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26.11.2004

"Smartphones sind IT-Werkzeuge"

Erstmals konnte Microsoft im letzten Jahr Palm bei der Zahl der verkauften PDA-Betriebssysteme überrunden. Mit Thomas Aufermann, Direktor Business Group Mobility bei Microsoft, sprach CW-Redakteur Jürgen Hill.

CW: Herr Aufermann, Microsoft drängt mit Betriebssystemen für Smartphones und Pocket-PCs massiv in den Bereich Mobility vor. Worin unterscheidet sich dieser vom klassischen Desktop-Geschäft?

Aufermann: Wenn wir heute über Mobility, also mobile Daten reden, dann stoßen wir immer auf zwei Themen: Sicherheit und Preis. In puncto Sicherheit haben wir bei Windows Mobile 2003 SE eine Menge getan. So enthält das Betriebssystem einen VPN-Client, Authentifizierungssoftware etc., doch die Sicherheitsmechanismen selbst sind nicht das Entscheidende. Die Anwender müssen umdenken, mobile Endgeräte wie Smartphones oder PDA-Handys sind heute keine Telefone mehr, sondern Computer, die auch telefonieren können. Letztlich sind es mächtige IT-Werkzeuge, die in Sachen Sicherheit wie jedes IT-Device behandelt werden sollten, sobald der Anwender auch ihre Integrationsmöglichkeiten in die Unternehmens-DV nutzt.

CW: Sie haben das Thema Preis angeschnitten. Wo liegen dort die Probleme?

Aufermann: Mir ist bei diesem Punkt schleierhaft, warum viele Anwender noch immer denken, sie könnten in diesem Bereich die Kosten nicht kontrollieren. Zum einen erfolgte bei den Datentarifen ein deutlicher Preisverfall, zum anderen fällt eine Prozesskostenanalyse anders aus, wenn ein Mitarbeiter außerhalb des Büros etwa seine E-Mails bearbeiten kann. Wenn ich hier die Nutzungskosten für die mobile Datenübertragung in Bezug zu den Arbeitskosten setze, kommt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung schnell zu einem positiven Ergebnis.

CW: Unter wirtschaftlichen Aspekten dürfte aber der Ansatz von RIM, E-Mails im Push-Verfahren zuzustellen, die ökonomischere Alternative sein.

Aufermann: Ich halte diese Vorgehensweise unter Sicherheitsaspekten für fragwürdig. Bei unserer Lösung wird der mobile Client wie ein Notebook bei der Authentifizierung behandelt und voll in die IT-Landschaft integriert. Betrachte ich dagegen die RIM-Lösung, dann steht da irgendwo ein Server, der dieses Messaging abarbeitet und den Push auslöst. Als Endanwender haben Sie diesen nicht unter Kontrolle. Das kann ein Security-Aspekt sein. Wenn jemand auf Sicherheit Wert legt, dann haben wir eine sehr kompetitive Lösung.

CW: Dann ist also E-Mail-Push für Microsoft kein Thema?

Aufermann: Doch, das habe ich damit nicht gesagt, ich habe nur beide Lösungen unter dem Security-Aspekt betrachtet. Sie können auch unter Exchange einen E-Mail-Push einstellen, allerdings ist das technische Verfahren anders als bei RIM. Trifft eine neue Mail auf dem Server ein, sendet dieser eine Shadow-SMS an das Gerät, die der Anwender nicht sieht. Der Pocket-PC oder das Smartphone leitet dann den Active-Sync-Prozess inklusive Authentifizierung ein und holt sich vom Server die Nachricht.

CW: Erzeugen Sie damit nicht teuren Traffic-Overhead?

Aufermann: Dass dem nicht so ist, kann ich Ihnen am besten am Beispiel Microsoft demonstrieren. Wir haben Anfang 2004 über 700 mobile Endgeräte für die Mitarbeiter angeschafft. Eine spätere Analyse des Nutzerverhaltens zeigte, dass rund 80 Prozent der Kollegen das pauschale Datenvolumen von 5 MB nicht ausschöpfen. Auf der anderen Seite ging die Zahl der Handy-Telefonate zurück, da die Mitarbeiter jetzt die Informationen auch unterwegs als E-Mail lesen können. Wenn die Einstellungen richtig gewählt sind, reichen also unter GPRS 5 MB aus.

CW: Das gilt für Pocket-PCs mit Telefon und Handys mit Windows als Betriebssystem?

Aufermann: Ja, für mich sind beide Kategorien Smartphones, wobei ich ein Smartphone nicht als intelligentes Handy sehe, sondern als IT-Device, mit dem ich auch telefonieren kann. Nehmen Sie den MDA III als Pocket-PC-Phone und den SDA als Mobiltelefon - in der Funktionalität sind beide Geräte gleich und haben Windows Mobile als Betriebssystem.

CW: Also kann ich beide Geräte etwa für Abfragen an Warenwirtschaftssysteme nutzen, da sie ja die gleiche Funktionalität haben?

Aufermann: Prinzipiell ja, einen Techniker oder Vertriebsbeauftragten würde ich aber eher mit einem MDA ausstatten, sofern er auch Daten eingeben soll. Das Windows Smartphone SDA ist hier eher ein reaktives Daten-Tool, bei dem ich etwa auf eine E-Mail mit einem telefonischen Rückruf reagiere. Bei der Eingabe und Darstellung unterscheiden sich die beiden Systeme, ansonsten teilen sie sich zu 90 Prozent die APIs. Deshalb müssen Entwickler lediglich mit einem unserer SDKs das User Interface einer Anwendung an den Gerätetyp anpassen. Hier kommt eine der Ideen von .NET zum Tragen.

CW: Und wo sind dabei die Vorteile im Vergleich zu den Betriebssystemen Symbian und Palm?

Aufermann: Unser Punkt ist die Verzahnung beziehungsweise die Integration in die Desktop- und Server-Welt. Bei Microsoft ist keine Datenkonvertierung erforderlich, und es sind keine Fremdprodukte von Dritten oder Vierten notwendig.

CW: Da kann ich aber nur schmunzeln. Gerade die Konvertierung von Word- oder Excel-Dateien bewerkstelligt Palm besser, und auf dem Pocket-PC nutzt der Anwender besser die Programme von Drittherstellern.

Aufermann: Ich räume durchaus ein, dass wir bei der Konvertierung von Word und Excel nicht unbedingt die Stars am Softwarehimmel sind. Das Thema Office und Mobility war nicht unsere Priorität. Hier werden wir beim nächsten Release weitere Verbesserungen vornehmen. Schließlich erwarten die Anwender, wenn wir ein Pocket-Office bewerben, eine entsprechende Office-Funktionalität. Ein Workaround sind aber die verschiedenen Viewer von anderen Herstellern. Aber nehmen Sie das Thema Messaging, da klappt die Integration mit Exchange hervorragend. Wer einmal Outloook am PC genutzt hat, kann auch sofort am Pocket-PC damit arbeiten.