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12.02.1993 - 

Prototyp eines Pentium-PCs gezeigt

SNI setzt weiter auf Grossrechner und auf RISC-basierte Unix-Server

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Horst Nasko fuehrte die derzeitigen Probleme der Branche darauf zurueck, dass die DV- Abteilungen jetzt auch unter konjunkturellen Aspekten beurteilt wuerden und deshalb direkt von Wirtschaftsablaeufen abhaengig seien. Demgegenueber haetten Unternehmen in vergangenen Jahren gerade auch in Zeiten wirtschaftlicher Flauten weiter in die DV investiert, um gegenueber Konkurrenten Wettbewerbsvorteile zu gewinnen.

Zudem mache der erhebliche Preisverfall Firmen wie SNI schwer zuschaffen, weil Anwender ihre Investitionen in der Hoffnung auf weiter fallende Preise zunehmend hinauszoegerten. Ausserdem wuerden sich durch den zunehmenden Trend zu offenen Systemen kaum noch Differenzierungsoptionen fuer Hersteller ergeben.

Weiter sei zu konstatieren, dass die treibende Kraft der Branche aus dem PC-Segment komme. Dieses fuehre allerdings zu reinen Commodity-Produkten, so dass durch das gleiche Angebot aller ein extremer Konkurrenzdruck in der Branche entstanden sei.

SNI buat die 7500-Familie aus

Aus diesem Grunde versuche die SNI, sich als sogenannter Fulline- Supplier zu profilieren, der komplexe Gesamtsysteme in bereits bestehende DV-Landschaften integriere.

Hierzu habe die SNI bereits eigene Geschaeftsbereiche (Business Units ; BU), etwa die PC-Division, geschaffen, die sich am Beispiel erfolgreicher Konkurrenten ausgerichtet haetten. Hier nannte Nasko Firmen wie Vobis, Aquarius und Escom.

Die SNI haelt nach den Worten von Nasko weiterhin an ihren Mainframes fest, baut die 7500-Familie sogar noch aus. Der Muenchner Konzern stellte 18 neue Grossrechner sowie das Betriebssystem BS2000/OSD, Version 1, vor. Neben zwei neuen Modellreihen C70 und H100 staffierte SNI das Hochleistungssystem H130 mit zwei zusaetzlichen Rechnern aus. Der Linie C50 verpasste SNI eine Designmodifikation.

Die neue BS2000-Variante soll die proprietaere Rechnerlinie besser an den Anforderungen offener Welten ausrichten koennen. Ausserdem boeten Erweiterungen der Systemarchitektur "in Richtung /390- Standard" neue Moeglichkeiten zur Erhoehung des Systemdurchsatzes, der Verfuegbarkeit und -sicherheit.

Gefragt, ob das Festhalten an der Grossrechner-Technologie nicht im Widerspruch zu einem Personalabbau im Augsburger Grossrechner- Werk stehe, liess sich der SNI-Manager nur zu der Aussage herbei, es werde entgegen anderslautender Meldungen keine Werksschliessung geben. Die Zahl von 700 Stellen, die im Grossrechnerwerk abgebaut werden sollen, stellte Nasko nicht in Abrede.

Aehnlich wie bei der IBM duerfte auch bei SNI der Grund fuer das Beharren auf einer ueberholten Rechnergeneration in deren deutlichem Beitrag zum Gesamtumsatz liegen: Nach den Angaben von Nasko schoepft die SNI AG immer noch ein Drittel ihrer Einnahmen aus dem Geschaeft mit den Dinosauriern.

Bei Unix-Systemen sieht sich SNI mit rund 65 000 Installationen als Europas Nummer eins. Die Kooperation mit Pyramid werde in Sachen Hard- und Software intensiviert. Insofern "ist der Abstimmungsprozess", so Nasko, "bei den unterschiedlichen Unix- Linien der SNI jetzt abgeschlossen".

Enge Kontakte zu Microsoft

MX- und Targon-Rechner wuerden nicht mehr weiterentwickelt, sondern nur noch deren Unterstuetzung bei Anwendern gesichert. "Die RM-Rechner sind das einheitliche System der Zukunft", so der zweite Mann hinter Hans-Dieter Wiedig vor der Presse.

Von Pyramid, dem Unix-Multiprozessor-Spezialisten und Sequent- Konkurrenten, stammen die "RM400"- und "RM600"-Systeme, die auf der RISC-Technologie von Mips Technologies Inc. basieren. Von der Mips-Mutter Silicon Graphics Inc. (SGI) bezieht SNI ferner Hochleistungsgrafik-Workstations, die ebenfalls auf der Mips- Architektur basieren.

Mit einem Seitenhieb auf Intel kommentierte Nasko die Vorzuege von RISC- gegenueber CISC-Prozessoren: So haetten sich Intels Prozessoren sowohl hinsichtlich der Leistung als auch von der Liefersituation her nicht als ueberzeugend darstellen koennen. Zudem habe sich die RISC-Technologie bei Multiprozessor-Rechnern in Unix-Umgebungen gegenueber der Intel-Architektur durchgesetzt.

SNI duerfte allerdings zu den allerersten Unternehmen ueberhaupt gehoeren, die einen PC mit Intels Pentium-Prozessor zeigen: Das Server-Modell "PCE-5S" lief unter Windows NT in der Oktober-Beta- Version. Da die PC-Einheit mit einem Zuwachs von 19 Prozent im abgelaufenen Geschaeftsjahr 1992 (30. September 1992) die erfolgstraechtigste Division war, ist dieser Rechnerbereich auch in Zukunft fuer SNI von grosser Bedeutung.

Interessant waren allerdings besonders die Ausfuehrungen Naskos zu der Zusammenarbeit mit Microsoft: Er meinte, man warte ab, ob sich Windows NT durchsetze. Sollte dies der Fall sein, werde das Microsoft-Betriebssystem nicht nur auf den Desktop-Bereich beschraenkt bleiben, sondern auch fuer Server-Ebenen interessant werden.

Nasko betonte, dass SNI mit der Gates-Company sehr enge Kontakte pflege. Diese gingen soweit, dass man am Stammsitz der PC- Betriebssystem-Monopolisten in Redmond bereits Entwicklungsraeume zur Verfuegung gestellt bekommen habe. SNI unterstuetze zudem Microsofts Wosa-Konzept und werde fuer entsprechende APIs zu Sinix sorgen.

Welche Bedeutung SNI dem bislang nicht einmal verfuegbaren Windows NT beimisst, zeigte sich auch anhand einer Folie, die die Marktanteile der diversen Betriebssysteme bis 1996 aufgliederte: Nach auf Prognosen der Meinungsforschungsinstitute Gartner Group, Forrester Research und International Data Corp. (IDC) beruhenden Zahlen wird der Loewenanteil weltweit verkaufter Betriebssysteme auf Windows beziehungsweise Windows NT entfallen.

Mit weitem Abstand folgen das MAC-OS, OS/2, Power Open, Unix sowie die objektorientierten Varianten Kairo und Taligent. Alle diese Betriebssysteme zusammen werden nach dieser Quelle weniger Marktdurchsatz als Microsofts Produkt erringen.