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30.07.1976

SNA statt Start-Stop-Technik

Mit Anton Mauerer, EDV/Org-Chef der Stadtsparkasse

München, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Im April 1976 berichtete die Computerwoche unter der Unterschrift" SNA enttäuschte in Solingen und München" über Umstellungsschwierigkeiten, die die Stadtsparkassen Solingen und München beim Übergang vom IBM 5930-Kassenterminal auf Bildschirm-Kassenstationen IBM 3600 nach Aussagen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hatten. Hat IBM's Systems Network Architecture Sie hier in München enttäuscht?

Wir sind der Meinung, daß es dem Anwender an sich gleichgültig sein kann, ob SNA oder Start-Stop-Technik hinter einer Lösung steht. Als wesentlich erscheint uns hier, daß wir als Stadtsparkasse unseren Service in den Filialen verbessern konnten. Dabei spielt es wohl keine Rolle, ob mit SNA oder mit Start-Stop. Kosten spielen immer eine Rolle.

- Damals hieß es in den "Nur für den Dienstgebrauch" herausgegebene Fachmitteilungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, daß Sie bei Ihrer alten 5930-Organisation mit BTAM/GENA einschließlich Anwendungsprogramm etwa 200 KB brauchten, nach Umstellung auf SNA brauchen Sie mit VTAM und IMS 1500 KB virtuellen Speicher, von denen 500 KB real definiert sind. Das kann man doch nicht so einfach abtun?

So kann man die Dinge sicherlich nicht vergleichen. Wir hatten vor der Installation der neuen Bildschirm-Kassen-Terminals in allen unseren Geschäftsstellen 5930-Terminals, die bekanntlich keinen Bildschirm haben. Heute stellen wir unseren Filialen über die Bildschirme ein Kundeninformationssystem zur Verfügung, dessen Bestände in IMS organisiert sind. So gesehen sind wir, von der Anwendungsseite her betrachtet, mit dem neuen Kundeninformationssystem, den Schritt von der zweiten in die dritte Generation gegangen. Die verbesserten Möglichkeiten dieses Kunden-Informationssystems war unserem Vorstand mehr Kosten wert.

- Was waren denn die Beschränkungen, die Ihnen die vorherige Organisation mit nicht intelligenten Terminals und Start-Stop-Prozedur auferlegten?

Es gab drei Beschränkungen. Zum einen wurden die Antwortzeiten bei Spitzenbelastungen bis zu 30 Sekunden lang - bei den neuen Terminals liegen wir heute auch bei Spitzenbelastungen und trotz erweiterter Abfragemöglichkeit bei Antwortzeiten um drei Sekunden. Beschränkung zwei waren die bei 5930-Terminals nicht vernünftig realisierten Offline-Möglichkeiten für den Fall des Ausfalls der Geräte - die dezentralen Steuereinheiten 3601 erlauben uns heute die Transaktionen auf Diskette zwischenzuspeichern und beim Wiederanlaufen der Online-Verbindung automatisch zu übertragen. Als drittes kam hinzu, daß die nur mit Druckern ausgerüsteten alten Terminals keine Möglichkeit boten, die vielfältigen Daten eines Kundeninformationssystems für den Sachbearbeiter während des Gesprächs mit dem Kunden bereitzustellen.

- Sie fühlen sich also gar nicht als SNA-Pionier-Anwender, vielmehr war dieses neue, DFÜ-Konzept notwendige Begleiterscheinung bei der Realisierung neuer Anwendungen.

So ist es. Leider mußte mit der neuen SNA-Technik und der Installation von Steuereinheiten mit dezentraler Intelligenz ein neues Leitungsnetz für unsere Zweigstellen geschaffen werden. So wurden die 95 Privatleitungs-Anschlüsse für unsere 5930-Terminals überflüssig. Dagegen mußten Leitungen von 18 Kopfstellen zur Zentrale, und von diesen Kopfstellen zu den im Durchschnitt angeschlossenen fünf Geschäftsstellen durch die Bundespost über HfD-Anschlüsse geschaffen werden.

- War denn das wenigstens etwas billiger?

Leider nein, weil sich alle Verbindungen im Stadtnetz befinden und die HfD-Leitungen sich nur bei flächendeckenden Netzen verbilligend auswirken.

- Wie ist denn heute Ihr Leitungsnetz ausgelegt und welche Zahl von Anschlüssen sind pro Leitung möglich?

