoma, relativ bescheiden.

Anwender wuenschen Daten-Repositories

Der Administrator wuenscht sich integrierte Management- Applikationen, die so einfach sind, dass Helpdesk- und Operation- Mitarbeiter auch tatsaechlich mit ihnen arbeiten koennen. Des weiteren stehen auf Bransons Wunschzettel automatische Tools, die Netzpakete analysieren und entsprechende Probleme identifizieren koennen. Denn, so seine Erfahrung, "hundert Leute mit dem Analyseprogramm Sniffer koennen nicht das tun, was eine automatische Protokoll-Analyse-Software bewaeltigt".

Holly Karr, technische Beraterin bei Cummins Engine Inc. in Columbus, kann dem nur zustimmen und ergaenzt, dass die Anwender integrierte Toolsets braeuchten, die einen hoeheren Automatisierungsgrad erlauben. Zudem steht Karr vor einer anderen Crux: "Netzwerk-Management ist ein komplexer Job, und die Leute, die Sie dafuer brauchen, sind entweder nicht zu bekommen oder zu teuer." Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht die Cummins- Mitarbeiterin in der weitgehenden Automatisierung der Netzverwaltung.

Doch die derzeit verfuegbaren Tools zur Automatisierung werden von den Befragten bestenfalls als unzulaenglich bewertet, da der Integrations-aufwand fuer die verschiedenen Applikationen nach Meinung der Netz-werker zu hoch ist. Zwar bieten Produkte wie beispielsweise IBMs Netview for AIX APIs, um den Applikationen von Drittherstellern einen Zugriff auf die Dienste der Management- Plattform zu ermoeglichen, doch die meisten ISVs unterstuetzen aufgrund der hohen Kosten beim Re-Engineering der Applikationen nur die Grundfunktionen der unterschiedlichen Plattformen.

Weiterhin fordern die Netz-Manager in Sachen Integration von Applikationen in Netzwerk-Management-Plattformen ein gemeinsames GUI fuer alle Programme, um die Anwender nicht bei jedem Tool neu schulen zu muessen. Zwar bekunden die wichtigsten Hersteller, standardisierte APIs und Objektdefinitionen zu unterstuetzen, doch in der Praxis scheinen das nur Lippenbekenntnisse zu sein. Frank Belland, Senior Communication Consultant bei Lockheed Martin Corp., zieht frustriert das Resuemee, dass "die Marketies das Konzept gemeinsamer APIs nur als Thema fuer eine gute Cocktail- Konversation missbrauchen".

Nach Ansicht des veraergerten Lockheed-Mitarbeiters reden die Hersteller zwar ueber Standards, wollen sie aber nicht wirklich implementieren. Selbst beim Basisstandard SNMP, so Bellands Feststellung, fuege jeder proprietaere Erweiterungen hinzu, so dass eine Ansteuerung der Devices nicht moeglich sei, ohne die geheime MIB des Produzenten zu knacken.

Um diese Probleme zu loesen, gibt es laut Bob Emerson, Telecommunications und Common Technology Business Manager bei HPs Netz- und System-Management-Division, zwei Moeglichkeiten: Entweder ein Hersteller dominiert den Markt und schafft De-facto-Standards, oder Gremien wie das Management Integration Consortium (MIC) oder die Open Software Foundation (OSF) verabschieden Standard-APIs.

Hersteller wollen eigene Protokolle als Standard

Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die Hersteller mehr Interesse an der ersten Variante haben, denn kuerzlich zogen sich die wichtigsten Anbieter von Management-Plattformen aus der MIC zurueck und machten so die bis dahin erreichten Fortschritte in Sachen standardisiertes Daten-Repository zunichte. Zwar geht das Geruecht um, dass sich die Unternehmen in formaleren Standardgremien wie der OSF oder dem Network Management Forum (NMF) wieder an einen Tisch setzen wollen, doch die Anwender haben wenig Hoffnung, dass dort Konkretes verabschiedet wird. Zu wach sind noch die Erinnerungen an den langsamen Tod des Distributed Management Environment (DME) in der OSF und das lange Siechtum des Common Management Information Protocol (CMIP) im NMF. Zudem propagieren mehrere Hersteller bereits lautstark ihre hauseigenen Protokolle als formale oder De-facto-Standards.

