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08.08.2006

SOA-Durchbruch braucht Fertigsoftware

Mit Frank Gens, dem Senior Vice President Research von IDC sprach CW-Redakteur Christoph Witte über die Barrieren für eine flächendeckende Verbreitung von Service-orientierten Architekturen.

CW: IDC versucht den Anwenderunternehmen seit einiger Zeit das Thema Dynamic IT nahe zu bringen. In erster Linie dreht es sich dabei um die Flexibilisierung und Modularisierung der IT-Infrastruktur, der Information und der Applikationen. Wie kommen die Anwender mit der Umsetzung voran?

Die Buzzwords der nächsten zwei Jahre

Innovation: Ein ganz zentraler Begriff: Der CIO muss die Innovationen des Unternehmens sei es in Produkten, Geschäftsmodellen oder Prozessen, unterstützen und mit vorantreiben.

Dynamic IT Governance: Die Frage, wie ein CIO die IT-Ressourcen und die Business-Anforderungen zur Deckung bringt.

IT-Supply-Chain: Der CIO entscheidet, in welchen Bereichen die IT welche Fertigungstiefe aufweisen muss und was wohin ausgelagert werden kann.

IT as a Service: Welche Kapazitäten kann das Unternehmen extern on Demand einkaufen.

Trends im Endkundenmarkt: Der Markt für Endverbraucher hat für die Unternehmens-IT die Funktion einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Hier lesen Sie …

IDC European IT Forum 2006

Das 16. Europäische IT-Forum findet am 25. und 26. September in Paris statt.

Das diesjährige Forum dreht sich um die vernetzte Welt, die Implikationen der Globalisierung für die IT und um die Frage, warum Innovation die wichtigste Voraussetzung für künftiges Wachstum wird. Besucher des Forums erfahren außerdem etwas über:

• Die künftigen Konvergenzpfade und wie sie die Services in den Unternehmen verändern.

• Innovation - die Zukunft von Anwendungen und die Zukunft der Information.

• Kommende Technologien - welche brandneuen Technologien beeinflussen die Volkswirtschaften, das Geschäft und das Leben jedes Einzelnen.

Im letzten Jahr besuchten 800 CIOs und CTOs aus führenden europäischen Unternehmen das IDC IT-Forum. Mehr Informationen erhalten Sie unter: http:// www.idc.com/emea/itforum06.

GENS: Offen gestanden ziemlich langsam. Wir haben vor einiger Zeit Business-Verantwortliche und CIOs gefragt, ob sie den Aufbau einer dynamischen beziehungsweise Service-orientierten IT wichtig finden. 80 Prozent fanden ihn sehr wichtig, aber konkret bezogen auf ihr Unternehmen gaben plötzlich nur noch 24 Prozent der Flexibilisierung ihrer IT eine hohe Priorität.

CW: Was ist der Grund für diese große Lücke?

GENS: Die Anwender sind mehr denn je darauf angewiesen, dass Anbieter Innovationen wie Service-orientierte Architekturen so zuschneiden, dass sie leicht einzusetzen sind. Zum Beispiel zeigen die neuen modularen Programme von SAP, Microsoft und Oracle mehr oder weniger gute Ansätze für nach SOA-Kriterien entwickelte Applikationen. Der Durchdringungsgrad von SOAs wird deshalb erst dann steil ansteigen, wenn ihre Prinzipien in vorgefertigten Softwarepaketen oder -modulen berücksichtigt sind. Letztlich wird sich SOA als Standardsoftware durchsetzen - SOA out of the Box. Aber wir befinden uns da noch in einer frühen Phase.

CW: Heißt das auch, dass SOA den Status eines Architekturprinzips verliert und ganz konkret auf Produktebene eingesetzt wird?

GENS: Ja, die meisten Leute kaufen SOA nicht, weil es ein so schönes Prinzip ist, sondern weil die Software, die auf diesem Design basiert, echte Vorteile bringt: schnellere Implementierung, schnelle Veränderbarkeit, bessere Integration.

CW: Aber sie werden sich nicht großartig anstrengen, um eigene SOA-fähige Architekturen einzuführen und auf dieser Basis eigene Applikationen zu erarbeiten oder zu installieren?

GENS: Ich glaube, die Wirkung geht in zwei Richtungen: SOA bedeutet auch die Serviceorientierte Organisation von IT-Mitarbeitern, Ressourcen und Prozessgestaltung. Der CIO eines Unternehmens denkt im idealen SOA-Fall nicht mehr nur an klassische IT-Produkte, sondern an die Services und die Prozesse, die die IT unterstützt.

CW: SOA als Management-Konzept ist ein relativ neuer Gedanke zumindest hier in Deutschland: Übersetzt man den Architekturgedanken in SOA in anderen Ländern bereits auf die Management-Ebene?

