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27.02.2006

SOA-Durchbruch lässt auf sich warten

Laut einer repräsentativen Anwenderumfrage ist Interesse vorhanden, doch Projekte sind Mangelware.
Immer noch lässt das Thema Service-orientierte Architekturen mehr als ein Viertel der deutschen Unternehmen kalt.
Immer noch lässt das Thema Service-orientierte Architekturen mehr als ein Viertel der deutschen Unternehmen kalt.

Mehr als zwölf Prozent der deutschen Unternehmen halten ihre bestehende IT-Infrastruktur für sehr anpassungsfähig: Sie bewerten sie auf einer Skala von 1 (extrem unflexibel) bis 10 (extrem flexibel) mit 9 oder 10. Der Durchschnittswert liegt allerdings nur bei 6, was auf Verbesserungspotenzial hinweist. Dies ist eines der Ergebnisse, die eine im Auftrag der computerwoche vorgenommene Studie zu Tage förderte. Thema der zu großen Teilen repräsentativen Umfrage (siehe Kasten "Methode und Grundgesamtheit") war die Bedeutung, die Unternehmen aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland den Service-orientierten Architekturen (SOA) beimessen.

Methode und Grundgesamtheit

• Die Umfrage datiert vom Januar 2006.

• Der repräsentative Teil basiert auf "Computer-aided Telephone Interviews" (Cati).

• Zielpersonen waren IT-Entscheider auf höchstem Management-Level.

• Zur Auswertung kamen Telefon-Interviews mit 120 deutschen Partnern sowie mit je 30 Unternehmen aus Österreich, den Niederlanden und der Schweiz sowie 31 aus Belgien.

• Zusätzlich standen 81 ausgefüllte Online-Fragebögen von COMPUTERWOCHE-Newsletter-Abonnenten aus Deutschland zur Verfügung (nicht repräsentativ).

• Entwickelt und umgesetzt wurde die Studie von der Aris Umfrageforschung GmbH, Hamburg.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

571613: SOA zwischen Mythos und Realität;

572394: Wie sich SOA-Projekte rechnen;

572085: SOA fordert Berater neu;

567938: "Die SOA-Vision liegt in weiter Ferne";

565692: SOA-Risiken werden gern verschwiegen.

Jedes zweite der rund 200 deutschen Unternehmen ist mit der Anpassungfähigkeit seiner IT-Umgebung augenscheinlich noch nicht ganz zufrieden. Immerhin 54 Prozent unternehmen eigenen Angaben zufolge derzeit Anstrengungen, ihre Applikationsinfrastruktur auf eine größere Flexibilität der Geschäftsprozesse auszurichten. Dieser Wert spiegelt wider, dass eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent der folgenden Aussage weitestgehend zustimmt: "Ein Unternehmen braucht anpassungsfähige IT-Anwendungslandschaften, um jederzeit und schnellstmöglich seine Geschäftsprozesse verbessern und an neue Wettbewerbsbedingungen anpassen zu können."

Von den deutschen Unternehmen, die sich um höhere Flexibilität bemühen, arbeiten die meisten (rund 74 Prozent) an einer Verzahnung ihrer Prozesse; die Integration der Daten und der Benutzerinteraktion folgen auf den Plätzen. Trotzdem zeichnet in sieben von zehn Fällen die IT-Abteilung beziehungsweise deren Chef für die Umsetzung der Vorhaben verantwortlich.

Niedriger Informationsstand

Die Rolle, die eine Service-orientierte Architektur bei der Flexibilisierung der IT-Umgebung spielt, wird offenbar nicht überall gleich hoch eingeschätzt. Nur etwa ein Drittel der IT-Entscheider aus Deutschland räumen der SOA eine hohe oder sogar sehr hohe "Priorität" für die IT-Infrastruktur ihres Unternehmens ein. Hier gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Antworten aus dem repräsentativen, auf Telefongesprächen basierenden Teil der Studie (120 Fälle aus Deutschland) und denen der online kontaktierten computerwoche -Newsletter-Abonnenten (81 ausgefüllte Fragebögen): 47 Prozent der Online-Teilnehmer, aber nur 26 Prozent der telefonisch Interviewten nehmen die SOA wichtig bis sehr wichtig.

