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"So darf nicht ausschließliches Kriterium einer ISDN-TK-Anlage sein"

20.05.1988

Mit Peter Pribilla, Leiter des Geschäftsbereichs Private Kommunikationssysteme und -netze, Siemens AG, sprachen Helga Biesel und Claudia Marwede-Dengg

- Was ist passiert? Bei der Post war doch schon bisher im wesentlichen von der S(o)-Schnittstelle die Rede, auch wenn sie parallel mit ZVEI und Herstellern über die U(po) diskutiert hat. Wieso verschärft sich jetzt plötzlich der Konflikt? Hat sich die Post etwa ein Recht angemaßt, das ihr nicht zusteht, nämlich in den privaten Bereich hinein normieren zu wollen?

Soweit ich die rechtliche Lage kenne, hat sie dieses Recht durchaus. Das ist nicht das Problem. Vielmehr geht es darum, daß Hersteller und große Anwender die Ausschließlichkeit der S(o)-Schnittstelle auf der Teilnehmerseite hinter der Nebenstellenanlage gekoppelt mit dem DKZN1-Protokoll als Zulassungskriterium für ISDN-TK-Anlagen für nicht vertretbar halten. Dies sind Ericsson, DeTeWe, Nixdorf, SEL, Siemens, Telenorma, der ZVEI und der VDMA mit dem prominenten Mitglied IBM, etc.; sie haben ihre Bedenken auch in einem Brief an die Deutsche Bundespost vom 27. April dieses Jahres formuliert. -

- Nochmals: Was ist das neue?

Bisher ist die Frage, was man als Definition für eine ISDN-TK-Anlage zugrunde legen soll, immer noch Gegenstand von Diskussionen und Gesprächen gewesen. Die Post hat dem ZVEI gegenüber signalisiert, daß sie auf die Wünsche und Vorstellungen der Industrie eingehen will. In den vergangenen Wochen nun, und das ist der kritische Punkt, hat sich herausgestellt, daß sie dieses eben nicht zu tun gedenkt. Und das hat die genannten, im ZVEI zusammengeschlossenen Firmen dazu veranlaßt, deutlich Stellung zu beziehen und diesen Brief zu schreiben. Wesentlichster Punkt: Der ZVEI hat in verschiedenen Diskussionen in letzter Zeit zu erkennen gegeben, daß er mit den Festlegungen für ISDN-TK-Anlagen, nämlich S(o) und DKZN1 auf der Teilnehmerseite bindend vorzuschreiben, nicht einverstanden ist. Als Zulassungskriterium für eine ISDN-TK-Anlage sollen eine 2-Kanal-Schnittstelle sowie die Fähigkeit zur Behandlung der sogenannten Dienstekennung gelten. Die Anlage muß also in der Lage sein, über die Dienstekennung festzustellen, welcher Dienst gerade kommt: Sprache, Teletex, Fax - was auch immer.

- Es muß aber doch für das Verhalten der Post Gründe geben...

Natürlich kann (und will) ich eigentlich nicht für die Post sprechen. Aber ich möchte dennoch versuchen, den möglichen Hintergrund zu skizzieren. Zu diesem Zweck muß man sich vor Augen halten, was eigentlich S(o) und U(po) bedeuten: Die S(o)-Schnittstelle ist eine Vierdraht-Schnittstelle und bietet die Möglichkeit, an den S(o)-Bus bis zu acht Geräte anzuschließen. Die" Erfinder" der S(o)-Schnittstelle gingen nun - nehme ich mal an - davon aus, daß man im Büro die Notwendigkeit hat, mehrere Geräte an eine Leitung anzuschließen, und da hat man eben an acht gedacht. Ein Vorteil der S(o)-Schnittstelle ist aus meiner Sicht auch, daß man hinter der Nebenstellenanlage oder auch hinter dem Hauptanschluß eine Art Mini-Nebenstellenanlage hat, im Prinzip ein kleines lokales Netz. So etwas aber haben wir schon, die ganzen LANs befinden sich im Prinzip hinter DV- oder Nebenstellenanlagen. Weiterer Vorteil aus Sicht der Post ist, daß Sie an diesen Bus ja mehr als ein Telefon anschließen können, zum Beispiel einen PC, ein Fax etc. Und ich gehe davon aus, daß sich die Post davon verspricht, daß sie diese Geräte dann auch verkaufen kann.

Ein weiterer Vorteil von S(o) ist, daß, wenn man am Hauptanschluß und an der Nebenstellenanlage den gleichen Anschluß S(o) hat, die Geräte austauschen kann. Soweit die ins Auge fallenden Vorteile.

