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04.11.2008

Smartphones: Die Karten werden neu gemischt

Google und Apple haben frischen Wind in den Mobility-Markt gebracht. Bei Business-Kunden, die bislang mit dem Blackberry oder mit Nokia- undMicrosoft-Plattformen planten, sind Begehrlichkeiten geweckt worden.

Vor zehn Jahren war die Welt noch übersichtlich: Ein Handy war zum mobilen Telefonieren gedacht, und persönliche Daten wie Adressen und Kalender speicherten Benutzer auf einem Personal Digital Assistant (PDA) - vorzugsweise von Palm. Der Begriff Smartphone war noch nicht erfunden. Lediglich einige Unerschrockene experimentierten bereits mit einem Nokia 9000 Communicator. Dieses Modell mit dem DOS-basierenden Betriebssystem PEN/GEOS gilt heute als Urvater der Smartphones.

1999 setzte eine kanadische Firma einen Virus frei, der nicht nur den Mobility-Markt im Business-Umfeld, sondern auch unsere Art zu arbeiten fundamental ändern sollte: RIM stellte mit dem Blackberry ein Gerät für den mobilen E-Mail-Empfang per Push-Dienst vor. Für die SMS-dominierte Mobilfunkwelt war dies zur damaligen Zeit eine Revolution: Benutzer konnten unterwegs zu jeder Zeit E-Mails empfangen, bearbeiten und versenden. Und das Ganze auch noch sicher und verschlüsselt übertragen, verbunden mit den gängigen E-Mail-Systemen in Unternehmen. So ließen sich die Mitarbeiter unterwegs transparent in den Arbeits-und Informationsfluss einbinden. Die Manager waren begeistert und kauften die neuen Maschinen zuhauf.

Business-Modelle

Abgeschottete Plattform (Walled garden): RIM, Apple;

Partnermodell: Microsoft, Google;

One-Stop-Shopping: RIM, Apple;

Wahl zwischen verschiedenen Endgeräten: Microsoft, Nokia, künftig Google;

offene Push-Mail-Integration: RIM, Nokia;

begrenzte Push-Mail-Plattformen: Microsoft, Apple, Google;

offene Applikationsentwicklung: Microsoft, Google, Nokia;

eingeschränkte Applikationsentwicklung: RIM, Apple.

Gleichzeitig rüttelte das kanadische Unternehmen mit dem Blackberry an den etablierten Geschäftsmodellen der Mobilfunkwelt, denn der Hersteller bot Endgeräte und die erforderliche Push-Mail-Infrastruktur aus einer Hand an. Damit konnten die Carrier ihren Kunden einen neuen Service offerieren, ohne selbst in teure Infrastruktur zu investieren. Im Gegenzug mussten sie dafür einen Teil der monatlichen Blackberry-Gebühren an RIM abführen. Der zweite Grundpfeiler des RIM-Modells war der "walled garden". Um die Sicherheit der übermittelten Informationen zu gewährleisten, schotteten die Kanadier ihre ersten Geräte fast hermetisch nach außen ab.

Warteten die ersten, damals als "feature rich" bezeichneten Handys bereits mit Einschüben für Speicherkarten, Bluetooth-Schnittstelle etc. auf, so suchte der Blackberry-User danach vergeblich. Die Realisierung eigener Unternehmensapplikationen war auf den ersten Geräten nur mit Kniffen möglich. Erst im Lauf der Zeit entstanden die drei heutigen Programmiermodelle.

Fragen zur Plattform-Wahl

Wer entwickelt das Betriebssystem?

Woher stammen die Endgeräte?

Wer liefert beziehungsweise betreibt die Server-Infrastruktur?

Ist die Plattform offen für Eigenentwicklungen?

Welche (Push-)Mail-Systeme werden unterstützt?

Welche Device-Management-Systeme eignen sich?

