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06.03.2006

SOA: Das Geschäft neu begreifen

Service-orientierte Architekturen verändern nicht nur die IT-Landschaft der Anwender. Auch die Dienstleistungsszene steht vor einem Umbruch.

Service-orientierte Architekturen (SOA) sind derzeit nicht nur ein kleiner Hype, sondern ein umfassendes Heilsversprechen für geplagte IT-Verantwortliche und Fachabteilungen gleichermaßen. Es heißt, mit SOA würden Unternehmen flexibel, innovativ und fit für die Globalisierung, zudem schließe sich der Graben zwischen Business und IT. Selbst wenn sich nur ein Bruchteil der Prognosen erfüllt, wird vieles besser. Doch davor haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Die Daumenregel ist simpel: Je größer der potenzielle Ertrag, desto größer ist auch der Aufwand. Und glaubt man den Versprechungen der einschlägigen Softwarelieferanten, wird SOA die Anwender mächtig ins Schwitzen bringen.

Hier lesen Sie …

• warum IT-Dienstleister auf die SOA reagieren müssen;

• welche Geschäftsfelder profitieren werden;

• wie sich Best of Breed auf die Servicefirmen auswirken kann;

• warum auch kleine Spezialisten gute Chancen auf Erfolg haben.

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www.computerwoche.de/go/

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Kommt Zeit, kommt Auftrag

Professionelle Hilfe ist nicht fern: IT-Dienstleister und Berater wittern glänzende Geschäfte dank SOA, auch wenn sie sich derzeit noch in Geduld üben müssen. "Bis zum Durchbruch auf breiter Front dauert es noch rund zwei Jahre", prognostiziert Vanessa Solem, Analystin von Pierre Audoin Consultants (PAC). Mit ihrer Einschätzung steht sie nicht allein: "Die Kunden glauben noch nicht, dass SOA als Basis von umfassenden Applikationen funktioniert", berichtet auch Carsten Jörns, Mitglied der deutschen Geschäftsleitung für den Bereich Consulting von IDS Scheer. Der Prozessexperte beschreibt die SOA-Welle derzeit als "Kräuseln auf dem Wasser, das man kaum sieht". Den Durchbruch erwartet Jörns für das Jahr 2007, wenn große Hersteller wie SAP, Oracle und IBM ihre Plattformen konkretisiert hätten.

Dass die Nachfrage nach Services steigen wird, gilt als sicher: "SOA bietet ein riesiges Potenzial für Dienstleister", sagt PAC-Analystin Solem. Neben der generell steigenden Akzeptanz von externer Unterstützung in Anwenderkreisen sieht sie einen zunehmenden Bedarf durch die heterogen gewachsenen Welten. Viele Anwendungen seien Eigenentwicklungen, Standardapplikationen stellten nur einen Teil der Softwarelandschaft dar - beides miteinander in eine SOA zu überführen werde enorm komplex. "Der Parallelbetrieb der alten und neuen Anwendungen auf einer SOA steigert die Chancen der IT-Dienstleister, in das Application-Management einzusteigen", sagt die Analystin.

Architekten gesucht

Darauf spekuliert auch Martin Jetter, Chef der IBM-Beratungssparte Business Consulting Services (BCS) in Nordost-Europa. Er verspricht sich von SOA einen "Boom, weil Unternehmen ihre Architekturen und Applikationen entsprechend ausbauen und implementieren müssen". In der Folge kalkuliere IBM mit einer enormen Nachfrage nach der Fähigkeit, Applikationen zu managen und zu betreiben.

"Das schöne Feld der Architekturberatung" öffnet sich nach Einschätzung von Rüdiger Spies, Analyst der Experton Group. Neu ist das Segment nicht, doch für Systemintegratoren und Berater werde seine Bedeutung zunehmen. Zwar schätzt der Experte SOA eher als "evolutionären Schritt" in der Abfolge von Mainframes und Client-Server-Systemen denn als kurzfristige Revolution für das Geschäft der IT-Dienstleister ein. Dennoch entstehe daraus eine große Herausforderung für Systemberater, "weil sie sich mit der Architektur unabhängig von den Applikationen auseinandersetzen müssen".