- Nun hat sich im Laufe der Zeit bei einzelnen Leuten innerhalb der Post offenbar durchaus eine gewisse Flexibilität ergeben, weil sie sich der technischen Argumentation pro U(po) nicht ganz verschließen konnten. Welche Gründe könnte es denn jetzt so plötzlich geben, diesen Umdenkprozeß zu stoppen, also auch die Zusage, die Wünsche und Vorstellungen der Hersteller in den Zulassungsbedingungen für die ISDN-TK-Anlagen berücksichtigen zu wollen, zurückzurudern - wie Sie und der ZVEI samt VDMA befürchten?

Die Deutsche Bundespost verkauft heute den Hauptanschluß allein, nicht aber die Zweit-Nebenstellenanlage, nicht die Endgeräte - da steht sie im Wettbewerb. Wenn sie jetzt eine S(o)-Schnittstelle installiert, und diese S(o)-Schnittstelle bietet ja die Möglichkeit, neben dem Telefon noch andere Geräte anzuschließen, dann würde ich mir, wenn ich die Post wäre, davon zusätzlichen Absatz meiner Endgeräte versprechen.

- Und dieses möglicherweise zu Lasten der Anbieter von Nebenstellenanlagen?

Dazu kann ich nur sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft.

- Nach den Vorteilen der S(o)-Schnittstelle speziell für den Wettbewerber Bundespost nun doch zu den vielzitierten Stärken der U(po), welche sind das in erster Linie?

Erster Punkt: Die U(po) ist technisch einfacher gelöst; die S(o) ist dagegen eine sehr aufwendige Lösung. Die Industrie geht davon aus, daß die U(po) billiger ist.

- Geht man davon aus, oder weiß man das genau?

Da wir im internationalen Wettbewerb stehen, müssen wir versuchen, unsere Produkte so billig wie möglich zu machen. Und wenn wir auf die U(po) setzen, dann können Sie daraus schließen, daß sie billiger ist.

- Um welche Größenordnungen? Bei derartigen Berechnungen kann man ja das Stückzahlenproblem nicht außer acht lassen. Je mehr S(o)-Chips, desto billiger sogar dieser hochintegrierte Chip. Wie steht es denn mit den Entwicklungskosten, wie hoch ist ihr Anteil zu bemessen?

Den Aufwand für Entwicklung können Sie nicht so ohne weiteres umrechnen, aber die Herstellkosten der S(o) liegen sicher ein Drittel höher oder noch darüber. Sicher ist, daß es S(o) und U(po) geben wird, und zwar beide in hohen Stückzahlen, das mittelt sich aus.

Dieses ist entschieden, und da "rede ich weltweit". Insofern bekommen wir aus der Mengendegression aus meiner Sicht keine Kostenunterschiede. Die kommen aus der Komplexität der Technik.

- Also entwickeln Sie auf jeden Fall die beiden Schnittstellen und können sie also auch absetzen?

Wir werden mit Sicherheit beides entwickeln, wir haben ja auch schon beides. Und das ist ja auch im Feldversuch zu besichtigen. Wir hatten ja, damit es hier keine Mißverständnisse gibt, die erste S(o)-Schnittstelle an einem öffentlichen Amt, und zwar seit Ende 1986 in Mannheim. Da läuft die S(o)-schnittstelle zum Amt, und auf der Teilnehmerseite! Wobei man sagen muß, daß sich die Protokolle weiterentwickeln.

Die nächste S(o)-Schnittstelle sieht etwas anders aus. Auch haben wir von Anfang an die U(po)-Schnittstellen drin gehabt, genauso wie alle anderen Hersteller auch.

- Das bedeutet, daß Sie nicht aus Gründen mangelnder Verfügbarkeit gegen eine "allein selig machende" S(o) sind, sondern...

Die Trauben hängen bestimmt nicht zu hoch! Auch machen wir selbstverständlich ein DKZN1, aber international machen wir was anderes! Nämlich, um auf die Vorteile der U(po) zurückzukommen: Sie ist eine Zweidraht-Schnittstelle. Überall gibt es diese Zweidrahtverkabelung bereits. Falls irgendwo etwas anderes verlegt ist, dann, weil man auch etwas anderes anschließen will. Bei S(o) müßten viele Unternehmen teuer und aufwendig nachverkabeln. Die Reichweite des S(o)-Busses beträgt 150 Meter, also kann die maximale Reichweite von der Nebenstellenanlage nur 150 Meter betragen, es sei denn, man arbeitet mit einem teuren Schnittstellenumsetzer. Beim Hauptanschluß spielt das keine Rolle. Mit 150 Metern kommt man in einem Haus oder einem Büro zurecht, aber wenn Sie an die großen Anlagen in großen Unternehmen denken, da sind Weiten von tausend bis zweitausend Metern erforderlich. Da funktioniert die S(o)-Schnittstelle nicht. Wir müssen also, ob wir wollen oder nicht, eine andere Schnittstelle haben.