Nahezu gleich groß (28 beziehungsweise 26 Prozent) ist der Prozentsatz derjenigen, die der SOA eine geringe bis sehr geringe Bedeutung beimessen. Dieser Mangel an Zuspruch liegt möglicherweise am niedrigen Informationsstand: Mehr als zwei Fünftel der Befragten bekannten sich dazu, mit dem Thema nicht sehr oder überhaupt nicht vertraut zu sein.

Ob die Unternehmen, die mehr Flexibilität möchten, alle bei einer SOA fündig werden, ist zumindest fraglich. Auf die Frage, in welcher Phase der Umsetzung sie sich derzeit befänden, antworteten viele (47 Prozent der Telefongesprächs-Partner und 36 Prozent der online Befragten), sie seien noch mit der Evaluierung beschäftigt.

Die übrigen 53 beziehungsweise 64 Prozent verteilen sich unterschiedlich - je nach Teilnehmergruppe: Die Projekte der Newsletter-Abonnenten befinden sich zu 40 Prozent in den Phasen Realisierung, Pilotinstallation oder Rollout. Damit sind sie insgesamt weiter vorangeschritten als die Vorhaben der ausgewählten IT-Entscheider, die sich zu einem Telefoninterview bereit erklärt hatten; dort beträgt der Vergleichswert nur 23 Prozent. Mit der Inbetriebnahme der SOA hat jedoch hüben wie drüben erst ein winziger Teil der Unternehmen begonnen, genauer gesagt: sieben beziehungsweise neun Prozent der betreffenden Organisationen.

Die Gründe dafür …

Unterschiede zwischen Online- und Telefon-Teilnehmern zeigten sich auch bei der Frage, ob im Unternehmen die Position eines "IT-Architekten" existiere. 60 Prozent der berücksichtigten Newsletter-Abonnenten, denen es erklärtermaßen um mehr Flexibilität zu tun ist, haben eine solche Stelle oder zumindest eine vergleichbare Position geschaffen. Von den telefonischen Gesprächspartnern wollte das nur ein Drittel bestätigen. 66 Prozent hingegen sagten klipp und klar, dass es eine solche Position in ihrem Unternehmen nicht gebe.

Nach den möglichen Motiven für die Implementierung einer SOA befragt, nannten fast zwei Drittel der auf mehr Flexibilität bedachten deutschen Unternehmen (Telefon- und Online-Teilnehmer zusammengefasst) die leichtere Anpassbarkeit der IT an die Geschäftsprozesse sowie deren Adaption an Markt- und Strategieänderungen. Ungefähr die Hälfte erhofft sich eine höhere Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens. Mehr Transparenz in den Geschäftsprozessen erwarten 44 Prozent, eine bessere IT-Unterstützung für die Geschäftsprozesse rund 42 Prozent der Studienteilnehmer. Mit der SOA-Implementierung einher geht für 41 Prozent eine engere Verzahnung von Business und IT. 39 Prozent verbinden damit das Anliegen, leichter mit ihren Geschäftspartnern zusammenarbeiten zu können (Stichwort Collaboration).

… und der Einwand dagegen

Was aber spricht eigentlich gegen die Einführung einer Service-orientierten Architektur? Diese Frage sollten die Unternehmen beantworten, denen die erreichte Flexibilität genügt oder die derzeit andere Prioritäten setzen. 37 Prozent der betreffenden deutschen Unternehmen antworteten, sie könnten kurz- und mittelfristig keinen Nutzen (im Sinne eines Return on Investment) erkennen. Fehlende Erfahrung, ein zu geringes Budget oder der Mangel an ausgebildetem Personal wurden weit weniger häufig genannt.

Dabei bleiben die auf eine SOA entfallenden Budgetanteile bislang durchaus im Rahmen. 57 Prozent der deutschen Unternehmen, die überhaupt Geld für die Flexibilisierung ihrer IT ausgeben, investieren weniger als zehn Prozent ihres IT-Haushalts in die Serviceorientierung. Weiteren 24 Prozent ist dieses Thema zwischen zehn und 20 Prozent ihrer IT-Budgets wert.

Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die Ergebnisse aus Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden kaum von denen aus Deutschland. Und wegen der geringen Fall- zahlen (jeweils etwa 30 Interviews aus jedem nichtdeutschen Land) sind definitive Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Das vorausgeschickt, erlauben die Studienergebnisse immerhin den Verdacht auf eine geringfügig bessere SOA-Akzeptanz in den Niederlanden. Die dortigen Unternehmen räumen der Serviceorientierung nicht nur die höchste Priorität ein, sondern sind auch am schnellsten in der Umsetzung.