Microsofts Partnermodell

Genau an diesem Punkt setzte ab 2001 Herausforderer Microsoft mit Windows Mobile an - damals auch noch als Windows for Smartphone bekannt: Seine Kunden sollten für Smartphones mit dem Betriebssystem ohne Einschränkungen mit gewohnten Tools wie Visual Basic eigene Anwendungen entwickeln können. Allerdings verlief der Einstieg des Softwaregiganten in den Mobilfunkmarkt alles andere als reibungslos. So warf im Jahr 2002 die britische Firma Sendo das Handtuch und stellte die Entwicklungsarbeit am Z100, dem ersten Windows-basierenden Smartphone, ein. Das Unternehmen wechselte ins Symbian-Lager, weil Microsoft angeblich sein Handy-Betriebssystem nicht in den Griff bekam. Der endgültige Markteinstieg gelang Microsoft erst im dritten Anlauf mit dem "MPx200" vom Hardwarepartner Motorola.

Fragwürdige Update-Politik

Diese Geburtswehen offenbaren eine fundamentale Schwäche von Microsofts mobilem Business-Modell: Während RIM beim Blackberry die komplette Verwertungskette vom Betriebssystem, der Gerätehardware und der Server-Infrastruktur in der Hand hält, setzt Microsoft auf ein Partnermodell. Der Softwarekonzern liefert das Betriebssystem, überlässt die Hardwareanpassung aber den Geräteherstellern als Partnern. Dadurch kommen die Anwender im Falle eines Software-Updates nicht automatisch in den Genuss der Verbesserungen.

Die Microsoft-Partner sind auch dann gefordert, wenn sich ein Unternehmen noch nicht zum reinrassigen Microsoft-IT-Shop bekehren ließ. Bis heute verschließt sich der Konzern in Sachen Windows Mobile der Tatsache, dass es neben dem hauseigenen Exchange noch andere Mail-Plattformen gibt. Dabei hofft Microsoft, neben dem Verkauf der Windows-Mobile-Lizenzen zusätzliche Einnahmen für seine Server-Plattformen zu generieren, denn diese sind etwa für Rollout und Management einer Windows-Mobile-Umgebung aus einem Guss erforderlich. Neue Einnahmequellen mit mobilen Inhalten versucht der Konzern erst in jüngster Zeit über Windows Live anzuzapfen.

Mit dem Privatkundengeschäft groß geworden, konnte auch Handy-Primus Nokia der Versuchung nicht widerstehen, seine Umsätze mit Einnahmen im Business-Segment weiter aufzubessern. Basis waren dabei speziell an Enterprise-Bedürfnisse angepasste Smartphones und die von Nokia entwickelte und für zertifizierte Programmierer offene Bedienoberfläche Symbian-S60. Die Finnen beließen es jedoch nicht bei einer speziellen Serie von Business-Geräten, sondern stellten mit der "Intellisync Mobile Business Suite" auch noch eine Synchronisations- und Management-Plattform bereit. Diese eignet sich nicht ausschließlich für Nokia-Devices, umgekehrt unterstützen die Smartphones auch Push-Mail-Lösungen der Konkurrenten Microsoft und RIM.

Newcomer Apple

Bis Mitte 2007 waren damit die Karten im Smartphone-Business klar verteilt: Nokia, Microsoft und RIM dominierten das Geschehen, bis Apple mit dem iPhone Unruhe ins Spiel brachte. Dabei kopierte die Jobs-Company erfolgreich das Geschäftsmodell von RIM: Alle Komponenten der mobilen Plattform stammen aus einer Hand, die Carrier müssen dafür einen Teil ihrer Einnahmen abgeben. Lediglich zwei Aspekte ging das Unternehmen mit seinem Hedonisten-Handy grundlegend anders an: Zum einen setzte man auf zahlungskräftige, imagebewusste Consumer, zum anderen entwarf man ein fundamental geändertes Bedienkonzept. Dieser für viele revolutionär erscheinenden Benutzeroberfläche hat es Apple zu verdanken, dass das iPhone zu einer Erfolgsstory wurde. Für die Orientierung in Richtung Consumer zahlte Apple allerdings einen hohen Preis: Bis heute genügt das Handy unternehmenstypischen Sicherheitsanforderungen nicht, und in Sachen Push-Mail brauchte Apple Schützenhilfe von Microsoft.