- Also ist die S(o) für Großanwender mit großen Nebenstellenanlagen völlig falsch?

Sagen wir, sinnvoll kaum verwendbar. Deshalb muß man trennen: Was am Hauptanschluß richtig ist, das ist eine Sache. Diese jedoch bindend vorzuschreiben für die Nebenstellenanlage ist schlicht und ergreifend - sagen wir - "nicht machbar".

In einem Industrieunternehmen, auch einem kleinen, sind Hauptanschlüsse und Nebenstellenanlagen praktisch niemals gemischt. Entweder habe ich eine Nebenstellenanlage, und da hängt dann alles dran, oder ich habe drei Hauptanschlüsse. Die Kombination aus beidem gibt es nur in ganz seltenen Ausnahmen.

Die Frage der (mangelnden) Austauschbarkeit der Geräte stellt sich eigentlich nicht. Da ohnehin alle Geräteanbieter gezwungen sind, zwei Schnittstellenvarianten zu implementieren, die man gegebenenfalls am Gerät auch mit einem Schalter umstellen kann, behaupte ich: Man braucht S(o) nicht schlüssig, um Geräte portieren zu können.

- Für die Portabilität wäre also auch eine U(po)-Schnittstelle ausreichend, und zwar herstellerunabhängig?

Ja. Allerdings gehe ich davon aus, daß wir nicht über ein Sammelsurium inkompatibler U(po)-Schnittstellen sprechen. Ziel ist ganz klar, diese U(po)-Schnittstelle zu normen. Und zwar steht die Verabschiedung dieser Norm im ZVEI innerhalb der nächsten Wochen bevor. Also werden alle Hersteller relativ schnell in der Lage sein, sie anzubieten.

- Es war doch auch schon einmal daran gedacht, diesen Normungsvorschlag in CEN/CENELEC einzubringen. Was ist daraus geworden?

Auf europäischer Ebene wird deutlich die U(po)-Schnittstelle favorisiert. Und da entwickelt sich bereits der nächste Konflikt.

- Es gibt unseres Wissens in den unterschiedlich en Normungsgremien auch unterschiedliche Präferenzen: Die einen sagen wir bleiben bei S(o) und zwar für alle Anbieter und alle Varianten inklusive Nebenstellenanlagen; die anderen sagen, nein, wir brauchen U(po) nur für den Nebenstellenbereich.

Meines Wissens läuft das sogenannte Euro-ISDN ganz deutlich in Richtung U(po).

- Und welche, wie Sie sagen, positiven Konsequenzen hätte ein Eingehen der Post auf die Wünsche des ZVEI auf die vermeintliche EG-Tendenz den erklärten Bedarf der Großanwender?

Wir würden zu einer größeren Harmonisierung kommen. Der Wunsch des ZVEI ist ja nicht "Schafft die S(o)Schnittstelle völlig ab!", das steht nirgendwo geschrieben. Aber: "S(o) darf nicht das ausschließliche Kriterium einer ISDN-Anlage sein." Über die zusätzliche U(po) würde eine größere Vielfalt an Geräten und Anwendungsmöglichkeiten entstehen, und der Nutzen für den Kunden wäre mit Sicherheit größer. Außerdem wäre nicht jeder Hersteller gezwungen, beide Schnittstellen zu realisieren. Zum Beispiel ist S(o)/DKZN1 für ausländische Anbieter ein Thema ausschließlich für den deutschen Markt.

- Ein ausländischer Anbieter könnte sich ja unseren Marktbedingungen anpassen. Um einmal von der reinen Hardwareschnittstellen-Diskussion wegzukommen: Sie sind doch wohl nicht das ausschließliche Thema?

Richtig: Aber hier muß man in jedem Fall alles doppelt machen. Teuer wird es jedoch erst bei den Protokollen. An dieser Stelle muß ich die Bundespost loben. Den jetzt aufgebrochenen Konflikt haben wir nur, weil die Post sich so früh festgelegt hat. Das war an sich lobenswert. Sie war Vorreiter in Sachen ISDN, und irgendwann mußte sie mal "Redaktionsschluß" sagen. Das war vor ein, zwei Jahren richtig.