Schwieriger Umstieg

Für SOA gefragt ist ein neuer Typus von Consultants, der laut Spies in Architekturen denken und dies den Kunden auch vermitteln kann: "Der Umstieg ist extrem schwierig." Es reiche in der SOA-Welt nicht mehr aus, lediglich Programme zu verkaufen oder zu implementieren: "Die Berater müssen über die einzelnen Applikationen hinausgehen und das gesamte Umfeld des Kunden erfassen", rät der Experton-Analyst. Ein übergreifendes Verständnis für die "Business Pain Points" fordert auch die PAC-Analystin Solem von Dienstleistern - sie sollten wissen, wo den Kunden der Schuh drückt.

Business vs. IT

Klassische Unternehmensberatungen werden sich zusätzliche IT-Kompetenzen aneignen, IT-Spezialisten werden lernen, dem Charme der Business-Prozesse zu erliegen. Spies zufolge müssen Dienstleister "ihre Ansprechpartner in der IT mit Argumenten versorgen, damit diese wiederum ihren Ansprechpartnern im Fachbereich den Vorteil der Architektur verkaufen können". Aufgrund dieses Zusammenspiels steige die Notwendigkeit zur Kommunikation nicht nur auf der technischen Ebene, sondern auch von Mensch zu Mensch - unternehmensintern sowie mit Beratern. "Und nur so wird die Lücke zwischen Business und IT geschlossen."

Im klassischen "People Business" der Dienstleistungen geht es künftig wieder verstärkt um die Qualifikationen der Mitarbeiter. Verständnis für Prozessabläufe, technische Lösungen und die geschäftlichen Anforderungen in verschiedenen Branchen machen ein neues Beratermodell notwendig. "Für IT-Dienstleister wird es eine Herausforderung sein, Mitarbeiter mit diesem Profil zu finden", warnt PAC-Analystin Solem. Dies gilt für Consultants beziehungsweise Integrationsspezialisten ebenso wie für Vertriebler. Der Schlüssel für den Erfolg des Unternehmens liegt in der Fähigkeit der Mitarbeiter, sowohl die technische als auch die geschäftliche Sprache zu sprechen.

Branchenwissen gefragt

Diese Entwicklung spielt nicht zwangsläufig nur den Riesen der IT-Dienstleistungsbranche in die Hände, die stets von sich behaupten, überall auf der Welt jederzeit alle Herausforderun-gen zu meistern. IDS-Scheer-Manager Jörns geht davon aus, dass "Nischenberatungen, die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben, in einem Segment alle Anforderungen abdecken können". Auch PAC-Analystin Solem prognosti- ziert, "dass branchenspezifische Dienstleister von der SOA profitieren werden".

Fraglos nimmt durch SOA das Gewicht der geschäftlichen Anforderungen zu. Damit rücken automatisch Business-Prozesse in den Mittelpunkt: "Früher wurde der Funktionsumfang von Programmen verglichen - künftig vergleicht man die Features von Prozessen", sagt IDS-Scheer-Manager Jörns. Experton-Analyst Spies sieht das ähnlich: "Wenn Sie etwa SAPs ‘Integration-Server’ direkt durch ein Tool zur Prozesssteuerung beeinflussen können, ist die Industrie einen großen Schritt nach vorn gegangen." Dieses Bindeglied zwischen Business und IT habe bislang gefehlt, so Spies.

Aus Services werden Produkte

Was IT-Dienstleistern nützen könnte, wäre eine Renaissance des Best-of-Breed-Gedankens. Von IDS Scheer beispielsweise als "State of the art" bezeichnete Software-Services sollen sich künftig relativ einfach in die Architektur eines Plattformanbieters einklinken lassen - auch wenn Analyst Spies diese Fähigkeit noch als "Teil der Vision" bezeichnet. Haben Systemintegratoren jedoch mehrere Male erfolgreich einen selbst entwickelten Geschäftsprozess implementiert, kann daraus schnell ein Produkt entstehen.

Dieser Schritt eröffnet den Dienstleistern laut Spies "gute Chancen, die strikte Trennung zwischen Produkthaus und Systemintegration zu überwinden". Mit dem nötigen Know-how im Produkt-Management und -Marketing ließen sich die eigenen Services leichter verkaufen. Für zumindest einen Konzern eröffne sich damit der "Weg zurück ins Applikationsgeschäft" - die IBM, für die Spies acht Jahre tätig war.