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17.08.2016 - 

Geistesblitz mit Methode

So fördern Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeiter

Oliver Blüher ist  Geschäftsführer  für  Deutschland,  Österreich,  Schweiz  sowie  die skandinavischen  Länder  bei  Dropbox.  Er  ist  für  die  Führung  der  laufenden  Geschäfte sowie  für  Vertrieb,  Marketing  und  Partnerschaften  zuständig.  Dazu  gehört  neben  der Weiterentwicklung  des  Privatkundengeschäfts  insbesondere  der  Ausbau  des  B2B-Geschäfts mit den Produktlinien Dropbox Business und Dropbox Enterprise. Bevor er zu Dropbox kam, war Oliver Blüher als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich für das Geschäft  mit  Cloud und Line  of Business  Solutions  bei SAP  Deutschland. Zuvor war er bei der SAP als Chief Operating Officer für die Region Russland und GUS sowie als Chief of Staff für den CEO tätig.
Akten wälzen von Neun bis Fünf war gestern. Mitarbeiter wollen heute mitreden und mitgestalten. Wie Unternehmen die Kreativität ihrer Mitarbeiter fördern können - und warum es sich am Ende für alle auszahlt.

Tech-Unternehmen wie Apple und Google setzen alles daran, ihre kreativen Köpfe zu fördern und sind damit äußerst erfolgreich. Es wird höchste Zeit, dass sich Unternehmen in Deutschland davon eine Scheibe abschneiden, denn auch für Traditionsbranchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau sind die richtigen Ideen und deren Vermarktung entscheidende Erfolgsfaktoren in einem stärker umkämpften Markt.

In Zeiten zunehmender Automatisierung und Standardisierung kann das Know-how der Mitarbeiter zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
In Zeiten zunehmender Automatisierung und Standardisierung kann das Know-how der Mitarbeiter zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Foto: Peshkova, Shutterstock.com

Es geht darum, mutige Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen sowie innovative Prozesse und Strategien für Situationen zu finden, in denen es keine Lösungen von der Stange gibt. In Zeiten zunehmender Automatisierung und Standardisierung kann das Know-how der Mitarbeiter zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Ein per se kreatives Unternehmen gibt es natürlich nicht - im Erfolg einer Firma spiegelt sich immer das Potenzial der Mitarbeiter. Doch wie lassen sich Kreativität und Innovationskultur gezielt fördern?

Experimentierkultur schaffen

Kreativität braucht vor allem eins: Muße. Hohe Arbeitsbelastung, Stress aber auch zu viel Routine bei immer gleichen Tätigkeiten sowie ein wenig inspirierendes Arbeitsumfeld sind wahre Kreativitätskiller. Wer von seinen Mitarbeitern kreative Ideen erwartet, sollte auch die entsprechenden Freiräume dafür schaffen. Das bedeutet nicht unbedingt einen Billardtisch oder ein Musikzimmer. Aber Unternehmen müssen Mitarbeitern Flexibilität bieten, und das nicht nur in Bezug auf Arbeitsort und Arbeitszeit.

Vielmehr ermutigen innovative Vorreiter ihre Mitarbeiter, Zeit und Energie in eigene Ideen und Tüfteleien zu investieren. Beispielsweise mit Slack-Time, einem Teil der Arbeitszeit, den jeder Mitarbeiter für Projekt- und Ideenfindung abseits des normalen Tagesgeschäfts verwenden kann. Einige Unternehmen folgen dabei der 80/20-Regel: 80 Prozent der Zeit entfallen auf die reguläre Arbeit, 20 Prozent - also ein ganzer Arbeitstag pro Woche - dürfen für eigene Projekte genutzt werden. Andere Unternehmen setzen auf regelmäßig stattfindende Hackathons oder Hackweeks, in denen sich Mitarbeiter einige Tage am Stück mit eigenen Ideen auseinandersetzen können. Dabei steht das gemeinsame Ausprobieren, Gestalten und Weiterspinnen von Ideen im Fokus.

Kreativität kann nämlich auch eine Frage des richtigen Teams sein, wie die Stuttgarter Kreativitätsberatung iQudo bei einer Befragung von Passanten in San Francisco herausfand: 48 Prozent der ideenreichen Büroarbeiter gaben ihre Kollegen als Grund für ihre Kreativität an - die mit Abstand meistgenannte Inspirationsquelle. "Zeit zum Nachdenken" schaffte es mit 21 Prozent auf Platz vier, hinter "kreative Atmosphäre" mit 29 Prozent.

Vernetzte Strukturen erzeugen Zusammenarbeit und führen so zum Austausch von Informationen und zur gemeinsamen Bearbeitung von Problemen. Es gilt daher Menschen zu verbinden, die gemeinsam gut funktionieren und sich gegenseitig weiterbringen - auch über Abteilungs-, Standort- oder Ländergrenzen hinweg. Kleine bereichsübergreifende Teams mit einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven, ausgestattet mit einem hohen Maß an Autonomie und Zielen schaffen klare Vorteile.

