Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.06.1995

Smalltalk-Spezialisten fusionieren Parcplace will mit Hilfe von Digitalk der IBM Paroli bieten

MUENCHEN (qua) - Die Parcplace Systems Inc., Sunnyvale, und die Digitalk Inc., Santa Ana, haben beschlossen, am 1. September dieses Jahres zu fusionieren. Falls die Kartellwaechter keine Einwaende haben, wird dann ein Grossteil des weltweiten "Smalltalk"- Knowhows in einem Unternehmen vereint sein.

Marktbeobachter werten die Fusionsabsichten der beiden kalifornischen Software-Unternehmen als eine Praeventivmassnahme gegen das erfolgversprechende Engagement der IBM im Markt fuer Smalltalk-basierte Entwicklungsumgebungen. Noch gilt die Parcplace Systems Inc., die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 39 Millionen Dollar erzielte, als unangefochtene Nummer eins in diesem Marktsegment. Ausserdem steht IBM in dem Ruf, das bei weitem langsamste Smalltalk anzubieten. Doch der blaue Riese lernt schnell und koennte aufgrund seiner Reputation auch solche Kunden fuer die objektorientierte Programmiersprache gewinnen, die keinen Wert darauf legen, die technologische Vorhut zu bilden.

Windows-Tools ergaenzen die Unix-Werkzeuge

Der Merger wird Parcplace etwa 45 Millionen Dollar kosten, die im Rahmen eines "Pooling of Interests" in Form von 3,8 Millionen neuen Aktien an die Digitalk-Eigner ausgegeben werden. Die Taschen des Unternehmens sind gefuellt, seit es Anfang vergangenen Jahres den Schritt an die Boerse wagte.

Zudem duerfte das Geld gut investiert sein. Mit Digitalk-Hilfe kann Parcplace seinen Umsatz im Handumdrehn um mehr als zwei Fuenftel steigern. Zusammen nahmen die beiden Software-Anbieter 1994/95 rund 55 Millionen Dollar ein. Die Belegschaften addieren sich auf 350 Mitarbeiter, von denen bislang 200 bei Parcplace und 150 bei Digitalk beschaeftigt sind. Wichtiger als diese Zahlenspielereien ist jedoch die Tatsache, dass das neue Unternehmen sowohl Unix- als auch Windows-Tools im Angebot haben wird. Bislang ist Parcplace nur im Unix-Markt zu Hause, waehrend Digitalk auf der Microsoft- Schiene faehrt.

Die Parcplace-Digitalk Inc. wird ihr Hauptquartier in Sunnyvale aufschlagen und Niederlassungen in Santa Ana sowie Portland, Oregon, unterhalten. Chief Executive Officer bleibt Parcplace-Chef Bill Lyons. Jim Anderson, der bisherige Digitalk-Chairman - und nebenbei der groesste Anteilsinhaber des vereinigten Unternehmens - tritt gleichberechtigt an die Seite von Parcplace-Chairwoman und Smalltalk-Urmutter Adele Goldberg. Der jetzige Digitalk-CEO John Carrington und sein Finanzchef Doug Wride werfen das Handtuch.

Mit Verunsicherung reagierten einige Digitalk-Kunden auf die Fusionsankuendigung. Wie im Compuserve-Forum des Anbieters nachzulesen ist, befuerchten die Anwender, dass Parcplace ueber kurz oder lang dem kleineren Partner seine Geschaeftsphilosophie ueberstuelpen werde. Waehrend Digitalk nach dem Motto "just do it" verfahre, habe Parcplace "do it right" auf seine Fahnen geschrieben. Offensichtlich geben die meisten Kunden der schnellen Verfuegbarkeit von Produkten den Vorzug.

Darueber hinaus bangen die mit dem Digitalk-Produkt "Visual Smalltalk" arbeitenden Entwickler um ihre gebuehrenfreien Runtime- Lizenzen. Parcplace schrecke nicht davor zurueck, fuer jede mit "Visual Works" ausgelieferte Applikation die Hand aufzuhalten.

Der groesste Verlierer in diesem Spiel duerfte jedoch Easel sein. Nachdem der "Enfin/Smalltalk"-Anbieter im vergangenen Jahr rote Zahlen schrieb und sich im Februar zur Fusion mit Vmark entschlossen hat, laeuft er kuenftig Gefahr, zwischen Parcplace- Digitalk und der IBM aufgerieben zu werden.