Heute jedoch sind die Normungsbemühungen des CCITT, des ZVEI etc. so weit in Richtung DKZN2 gediehen, daß die Haltung der Post schwer verständlich ist.

- Der kritische Punkt ist ja wohl doch die Einseitigkeit der Post, die offenbar nicht bereit ist, die neueren Entwicklungen in irgendeiner Form zu berücksichtigen?

Ja. Unsere Forderungen lauten, Protokolle zuzulassen, die auf der Basis der CCITT-Empfehlungen entstehen!

- Und nur solche?

Ja. In Rede steht jetzt also das DKZN2, obwohl noch ein gewisser Normungsspielraum vorhanden ist.

- Wann wird das berühmte Blaubuch denn nun eigentlich verabschiedet? Es hieß doch Ende 1988...

Richtig, aber die Meinungen dazu gehen auseinander. Manche sprechen auch von Anfang 1989. Wir haben auf der Basis des Blaubuchs entwickelt, und zwar das bekannte Cornet-Protokoll, in dem die noch nicht definierten Freiräume belegt werden. Was für uns voraussetzt, daß, falls sich neue Festlegungen ergeben, wir diese bei uns implementieren. Thema: Schritt haltende Implementierung.

- Die Ausschließlichkeit der Festlegung der Post ist, wie gesagt, vor diesem Hintergrund schwer nachvollziehbar. Warum soll denn ein Protokoll auf der angesprochenen CCITT-Basis nicht das Prädikat ISDN bekommen?

Hier liegt das eigentliche Problem, denn ISDN ist doch eine Frage der Funktion, der Leistung, des Kundennutzens. Und die Frage, wie die Schnittstelle physikalisch aussieht, mit welchem Protokoll das gemacht wird, hat noch keinem Kunden irgendeine Mark eingespart. Deshalb ist es eine sehr enge Auslegung von ISDN, wenn ich es an S(o)/DKZN1 festbinde.

- Für das strikte Festhalten der Post scheint nur ein Grund vorstellbar, nämlich daß genau zu dem Zeitpunkt, an dem die CCITT-Norm herauskommen soll, die Post mit dem Dienst starten will, und zwar Ende dieses Jahres.

Kein Mensch verlangt, daß man die heutige So samt DKZN1 wegwirft, sie sind durchaus eine Möglichkeit, ISDN zu machen, das ist unstrittig, aber sie ist beileibe nicht die einzige.

- Welche schwerwiegenden Konsequenzen ergeben sich für Industrie und Anwender, wenn die Post "stur bleibt"

Jetzt reden wir über Geld. Denn die Implementierung eines Protokolls ist teuer. Das ist kein Pappenstiel mehr. Wenn sie die unteren drei OSI-Schichten, für die Kommunikation von Sprache, Text und Daten, in allen Geräten eines Systems implementieren, dann ist das ein recht großer Software-Aufwand. Die Größenordnung bewegt sich bei einem zweistelligen Millionenbetrag. Nun könnten große Unternehmen, wie Siemens, dieses doch in beiden Fällen tun, wenn auch zähneknirschend, werden Sie sagen.

- Siemens also in der Rolle des Wettbewerbshüters und Kompatibilitäts-Wächters?

Selbst wenn man sagt, große Häuser werden beides implementieren, so bedeutet dieses gleichzeitig, daß eine Menge kleinerer Firmen den gleichen technischen und finanziellen Aufwand treiben müßten. Der ZVEI vertritt hier die ganze Spannweite der Anbieter.

- Nun hat sich die EG generell für weniger Telekommunikationsstandards ausgesprochen. Welche Chancen räumen Sie denn mittelfristig wenn schon S(o) und U(po) gleichzeitig durchzusetzen offenbar so schwierig ist, wie sie befürchten, dem Vorschlag der Telecom e.V. ein, die S(o)-Schnittstelle quasi "aufzuweichen" - und zwar zu splitten in eine Hardware-Schnittstelle NT1 mit einem Steckmodul und NT2 mit Microcode und nachladbarer Software? Hier wäre doch wohl ein recht hoher Grad an Flexibilität erreicht. Glauben Sie, daß eine solche Lösung im Sinne des EG-Grünbuches ist?

Dazu nur eine Teilantwort: Vor solchen Dingen habe ich eine Heidenangst. Da würde ja ein kleines komplexes System entstehen aus Hard- und Software. Wer soll denn das bezahlen? Richtig ist, daß das ein Lösungsansatz wäre. Man würde damit zwar anfangen, Kompatibilitätsprobleme zu lösen, allerdings indem man ständig gleichzeitig neue schafft.

