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29.02.1980 - 

Distributed Data Processing in Europa:

Small Business Systeme haben kaum Chancen

MÜNCHEN - Ist das Konzept des "Distributed Data Processing" (DDP) eine Utopie, wie Gene Amdahl einmal behauptete? Oder ist "Datenverarbeitung am Arbeitsplatz" bereits Realität? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neueste IDC-Untersuchung mit dem Titel "Distributed Data Processing Markets - Western Europe, 1979-1983". Die Ergebnisse der Studie bestätigen zwar die Richtigkeit des Konzeptes der "verteilten Intelligenz", doch stellten die Marktforscher der International Data Corporation auch fest, daß bei den europäischen Anwendern noch deutliche Vorbehalte gegen DDP bestehen. Marten Hohberger, Redakteur des EDP-Reports des IDC Deutschland GmbH, München, hat die DDP-Studie mit Blick auf den deutschen Anwender ausgewertet. Der folgende Beitrag ist dem EDP-Report vom 15. Februar 1980 entnommen.

Insgesamt gesehen schätzt IDC den Markt für DDP in Westeuropa (Basis 1979) wertmäßig auf 189 Millionen Dollar, wobei die Prognose bis 1983 mit einem Zuwachs von 365 Prozent auf 878 Millionen Dollar sicherlich nicht zu niedrig angesetzt ist.

Gegenwärtig bestehen seitens der europäischen Anwender noch deutliche Vorbehalte gegen DDP. Dieses Problem ist jedoch von Land zu Land unterschiedlich zu sehen. Die Untersuchungsergebnisse der DDP-Märkte in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und Großbritannien verdeutlichen das:

- Die Bundesrepublik gilt als Domäne für den Einsatz von Small Business Computern, also kommerziellen Kleinrechnern, die von ihrer Konzeption her nicht für den Einsatz in Netzwerken gedacht und entworfen wurden.

- In Frankreich hat man von jeher zentrale DV-Lösungen auch für dezentrale Probleme bevorzugt.

- Eine besondere Tendenz behindert die Entwicklung von DDP in Großbritannien. Die Verminderung der Investitionen für Datenverarbeitung, die hauptsächlich bei Großanwendern feststellbar ist, muß zwangsläufig auch auf dem Netzwerk-Sektor negative Folgen haben.

Zusätzlich haben alIe drei Länder mit einem Handikap zu leben: Die "Marktpolitik" der Post lähmt die Ausbreitung der Datenfernverarbeitung und verhindert durch jeweils eigene Standards weitgehend einen "Grenzverkehr" auf dem Gebiet der Kommunikation. Der Ruf nach mehr Flexibilität sollte nicht länger überhört werden.

Interessant ist ein Vergleich mit dem DDP-Einsatz in den USA:

- DDP befindet sich in Westeuropa noch in einem embryonalen Stadium. Noch ist nicht der Zustand erreicht, daß die Mehrheit der Anwender sich nach Netzwerk-Konzepten drängt. Dennoch beginnen einige Anwender ihre Fühler vorsichtig nach DDP auszustrecken.

- Bevor sich der Anwender DDP zuwendet, muß er überzeugt sein, daß es sich lohnt. Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß der Einsatz direkte finanzielle Vorteile bringt. Entscheidende Kriterien sind Kosten und Nutzen.

- Die US-Hersteller erfreuen sich auf den wichtigsten europäischen Märkten einer besseren Stellung als ihre europäischen Konkurrenten. Natürlich spielen die Erfahrungen auf dem US-Markt eine große Rolle, von denen die US-Hersteller in großem Maße profitieren. Außerdem sind die meisten DDP-Firmen ohnehin seit langem auf dem europäischen Markt tätig und kennen die spezifischen Gegebenheiten ganz gut.

- IDC meint, daß die Hersteller in Zukunft mehr Zeit auf die Anwender-"Erziehung" in Sachen DDP verwenden sollten.

- Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vermarktung von DDP-Produkten ist das Vorhandensein von guter Anwendungs-Software.

- Abschließend bleibt festzustellen: der DDP-Markt in Westeuropa zeigt zwar positive Tendenzen, läßt jedoch ein dynamisches Wachstum wie in den USA vermissen.

Marktsegmente

Tabelle 2 zeigt die Entwicklung der einzelnen Marktsegmente in den Jahren 1979 bis 1983. Schon bei oberflächlicher Betrachtung fällt auf, daß sich die Marktanteile der Minicomputer- und Terminal-Hersteller in diesem Zeitraum zugunsten der Terminal-Hersteller verschieden werden.

Minicomputer

Im Jahre 1979 konnten die Minicomputer auf dem europäischen DDP-Sektor mit Abstand den größten Marktanteil für sich verbuchen, wobei lediglich geringfügige Unterschiede im Vergleich von Land zu Land festzustellen sind. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Relation der Gesamt-Installation zu den für DDP eingesetzten Systemen. Trotz dieser guten Ausgangsposition prognostiziert IDC, daß auf weitere Sicht der DDP-Markt nicht als hauptsächliches Absatzgebiet für Minicomputer gelten kann. Tabelle 3 gibt Aufschluß über den derzeitigen Stand der Auslieferungen von Minicomputern für den Einsatz in Netzwerken und gibt eine Prognose bis 1983.

Terminals

Terminals sind mit 14 Prozent sämtlicher ausgelieferten Systeme am europäischen DDP-Markt vertreten. Die Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, daß Terminals für den Einsatz im DDP-Sektor das Rennen machen werden (siehe Tabelle 4).

Small Business Systeme (SBS)

Keine Chance für Small Business-Systeme. Die derzeitige Verwendung von SBS in Netzwerken ist gering (ein Prozent sämtlicher Auslieferungen). Diese Aussage bezieht sich nicht auf kleine Bürocomputer, sondern auf die IDC-Klasse B, das sind leistungsfähigere und teurere Small Business Systeme.