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13.11.2006

SOA-Entwickler: Technik reicht nicht

Elmar Borgmeier 
Wird es in Zukunft "normale" Entwickler und speziell ausgebildete SOA-Experten geben? Jenseits des SOA-Hypes scheint eines gewiss: Der technikverliebte "Nerd" ist ein Auslaufmodell.
Basis: 201; Quelle: IDG 
Immer noch lässt das Thema Service-orientierte Architekturen (SOA) mehr als ein Viertel der deutschen Unternehmen kalt.
Basis: 201; Quelle: IDG Immer noch lässt das Thema Service-orientierte Architekturen (SOA) mehr als ein Viertel der deutschen Unternehmen kalt.

Service-orientierte Architekturen sind quer durch alle Branchen IT-Thema Nummer eins. Dies legt die Frage nahe, welche Auswirkungen SOA auf das Berufsbild des Entwicklers hat und ob der SOA-Spezialist eine spezielle Kategorie IT-Experte sein wird. Um darauf eine Antwort zu finden, sollte man sich eines klarmachen: Die Einführung von SOA erfolgt schrittweise und wird früher oder später alle Bereiche der IT erfassen. Für den Entwickler bedeutet das: Es besteht weniger Bedarf an zusätzlichen ausgewiesenen SOA-Experten als vielmehr an Entwicklern, die sich dem mit SOA einhergehenden Wandel ihres Berufsbildes stellen und das Thema aktiv vorantreiben müssen.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

583030: SOA beim Bekleidungshaus Wöhrl;

582704: SOA-Trends.

www.computerwoche.de/ soa-expertenrat/

Hier lesen Sie …

Das Thema SOA verbindet zwei Trends, die das Berufsbild des Entwicklers verändert haben: Einerseits geht die Tendenz zu mehr fachlichem Denken und Mitgestalten der Lösungsdefinition von Seiten der Entwickler. Andererseits gewinnen Integrationslösungen zunehmend an Bedeutung: Durch die Verbindung vorhandener Systeme lässt sich schneller ein Nutzen erzielen als durch Neuentwicklungen. Mit SOA steht dabei die Integration entlang der Prozessketten im Vordergrund.

"Klassische" Entwickler neigen jedoch dazu, sich als reine Techniker zu sehen. Meist favorisieren sie eine Technologieplattform und haben am liebsten ein fertiges Pflichtenheft, das sie in ihrer Lieblingstechnologie umsetzen. Wer so weiterarbeiten will, sollte schon mal einen Umzug nach Osteuropa oder Indien planen. Denn dorthin wandern über kurz oder lang die Programmieraufgaben, die streng arbeitsteilig bearbeitet werden können - ohne intensiven Kontakt zwischen Entwicklern und Fachabteilungen.

Entwickler als Innovator

IT-Spezialisten von morgen müssen in größeren Zusammenhängen denken, sich mit den Anwendern austauschen und neue Lösungen vorschlagen. Dazu ein Beispiel: Nach wie vor finden tägliche Datenabgleiche zwischen Systemen statt. Dies führt zu einem hohen Datentransfervolumen und birgt das Risiko in sich, dass die tagesaktuellen Änderungen verloren gehen. Hier sollten Entwickler Verbesserungspotenziale finden, um die Fachprozesse stabiler zu gestalten und Dateninkonsistenzen zu vermindern. Denn mit den neuen Möglichkeiten zur Integration kann eine Anwendung durchaus auf einen Service der anderen Anwendung zugreifen und direkt deren Daten nutzen.

"Techtalk" vermeiden

"SOA-kompatible" Entwickler müssen lernen, dass es auch Menschen gibt, die keinen "Techtalk" verstehen. Auch sind die Zeiten des passiven: "Man wird mir schon sagen, was ich zu tun habe" vorbei. Eine berufliche Perspektive hat nur der Entwickler, der den Fachabteilungen Lösungen vorschlägt. Im besten Fall sollte der Entwickler auch wissen, wie der Endanwender arbeitet und was er genau braucht.

Mit SOA wird der methodische Anspruch noch höher, das heißt: IT-Experten von morgen müssen Methoden zum Erkennen und Definieren von Services ebenso beherrschen wie die Betrachtung von Prozessen über mehrere beteiligte Systeme hinweg. Auch ist die Komposition neuer Prozessintegrationen gefragt - aus den bestehenden Anwendungen und zunehmend aus bereits vorhandenen Services.

Mehrere Abteilungen im Blick

Abgesehen davon müssen Projektmitarbeiter aus der IT heute mit mehreren Abteilungen umgehen und die genauen Funktionen teilweise aus den vorhandenen Systemen extrahieren. In Zukunft werden Geschäftsprozessanalyse und das angemessene Zuschneiden von Services Bestandteile der "normalen" Fachkonzeption.

Auf der technischen Seite steht mit SOA die Integration über Plattformgrenzen hinweg im Mittelpunkt. Diese Grenzen bestanden schon in der Vergangenheit oft weniger in technologischen Barrieren als im Lagerdenken der Entwickler: Host- und SAP-, Java- und Microsoft-Programmierer grenzten sich lieber gegeneinander ab, als Brücken zu schlagen. Im SOA-Zeitalter ist jedoch für die Verliebtheit in die jeweils favorisierte Technik kein Platz mehr. SOA macht es durch Standardisierung einfacher, die Technologien zu verbinden, fordert aber auch IT-Profis heraus, mentale Barrieren zwischen den Programmierergruppen abzubauen. Um den üblichen "Das-geht-nicht"-Abwehrmechanismus zu überwinden, ist freilich die fundierte Kenntnis der verschiedenen Technologien und ihrer Möglichkeiten notwendig.

Im Klartext heißt das, dass Softwareentwickler, was ihr IT-Know-how anbelangt, in Zukunft neben ihrer Spezialkompetenz in jedem Fall auch Kenntnisse in den übergreifenden SOA-Themen zur Integration besitzen müssen. Überzeugungs- und Durchsetzungsfähigkeit sind aber mindestens ebenso wichtig wie hervorragendes Technologiewissen, denn Prozessintegration erfordert vielfältige Abstimmung - mit Fachabteilungen ebenso wie mit anderen Abteilungen in der IT.

Guter Begriff, aber …

Softwareentwickler müssen in Zukunft mehr vorweisen können als tiefe Kenntnisse in ihrer Lieblingstechnologie. Auch ohne SOA sind Integration und Nähe zur Fachlichkeit wichtige Kompetenzen, über die ein Entwickler verfügen sollte. "SOA-Experte" ist aber ein guter Begriff, um die Bedeutung dieser aktuellen Entwicklung zusammenzufassen. Keinesfalls darf man ihn rein technisch auf einen Experten für Process-Engines und Enterprise-Service-Bus verkürzen. Wer also als Entwickler Einsatz und Nutzung von SOA im Unternehmen unterstützt und sich rechtzeitig entsprechend positioniert, wird auch längerfristig interessante Aufgaben in der IT finden. (hk)