GENS: Nicht mit der Bezeichnung SOA - obwohl es natürlich Sinn ergeben würde, wenn IT- und die Management-Seite an einem Strang zögen. Aber gute CIOs arbeiten schon seit zwei Jahrzehnten mit dem Servicegedanken im Hinterkopf. Nur haben sie es anders genannt: "Alignment von IT und Geschäft" oder "Wiederverwendbarkeit" oder "modulares Design". Gemeint waren ähnliche Dinge, nur das Label SOA gab es einfach noch nicht. Heute ist es auch deshalb möglich, Service-orientiert zu managen, weil die Produktwelt sich auf Internet-Standards geeinigt hat. Sie haben sich überall verbreitet, und die Industrie weiß, dass Produkte, die diesen Standards nicht entsprechen, keine Chance auf eine große Verbreitung haben. Doch es wird noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis sich SOA-Standards auf Produktebene durchgesetzt haben.

CW: Meinen Sie damit, dass solche Produkte ab 2011 an der Tagesordnung sind und flächendeckend eingesetzt werden?

GENS: Wenn eine Branche seit vier Jahren ein Thema propagiert und dann nur eine Durchsetzungsrate von etwa zehn Prozent vorweisen kann, braucht sie dringend einen neuen Ansatzpunkt. Software as a Service oder IT-Infrastruktur als Service wären solche Treiber. Der Gedanke, IT-Services im On-Demand-Verfahren online zu beziehen, könnte ebenfalls Treiber für die höhere Verbreitung von SOA sein. Das könnte die Barriere vor dem Thema SOA für die Anwender erheblich senken.

CW: Das würde aber eine stärkere Einkaufsorientierung der Anwender voraussetzen. Hierzulande gibt es noch nicht viele, die ihre Applikationen im On-Demand-Verfahren beziehen.

GENS: Ja, dazu müssten sich die IT-Abteilungen der Anwender anders aufstellen. Sie müssen ihre Lieferanten genauer steuern, sie benötigen großes Einkaufs-Know-how und anderes.

CW: Noch herrscht allerdings einige Skepsis bezüglich dedizierter Sourcing-Strategien. Die CIOs denken zwar darüber nach, Randbereiche auszulagern und Services von außen zu beziehen, aber die Kernprozesse ihrer Unternehmen unterstützen sie lieber selbst.

GENS: CIOs lagern schon lange nicht mehr nur Randbereiche aus. Sie gehen auch an die Kernprozesse heran. Das ist eine Frage des Motivs. Es wird auch die Unterstützung eines Kernprozesses ausgelagert, wenn die IT entscheidet, sich auf andere Innovationsbereiche zu konzentrieren. Sie können heute nicht mehr einfach festlegen, ich lagere die Randbereiche aus und mache die Kernsachen selbst. Da muss man tiefer einsteigen, die Schnitte individueller setzen. Und meiner Ansicht nach wird das Online-Delivery-Modell nicht so sehr von großen Unternehmen unterstützt, sondern eher von den kleineren und mittleren. Denen hilft es auch mehr, weil sie ohnehin kleinere Mannschaften in der IT haben, die sich auf mehrere Dinge konzentrieren und sich trotzdem schnell bewegen müssen. Außerdem scheint es für die großen Hersteller auch das einzige Modell zu sein, das wirtschaftlich Sinn ergibt.

CW: In wie vielen Jahren wird Online-Delivery von Software an der Tagesordnung sein?

GENS: Das ist schwer zu sagen. Es hängt stark davon ab, wie die Hersteller mit dem Thema umgehen und wie aggressiv sie solche Modelle verfolgen. Aber nehmen Sie als Beispiel die Ankündigung von Microsoft, sein Dynamics CRM als Software as a Service anzubieten. Wenn solche Angebote zunehmen und der Nutzen für den Anwender klar wird, dann können mittelständische Unternehmen diese Modelle recht schnell annehmen.

CW: Haben sich die Hersteller so aufgestellt, dass sie SOA-Applikationen im SaaS-Verfahren Mittelständlern anbieten können?

GENS: SAP beispielsweise setzt in ihren Produkten stark auf SOA, aber sie haben noch keinen SaaS-Service für mittelständische Unternehmen. Zurzeit zielt ihr CRM on Demand nur auf Großkunden. Aber für die Anbieter ist es sehr wichtig, sich wirklich auf den mittelständischen Markt einzulassen. Ich bin davon überzeugt, dass viele Innovationen im Bereich der Enterprise IT aus Offerten für kleinere und mittlere Unternehmen entstehen werden. Zusammen mit einem Online-Delivery-Modell würde das den schnellsten Weg darstellen, innovative Lösungen in den Unternehmensmarkt zu transportieren.

CW: Sehen Sie den Trend, dass Technologie immer öfter von den Anbietern und Dienstleistern gemanagt wird und Services stärker von den Anwendern selbst?

GENS: Ja. Weil es für Anwender extrem schwer ist, beides gleichzeitig zu erledigen. Deshalb entscheiden sich viele dafür, die Technologie auszulagern und sich auf die Services zu konzentrieren.