Enttaeuscht von den derzeitigen Werkzeugen, hoffen zahlreiche amerikanische Anwender bereits auf die naechste Generation: HPs "Tornado", IBMs "Karat" und Suns "Solstice" sollen im naechsten Jahr auf den Markt kommen und ueber effektive, wenn auch proprietaere Integrations-Tools verfuegen. Zudem, so die derzeitigen Plaene, beinhalten die neuen Produkte objektorientierte Daten- Repositories und GUIs, bessere Automations-Tools und gemeinsame APIs. Darueber hinaus rechnen Branchenkenner damit, dass die neuen Programme verteilte Client-Server-Architekturen unterstuetzen, in denen Multiple-Domain-Management-Systeme Informationen austauschen und die Verantwortung unter sich aufteilen.

Schliesslich, so Belland, wuerde eine verteilte Architektur den Plattformen der Hersteller die Skalierbarkeit geben, die fuer ein unternehmensweites Management notwendig ist. Denn nach Ueberzeugung des Lockheed-Mitarbeiters ist es unmoeglich, ein grosses Corporate Network zu administrieren, ohne auf eine Domain-basierte Architektur zuzugreifen, da heute noch keine entsprechenden leistungsfaehigen Rechner verfuegbar sind.

Ein anderes Phaenomen, das die "Network World" bei ihrer Umfrage feststellte, ist, dass immer mehr Anwender System-Management- Frameworks wie CAs "Unicenter", Legents "Agentworks" oder Tivolis "Tivoli Management Environment" einsetzen. Vorteil dieser Angebote, zumindest auf dem Papier: Konfigurations- und Sicherheits-Management sowie Softwaredistribution sind in einem Paket integriert. Wie auch immer, glaubt man den Befragten, so muessen sich die Hersteller noch kraeftig ins Zeug legen, damit die Frameworks den erhofften Erfolg haben. Denn nur 20 Prozent der Teilnehmer verwenden derzeit entsprechende Pakete.

Doch bei all dem Ungemach sahen die Anwender im letzten Jahr auch positive Entwicklungen. Einhellig werden Allianzen wie zwischen IBMs Netview for AIX mit Novells Netware Management System oder HPs Openview mit Legents Agentworks und CAs Unicenter begruesst, da solche Partnerschaften zumindest Verbindungen aufbauen, die es Netzwerk- und System-Management-Plattformen ermoeglichen, Alarmmeldungen oder Konfigurationsdaten untereinander auszutauschen.

So hofft denn auch David Ward, zustaendig fuer das weltweite Netz der American Greetings Corp., dass seine Anforderungen an ein Administrationssystem kuenftig durch die Kombination von HPs Tornado mit Legents Host- und Client-Server-basierten System- Management-Werkzeugen erfuellt werden. Auf der anderen Seite befuerchten allerdings zahlreiche Manager, dass die Wahl einer proprietaeren Management-Plattform sie zu stark an einen Hersteller bindet und sie der Moeglichkeit beraubt, auf eine bessere Loesung zu wechseln, falls diese ein oder zwei Jahre spaeter von einem anderen Produzenten kommt.

Eines der vielen Unternehmen, das sich nicht auf einen einzigen Hersteller verlaesst, ist Mc Donalds. Unter anderem begruendet Michael Disabato, Manager fuer strategische Planung und Netzwerksysteme bei dem Fast-food-Konzern, die Entscheidung damit, dass nicht alle notwendigen Applikationen auf einer Plattform laufen, sondern mehrere unterschiedliche Systeme dazu erforderlich sind. Deshalb ist es fuer den Netzchef von grosser Bedeutung, ob die unterschiedlichen Plattformen untereinander zu verbinden sind. Um dieses Problem zu loesen, schweben Disabato gemeinsame APIs vor, wobei er Zweifel hat, ob die Hersteller diesen Wunsch in die Tat umsetzen.

Bei Lockheed Martin ist dagegen bereits die Entscheidung gefallen, HPs Tornado kuenftig als Plattform einzusetzen. Zur Zeit benutzt Lockheed mehrere Plattformen von unterschiedlichen Herstellern. Auch Consultant Karr von Cummins Engine glaubt, dass HP und IBM die richtige Vision haben. Nur, so die Managerin skeptisch, "es wird noch drei bis fuenf Jahre dauern, bis eine wirklich umfassende Loesung auf den Markt kommt".