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10.04.1998 - 

Durch Pagés Rücktritt besiegelt

SNI verabschiedet sich vom Applikationsgeschäft

Angetreten war Pagé mit dem Vorsatz, "aus dem Beamtenverein eine schlagkräftige Firma zu machen". Tatsächlich setzte SNI große Hoffnungen in den Spitzenmann von der Software AG, der vor seinem Arbeitsantritt noch über "Objektorientierte Technologie als neues Paradigma für kommerzielle Softwareentwicklung" promovierte. Heute kann von einem Anwendungssoftware-Anbieter SNI kaum mehr die Rede sein. Helmut Gümbel, Chef von Strategy Partners: "Pagé hat die Wirtschaftlichkeit seiner Produkte nicht beweisen können. Jetzt gibt SNI den Bereich auf." Pagé selbst bezieht keine Stellung. Offiziell verläßt er das Unternehmen aus "persönlichen Gründen".

Zu den wichtigen Weichen, die Pagé gestellt hat, gehört die Orientierung an den Marktführern SAP für die Großkunden und Microsoft für den Markt der mittelständischen Klientel. Diese Ausrichtung fand technologisch in der Etablierung von Microsofts Komponententechnik als Basis für fast alle Softwaretechniken aus dem Hause SNI ihren Ausdruck.

Pagé gehörte bei seiner Einstellung zur neuen Management-Riege um Gerhard Schulmeyer, die das Unternehmen nach dem Ausstieg des glücklosen SNI-Chefs Hans-Dieter Wiedig wieder auf Erfolgskurs bringen sollte.

Seit 1997 ist er Chief Technology Officer von Siemens-Nixdorf. Diese Funktion übernimmt nun Klaus Gewalt.

Gewalt war bei SNI bislang Mitglied der Geschäftsleitung und für Netzwerke zuständig.

Unter Pagés Federführung, so die offizielle Formulierung, "erfolgte die Neuordnung des Geschäftsgebietes Anwendungssoftware, die heute weitgehend abgeschlossen ist". Tatsächlich hatte er schon kurz nach Antritt seiner Stelle im Oktober 1994 die betriebswirtschaftliche Software "Siline" ausgemustert. Dasselbe Schicksal ereilte den CAD-Bereich.

Das eigentliche Augenmerk von Pagé galt der technologischen Erneuerung vor allem des von Nixdorf erworbenen Mittelstandspakets "Comet". Alle Bemühungen, die bei den damals noch etwa 30000 Anwendern beliebte Software zu modernisieren, waren bis zu seinem Firmeneintritt gescheitert. Unter Pagés Regie wurde die Portierung auf Unix abgeschlossen und das Nachfolgeprodukt ALX für Windows NT fertiggestellt. Doch der Erfolg blieb aus, so daß auch diese Produktreihe im Herbst 1997 an Baan abgetreten wurde.

"Comunity", das zweite Ziehkind von Pagé, sieht ebenfalls einer ungewissen Zukunft entgegen. Dabei handelt es sich um eine Entwicklungsplattform auf Basis von Microsofts Komponententechnik Distributed Component Object Model (DCOM). Sie bietet Entwicklerunternehmen eine Art Anwendungsbasis, in die sie ihre Produkte einklinken können. Ob sich Comunity jedoch ohne Pagé als treibende Kraft gegen Konkurrenzkonzepte durchsetzen kann, ist fraglich. Zudem ging SNIs Hoffnung nicht auf, das Framework an Microsoft zu verkaufen, um dann als Dienstleister daran zu verdienen.

Hinzu kommt, daß SNI mit dem Comet-Verkauf an Baan auch die Entwicklungshäuser verloren hat, die auf Basis von Comunity Anwendungssoftware schreiben könnten.