Wir haben von der Zentrale zu den einzelnen Steuereinheiten im Stadtgebiet 1200 Baud-Leitungen. Diese Geschwindigkeit genügt. Die einzelnen Filialen sind entweder über Direktleitungen oder je zwei Filialen über Ringleitungen an diese Kopfstellen angeschlossen, ebenfalls mit 1200 Baud-Leitungen. Für die Lokalanschlüsse in den Kopfzweigstellen wählten wir 4800 Baud. Diese Vervierfachungen der Leitungsgeschwindigkeit bringt im übrigen nur etwa eine halbe Sekunde Verbesserung der Antwortzeit - wir haben sie gewählt, weil das bei uns in den Filialen keine zusätzlichen Kosten mit sich bringt.

- Die Fachmitteilungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

hatten im Frühjahr kritisiert, daß in der Praxis die theoretische Zahl von 16 Anschlüssen an die Steuereinheit nicht annähernd realisiert werden könne. Wie sieht das heute bei Ihnen aus?

Wir haben heute bis zu 11 Workstation an eine Steuereinheit angeschlossen, jeweils bestehend aus einem Bildschirm und einem Drucker. Wir wollen uns jetzt in der Praxis an die maximalen Anschlußwerte herantasten, den die theoretische Zahl 16 besagt ja nichts über die Anzahl von Bytes, die über die Leitung geschickt werden. Bei uns im Hause werden im Vergleich zur 5930-Anwendung um den Faktor 10 weniger Nachrichten über die Leitungen von der CPU zur 3601-Steuereinheit gesendet. Hier liegt eindeutig der Vorteil der dezentralen Intelligenz.

- Wie sind diese 3601-Steuereinheiten, die ja de facto selbständige Rechnersysteme sind, bei Ihnen heute ausgestattet?

Derzeit haben wir die Steuereinheiten mit 40 K ausgerüstet, davon sind 24 K für die Steuerung der angeschlossenen Terminals und 16 K für die Anwendungsprogramme vorgesehen. Wir wollen aber diese Kernspeicherausstattung der 3601 um 8 K auf 48 K erhöhen, um die maximalen Anschlußmöglichkeiten ausnutzen zu können.

- Hat sich die Verfügbarkeit des Netzes verbessert?

Eindeutig ja. Während wir früher täglich bis zu 80 kurzzeitige Ausfälle aufgrund von Leitungsschwierigkeiten hatten, ist diese Zahl heute auf null bis einen Ausfall pro Tag zurückgegangen.

- Ist das auf SNA zurückzuführen?

Woran es im Detail liegt, interessiert uns nicht. Es wird sicher aus dem Zusammenspiel der Komponenten SNA mit VTAM und CICS herrühren.

- Auch das Antwort-Zeitverhalten hat sich verbessert. Mit weichen Response-Zeiten können Sie leben?

Manchmal wird das Antwortzeitverhalten als magische Zahl einer Online-Anwendung angesehen. Wir haben in unserer Praxis die Erfahrung gemacht, daß es vielmehr auf die gesamte Abwicklung einer Transaktion-Terminal-Eingabe - Antwort - Druck - Geldgeschäft - also auf die die gesamte Kundenbedienung insgesamt ankommt. Im Kassengeschäft kann der Kassierer die die Geldbearbeitung weitgehend überlappt zu den Wartezeiten durchführen. Heute beträgt die Antwortzeit zwischen 2,8 und 3,5 Sekunden, im Durchschnitt bei 3 Sekunden. Auch wenn das zwei Sekunden mehr wären, würde das nicht zu einer Verzögerung der Aus- und Einzahlungen mit den Kunden führen. Der Techniker schaut vielleicht nur auf die Response-Zeit, der Praktiker weiß, daß die Gesamtzeit für die Abwicklung des Geschäftsvorfalls das entscheidende Kriterium ist.

Anton Maurer (38)

hatte bis heute nur einen einzigen Arbeitgeber - die Stadtsparkasse München. Und warum auch nicht, wenn man dort Karriere macht?

1953 begann er bei der größten bayerischen Sparkasse Bankkaufmann-Ausbildung, ging schon 1956 in die DV-Vorläufer-Abteilung und wurde mit Installation einer 360/40 EDV-Chef (danach kamen die Modelle /50, 145 und 158 und eine weitere 158, heute mit je 1 MB). Vor drei Jahren übernahm Mauerer auch den Org-Bereich.

Die Stadtsparkasse München (96 Geschäftsstellen mit 175 Terminals - überwiegend mit einem Drucker - 18 programmierbare Steuereinheiten) ist Pionier-Anwender für IBMs Kassenterminal-System 3600, das SNA mit SDLC, NCP und VTAM zwingend vorschreibt. Für DFÜ wird unter OS/ VS 1 CICS, für DB IMS gefahren.