- Man würde also über ein Zuviel an Variabilität wiederum eine Stagnation des Marktes erreichen?

Ja. Bei einem derartigen Lösungsansatz wäre ich eher auf der bremsenden Seite. Wir reden ja nicht darüber, daß wir eine beliebige Vielfalt von Schnittstellen wollen. Heute sieht es doch so aus: Jedes Unternehmen hat auf der Nebenstellenseite private Protokolle. Da ist also nichts kompatibel, von IBM bis Northern Telecom, von Nixdorf bis Siemens etc. Wir wollen uns heute dahingehend einigen, daß es eine S(o)-Schnittstelle gibt; die macht ja auch Sinn am Hauptanschluß, die ist gleichfalls sinnvoll am Nebenstellenanschluß, damit ich ein Endgerät anschließen kann, daß ich von XY - sei es aus den USA, sei es aus Japan - kaufe. Aber laßt uns daneben, aus den geschilderten Gründen, versuchen, die U(po)-Schnittstelle zu normen. Zur Zeit gehe ich davon aus, daß es so viele Protokolle und Schnittstellen gibt wie Anbieterfirmen, ja sogar mehr...

Wenn wir diese Vielfalt auf zwei Schnittstellen reduzieren, nämlich die Schnittstelle, die aus Sicht der Post und den Gründen, wie wir genannt haben, durchaus gewisse Vorteile bringt, und auf eine zweite, nämlich die U(po)-Schnittstelle, die aus meiner Sicht zwingend ist - schon aus Reichweiten-Gründen, und wenn wir es schaffen uns dann auch noch auf ein Protokoll zu verständigen, wozu ja im Prinzip alle bereit sind - übrigens auch die Post -, dann schaffen wir wirklich fast die heile Welt.

Aber mit einer Einheitsschnittstelle - einer Einheitssauce - das ganze Problem weltweit zu erschlagen..., da habe ich meine Zweifel.

- In welcher Form wirkt eigentlich die EG ein? Hat sie schon irgendwie für den einen oder den anderen Stellung bezogen?

Letzteres meines Wissens nicht! Aber die Wahrscheinlichkeit, daß mit der EG ein Konflikt vorprogrammiert ist, ist sehr hoch.

- Ganz ungeschoren bleiben übrigens auch die Hersteller nicht, wenn man sich das Papier des Telecom e. V. einmal in seinem ganzen Umfang zu Gemüte führt: Die Nebenstellenanbieter hätten in erster Linie nur den Sprachbereich im Visier, wahrend die DV- und Textseite vernachlässigt werde. Deshalb lautet eine der Forderungen: Die U(po)-Schnittstelle sollte auch in DV-Equipment integriert werden. Ist das sinnvoll auch aus Sicht des Hauses Siemens? Ist das durchsetzbar?

Klares Ja. Macht Sinn und ist durchsetzbar. Bisher haben die DV-Hersteller auch schon auf S(o) geschaut, sicher werden sie auch "bimodal" fahren. Aber ohne die Normierung der darüberliegenden Protokolle können Sie das vergessen.

- Also ist die Forderung für sich allein genommen noch nicht sehr hilfreich für ISDN?

Ich möchte mit einer Feststellung und einer offenen und etwas suggestiven Frage schließen: Massenmarkt bekommen Sie immer dann, wenn Sie hohe Stückzahlen produzieren können. Und nun die Frage: Wieviele Endgeräte kriegen wir denn aus aller Welt zu kaufen für eine deutsche Schnittstelle mit einem deutschen, nationalen Protokoll? Oder umgekehrt gefragt: Welche Vielfalt würden wir erreichen, wenn man sich international auf ein Protokoll einigt?

Zur Prophylaxe

Großanwender und Industrie rüsten sich prophylaktisch gegen Zulassungsbedingungen für die künftigen ISDN-Nebenstellenanlagen, die einerseits als technische Zumutung weil veraltet, andererseits als wirtschaftspolitisch unklug empfunden werden. Der ZVEI (vergleiche CW Nr. 19/88, Seite 1) hat in Bonn bereits schriftlich interveniert; die Großanwendervereinigung Deutsche Telecom e. V. versucht mit einem Positionspapier, der Post noch das vermeintlich rechte Verständnis für das leidige Schnittstellenproblem abzuringen. In dieser Situation bat die COMPUTERWOCHE einen Exponenten der Industrie nämlich Peter Pribilla von der Siemens AG, um Erläuterung der Hintergründe des Konflikts.