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31.01.1986 - 

Battelle: Erfahrungen mit Inhouse-Netzen in den USA und der Bundesrepublik (2. Folge und Schluß)

So zentral wie nötig - so dezentral wie möglich

Im Auftrag des Rationalisierungs-Kuratoriums der deutschen Wirtschaft (RKW) hat Battelle Frankfurt den Stand der Anwendungen von Inhouse-Netzen in der Bundesrepublik und in den USA vergleichend untersucht. Neben technischen Aspekten ging es dabei vor allem um wirtschaftliche, personelle und arbeitsorganisatorische Fragen 1).

In den Fachabteilungen gibt es gerade beim Einsatz von Inhouse-Netzen deutliche Tendenzen dazu, die einzelnen Teilschritte bei der Bearbeitung eines Vorgangs wieder in einer integrierten rechnergestützten Sachbearbeitung zusammenzufassen. Das Büro der Zukunft muß demnach nicht so arbeitsteilig-tayloristisch aussehen wie die Fabrik der Vergangenheit. Dezentrale Informationstechnik und Netze im besonderen verändern die Arbeitsabläufe im Büro stärker, als dies früher der zentrale Rechner vermochte. Inhouse-Netze machen neue Systemzusammenhänge innerhalb der Büro- und Verwaltungstätigkeit deutlich. Von daher besteht auch die Chance, die einzelnen Tätigkeiten wieder anzureichern.

Mehr noch als in der Fertigung zwingen Informations- und Kommunikations-Techniken im Büro zu organisatorischen Veränderungen, wenn das ihnen inhärente Gestaltungspotential genutzt werden soll. Dabei spielt die Frage eine Rolle, von welchen Wertvorstellungen menschlicher Arbeit Systemdesigner und -implementierer auf der Hersteller- und Anwenderseite ausgehen.

Inhouse-Netze und integrierte Bürosysteme können ohne eine Veränderung der Organisation eines Unternehmens nicht sinnvoll eingesetzt werden. Büroautomation beinhalten ohne Zweifel technische Komponenten, aber Inhouse-Netze haben weiterreichende Effekte als früher die Einrichtung zentraler Datenverarbeitungsabteilungen. Die Anwender von Netzen müssen sich mit Fragen der

Organisationsentwicklung auseinandersetzen. Die sichtbare Verbindung von Geschäftsziel und Technik in der Hierarchie, gekennzeichnet durch neue Abteilungen für Netzbetriebe oder Kommunikations-Management, macht die Bedeutung integrierter Bürosysteme für den Bestand der Unternehmen deutlich (Bild 3).

Integrierte Bürokommunikation als Informationsverarbeitung im Netzverbund verlangt ein über eine Kommunikationsanalyse erstelltes technisches und organisatorisches Konzept. Diese Aufgabe wird meist von der Abteilung Datenverarbeitung nicht befriedigend gelöst, weil es bei der Anwendung von LAN eigentlich mehr um Fragen der Organisation der Kommunikation und weniger um die Organisation der Datenverarbeitung geht.

Inhouse-Netze werden von allen Betreibern unter dem Oberziel der Kommunikationserhöhung gesehen und nicht als Isolierer. Wo sich letzteres einstellt, muß mit einer intelligenteren Anwendung des Netzes Abhilfe geschaffen werden.

Auch auf der Ebene der qualifizierten Sachbearbeiter ist in vielen Fällen beim Netzeinsatz eine Zunahme der Kommunikationsbeziehungen zu beobachten. Einschränkungen der Flexibilität werden aus dem Tatbestand abgeleitet, daß beim Netzbetrieb feste Regeln für die Kommunikation und auch ein Plan für die Benutzung erforderlich werden.

Die überwiegende Zahl der Inhouse-Netze sind reine Datenverarbeitungs-Netze oder haben bisher nur Daten- und Textverarbeitung integriert (PC-Konzepte und ähnliches) oder sind geschlossene Netze oder nutzen die verfügbaren Netzkanäle getrennt für Daten, Text und Bild (TV) oder sind kleinere Netze, aber oft durch Bridges verbunden.