Motivierende Vorbilder gesucht

Das wirtschaftliche Umfeld wird zunehmend komplexer. Es ist für Manager nicht einfach, diesen schwierigen Herausforderungen zu begegnen. Nur die wenigsten Menschen sind aus sich selbst heraus offen für Neues, es bedarf der Unterstützung durch ihre Vorgesetzten.

Mitarbeitermotivation wird damit zur zentralen Führungsaufgabe: Mitarbeiter partizipieren lassen, coachen, unterstützen. Entscheidend ist dabei ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der einzelnen Kollegen und die entsprechende Gestaltung der Aufgabenbereiche. Wie und wo arbeitet mein Mitarbeiter am besten? Ist er ein Eigenbrötler oder ein Teamplayer? Braucht er genaue Vorgaben oder möchte er Freiräume und mehr Eigenverantwortlichkeit?

Zentral ist auch eine wirklich gelebte Fehlerkultur, eine Atmosphäre des Ausprobierens und Scheiterns. Nur wer wagt, gewinnt. Nur wer unbedacht und ohne Druck ist, kann wirklich innovativ sein. Denn Misserfolg ist der Normalfall, ein Großteil aller Innovationen scheitert auf den verschiedenen Entwicklungsstufen. Und doch wiegen in deutschen Firmen Fehlschläge oft schwerer als Erfolg, der sich teilweise erst nach Jahren einstellt.

Lesetipp: Umgang mit einem Tabu: Scheitern erlaubt!

So werden Führungskräfte nur selten für verpasste Chancen zur Verantwortung gezogen, wohingegen ein Fehlschlag bei einer großen Innovation oft ein Karrierekiller ist. Hier ist ein Umdenken auf allen Ebenen gefragt. Wissen Teams, dass ihr Arbeitgeber Einfallsreichtum fordert und fördert, dass Mut belohnt und Fehler nicht bestraft werden, setzt dies neue Potenziale frei.

Anreize beleben die Bereitschaft der Mitarbeiter zusätzlich. Diese sollten eben nicht nur an Umsatz, Alter oder Betriebszugehörigkeit gekoppelt sein, sondern auch explizit Ideen und Innovationen adressieren. Unternehmen, die das erkannt haben, loben beispielsweise Innovationspreise aus, veröffentlichen Preisträger im Mitarbeitermagazin oder beteiligen Innovatoren am Umsatz des Produkts.

Mehr Erfolg mit professionellem Ideenmanagement

Deutschland gilt nach wie vor als Land der Ideen - bei den Patentanmeldungen liegt die Bundesrepublik europaweit auf Platz eins, weltweit auf Platz drei hinter den USA und Japan. Doch schon beim Blick auf das Innovation Union Scoreboard 2016, dem jährlichen Innovationsranking der EU-Kommission, zeigt sich, dass die deutsche Innovationskraft kontinuierlich abnimmt. Zwar gehört die Bundesrepublik noch zu den Innovationsführern, belegt aber im europaweiten Vergleich nur noch Platz fünf hinter der Schweiz und den skandinavischen Ländern Schweden, Dänemark und Finnland.

Zum Vergleich: 2014 kam Deutschland auf Platz drei, 2013 war es sogar Platz zwei hinter Schweden. Dabei sind nicht etwa fehlende Ideen in Unternehmen das Problem. Eher scheint sich die Frage zu stellen: Was soll man damit tun? Ideen durchlaufen nur selten einen strukturierten Prozess mit Problem- und Bedarfsanalysen, Prototypen und einer klar definierten Pipeline, in der immer wieder wenig aussichtsreiche Ideen rechtzeitig ausgesiebt werden.

Viele Ideen versanden aufgrund starrer Hierarchien und langer Entscheidungswege, eine gewinnbringende Realisierung bleibt Fehlanzeige. Abhilfe schaffen beinahe egalitäre Systeme, in denen Hierarchien kaum noch eine Rolle spielen. Auch wenn vor allem amerikanische Konzerne aus dem Silicon Valley hierfür bekannt sind, gibt es durchaus auch in Deutschland vielversprechende Ansätze für ein konstruktives Miteinander und ein professionelles Ideenmanagement.

So sind die Mitarbeiter einer der größten Autohersteller in Deutschland beispielsweise dazu angehalten, ihre Verbesserungsvorschläge zu Produkten, Prozessen oder Arbeitsweisen einzureichen. Die besten Vorschläge werden prämiert und umgesetzt. 2015 haben die Mitarbeiter 64.845 Verbesserungsvorschläge eingebracht, das gesamte Einsparvolumen beziffert das Unternehmen auf 128 Millionen Euro.

Konkurrenten, aber auch Großkonzerne wie Siemens oder die Deutsche Telekom setzen ebenfalls auf das Insider-Wissen ihrer Mitarbeiter. Software-Programme können bei der Bündelung der Mitarbeiter-Kreativität helfen, manche Firmen berufen sogar ausgewiesene Ideenmanager, zu deren Kernaufgaben es gehört, die Vorschläge der Mitarbeiter zu bewerten und auf ihre Tauglichkeit im Unternehmen zu testen. Ziel ist es, die Big Ideas aufzuspüren, die sich später als erfolgreiche Innovationen bewähren. (haf)

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