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01.03.1996 - 

Mips-Chips zunaechst fuer kleinere Maschinen

SNI offeriert BS2000-Kunden Perspektive fuer das Jahr 2000

Bereits im ersten Quartal 1997 sollen die ersten RISC- Mainframes - Codename "Sunrise" - an die Kunden ausgeliefert werden. Als Basisprodukt dient eine RM600-Maschine, erweitert um Mainframe-Komponenten. Hard- und insbesondere Firmwarezusaetze, etwa fuer die Kanalanschluesse, Fehlertoleranz oder Servicefaehigkeit, sollen aus dem Unix-Geraet einen funktionstuechtigen BS2000-Mainframe machen.

Allerdings ergibt sich zum Zeitpunkt der geplanten Einfuehrung der Sunrise-Rechner selbst nach SNI-eigenen Berechnungen eine deutliche Leistungsdifferenz zwischen herkoemmlichen CMOS- Mainframe-Prozessoren und den schlanken RISC-Chips, wenn beide unter dem Betriebssystem BS2000 arbeiten (siehe Grafik). Bei einer verbuergten Leistung von knapp zehn MIPS (Million Instructions per Second) entsprechen die geplanten Geraete in der Leistung gerade den derzeit kleinsten Mainframes vom Typ "C80", die SNI selbst entwickelt und fertigt. Wenn die Sunrise-Serie in diesem Marktsegment fuer Umsatz sorgt, kann die alte Rechnerlinie aufgegeben werden - ein nicht zu unterschaetzender Sparfaktor.

Die groesseren Boliden vom Kaliber einer "S110" oder einer "H130" bleiben von der RISC-Entwicklung noch verschont. Das Verhaeltnis der Muenchner zu Fujitsu, dem Lieferanten dieser Maschinen, duerfte sich demnach durch die Neuentwicklung nicht verschlechtern. Ob Fujitsu die Sunrise-Serie ebenfalls vermarkten wird, steht noch nicht fest.

Zur Jahrtausendwende will SNI im Zuge der "Open-Enterprise- Computing"-Strategie im oberen Server-Bereich nur noch eine Prozessorarchitektur, basierend auf den Mips-Chips, pflegen.

Peter Jilek, Mitglied der SNI-Geschaeftsleitung und Verantwortlicher fuer BS2000-Systeme, erwartet sich von den RISC- Rechnern insbesondere zweierlei Vorteile fuer die Kundschaft: Zum einen sei die Investitionssicherheit auf laengere Sicht gewaehrleistet, da man fuer Anwendungen unter BS2000 und Unix nur mehr einen Rechnertyp (Sunrise und die RM-Serie) anschaffen muesse. Letztendlich liesse sich ein RISC-Mainframe wieder in einen Unix- Rechner zurueckverwandeln.

Zweitens ergeben sich fuer Anwendungen aus der offenen Welt, die in C oder C++ geschrieben sind, Leistungsvorteile, wenn sie auf RISC- Rechnern ablaufen. Eine Oracle-Datenbank etwa, erlaeutert Jilek, ist ein MIPS-Fresser - das heisst, sie benoetigt einfache, aber sehr viele Instruktionen und macht keinen Gebrauch von der komplexen, aber leistungsfaehigen 390-Befehlsstruktur. "Offene Software laeuft auf RISC viel besser als auf 390-Systemen." Das sei allerdings kein Spezifikum von BS2000, sondern gelte auch fuer MVS.

Bei einigen Anwendern stossen SNIs Bemuehungen, das BS2000-System zu oeffnen, auf wenig Gegenliebe. Gerold Fath, Leiter des Rechenzentrums beim Skiproduzenten Voelkl, sieht fuer seine BS2000- Anwendung keinen Bedarf an Offenheit und hat selbst die OSD (Open Systems Dimension)-Version des Betriebssystems nicht installiert. "Zu dem Zweck, fuer den wir BS2000 einsetzen, passt die alte Version. Da muss ich mich nicht mit der Unix-Anbindung beschaeftigen, und das waere ja der Sinn von OSD."

Dabei ist Fath beileibe kein Unix-Feind, Voelkl setzt fuer die Konstruktion der Sportgeraete Unix-Workstations ein und nutzt auch vernetzte PCs etwa fuer den File-Transfer. Nur die Daten aus der Betriebswirtschaft verarbeitet der Mainframe. Ein Umstieg auf RISC auch beim Grossrechner kommt fuer ihn nur in Betracht, wenn Kosten zu sparen sind.

Die von Anwendern geaeusserte Befuerchtung, dass BS2000-Programme auf den RISC-Maschinen deutlich langsamer ablaufen koennten, versucht SNI-Mann Jilek zu zerstreuen. Sunrise schneide in den Tests wie vorgesehen ab. Anwendungen und Middleware-Produkte wuerden objektkompatibel emuliert. Das Ueberwechseln laufe fuer die Kundschaft genauso ab wie beim Umstieg von einer 390-Maschine auf eine andere.

Fuer die Portierung sei das BS2000-Betriebssystem bestens geeignet, da es bereits ueber einen Hardware-Abstraction-Layer verfuege. Nur unterhalb dieser Schnittstelle muesse portiert werden. Dazu hat SNI Algorithmen fuer die automatische Kompilierung entwickelt und patentieren lassen, die 390-Objekte auf RISC umsetzen.

Rolf Hellmann, stellvertretender Sprecher des Vorstandes der Siemens-Anwendervereinigung Save, begruesst SNIs RISC-Engagement fuer diejenigen, die lange ueber das Jahr 2000 hinaus bei BS2000 bleiben wollen. "Damit wird eine wettbewerbsfaehige Hardwareplattform bereitgestellt." Auch er erwartet sich eine Abloesung der alten Rechner, wenn es kostenguenstiger ist, BS2000 auf RISC zu fahren. Ob der Markt allerdings nur aus diesem Grund bei der proprietaeren Architektur bleibe, sei eine zweite Frage.

Sein Unternehmen, die KSB AG in Frankenthal, setzt das proprietaere SNI-System zwar noch ein, aber "die BS2000-Landschaft wird bei uns sukzessive kleiner". Das Unternehmen stellt derzeit auf SAPs R/3 um, was die Bedeutung des Mainframes weiter reduziert. Vor einem eventuellen Umstieg auf die RISC-basierten Sunrise-Systeme muesse man die geplante Standzeit des Mainframes kalkulieren und dann entscheiden. "Das ist eine rein oekonomische Betrachtung ohne technischen Hintergrund."

Wieso SNI mit Sunrise zuerst am unteren Leistungsende eine Alternative anbietet, erklaert Jilek mit der langfristigen Strategie. Man wolle keine schnelle Mark machen, sondern Perspektiven anbieten.