Elektronische Post läuft - wenn überhaupt - nur bei kleineren Anwendern bereits über das LAN. Große Unternehmen brauchen weltweite Kommunikationsnetze für elektronische Post und haben deshalb hierfür separate Netze als Wide Area Network (WAN) aufgebaut. Auch die Diffusion der elektronischen Post in den USA wird durch fehlende Standards entscheidend behindert. Einige Anwender von Inhouse-Netzen machen Versuche mit der Integration von Bewegtbildern (TV/ Video). Der Vorteil von LAN, die ubiquitären Anschlußmöglichkeiten, wird auch hierbei deutlich.

Die bisher noch im wesentlichen auf die Daten- und Textverarbeitung beschränkte Integration der Kommunikationsarten auf den Inhouse-Netzen begrenzt auch noch die Kommunikationsbeziehungen. Einige wenige Anwender in den USA haben selbst lokal eigene Telefondienste aufgebaut. Die meisten Netzanwender planen auf absehbare Zeit keine Integration der Sprache (Telefon) in das LAN.

Die Qualität der Arbeitsergebnisse und die Effizienz hängen ab von der Benutzerfreundlichkeit der Systeme. Allein aus qualitativen Aspekten würde keiner der von uns in den USA und der Bundesrepublik befragten Anwender wieder auf das Inhouse-Netz verzichten, trotz der bisweilen noch sehr hohen Kosten.

Die Unterstützung der Führungskräfte im Büro kann sich nicht auf die Integration der einzelnen Informationsarten Daten, Text, Sprache und Bild beschränken. Hochqualifizierte Bürotätigkeiten benötigen als technische Unterstützung eigentlich den Rückgriff auf Wissensbanken, ein Kennzeichen von Expertensystemen der künstlichen Intelligenz (KI). Experten in den USA gehen davon aus, daß auch Führungskräfte im Büro künftig KI-Systeme benötigen werden. Die Integration von Daten, Text, Bild und Sprache nach heutigem Muster wird von diesen Anwendern somit nur als Zwischenetappe betrachtet.

In der Bundesrepublik werden die öffentlichen Netze von der Deutschen Bundespost aufgebaut und betrieben, während dieser Markt in den USA bis vor wenigen Jahren überwiegend in der Hand des privaten Unternehmens American Telephone & Telegraph (AT & T) war. Mitte 1984 hat die Deutsche Bundespost das bis weit in das nächste Jahrhundert reichende Konzept der Digitalisierung der analogen Netze und der Integration aller Netze in ein einheitliches ISDN-Gesamtnetz (ISDN = Integrated Services Digital Network/ Diensteintegrierendes Netz) vorgestellt. Dieses ISDN-Netz ist nun ein verabschiedetes Konzept für die weitere Entwicklung der Telekommunikationslandschaft. Das ISDN-Konzept hat auch Auswirkungen auf die weitere Entwicklung im Bereich der Inhouse-Netze. Endziel hinsichtlich der Geräte ist wie bei einem LAN das Multifunktionsterminal (Mehrdiensteendgerät) sowie der problemlose Anschluß unterschiedlicher Endgeräte an das ISDN-Netz.

Die führenden Hersteller von Nebenstellenanlagen haben in den letzten Jahren ihre Entwicklungen häufig sowohl bei LAN als auch bei digitalen NStAnl vorangetrieben. Die Frage "LAN oder NStAnl" entscheidet sich daran, welche Informationen der Anwender wie schnell übertragen will. Wer an einem schnellen und breiten Datenverkehr interessiert ist, dem genügt das digitale Telefon allein nicht. Vor der Entscheidung sollten potentielle Anwender eine Kommunikationsanalyse machen und einen zumindest mittelfristigen strategischen Kommunikationsplan erstellen. Wer glaubt, auf dieses Grundkonzept verzichten zu können, wird der Weg zum zufriedenen Anwender eines Inhouse-Netzes über den dornenreichen Umweg eines anfangs unzufriedenen Anwenders gehen müssen!

* Udo Frenzel ist Projektleiter beim Battelle-Institut Frankfurt/Main.