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30.01.2007

SOA - für Anwender ein Papiertiger

Während die Hersteller Milliarden in SOA-Angebote investieren, halten sich deutsche Unternehmen mit Projekten vornehm zurück. Diesen Eindruck vermittelte die CW-Fachkonferenz "SOA-Initiative 2007".

SOA gilt als Synonym fürs Moderne, aber auch Unbeherrschbare", erklärte Rüdiger Spies von der Experton Group zum Auftakt der Veranstaltung in Frankfurt am Main. Angesichts der immensen Marketing-Anstrengungen der Hersteller seien viele Vorstände verunsichert; das immer noch stark technisch geprägte SOA-Vokabular wirke eher beängstigend und erwecke nicht selten den Eindruck, dass damit alles nur noch komplizierter werde.

Hier lesen Sie ...

• wie weit deutsche Unternehmen in Sachen SOA sind;

• wo die größten Hemmnisse für SOA-Vorhaben liegen;

• warum die großen Soft- warehersteller in SOA investieren.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

586822: Reality Check entzaubert SOA- Versprechen;

580563: SOA hat in Deutschland Seltenheitswert;

586627: Anwender vernachlässigen SOA-Governance;

586760: Deutsche Post gründet SOA-Beratung aus;

583382: IBM eröffnet SOA-Zentren in China und Indien.

http://www.computerwoche. de/soa-expertenrat

Vision und Wirklichkeit

In seiner Eröffnungsrede machte Spies deutlich, wie weit die Visionen der IT-Anbieter noch von der Wirklichkeit entfernt sind. Er verwies unter anderem auf eine Umfrage der Experton Group unter deutschen Unternehmen, derzufolge echte SOA-Projekte noch die Ausnahme sind. Lediglich fünf Prozent der Befragten arbeiteten mit einer SOA, zwei Prozent haben ein Pilotprojekt aufgesetzt. Etlichen IT- oder Business-Verantwortlichen fehle schlicht das nötige Fachwissen, lautete ein weiteres Ergebnis. Dieser Eindruck bestätigte sich in einer stichprobenartigen Befragung unter den Konferenzteilnehmern. Kaum einer berichtete von laufenden SOA-Initiativen; stattdessen gaben etliche Besucher an, sich erst einmal grundsätzlich über das Thema informieren zu wollen.

Die größten Hürden auf dem Weg zur SOA sehen Unternehmen unter anderem im hohen organisatorischen Aufwand zwischen IT- und Fachabteilungen. Auch fehle es an allgemein akzeptierten Einführungs- und Umsetzungsmethoden. Vor allem die Aktiven unter den SOA-Interessierten vermissen Werkzeuge zur Bestimmung des Return on Investment (RoI). Glaube man den Versprechen der Hersteller, stelle der RoI "kein Problem" dar, monierte Spies, der auch Mitglied im SOA-Expertenrat der computerwoche ist. In der Praxis seien verlässliche Zahlen "extrem schwer" zu ermitteln und von vielen Parametern abhängig. Einschlägige RoI-Messungen sind nach seiner Einschätzung nur selten vergleichbar. Vor den diversen SOA-Definitionen der Hersteller jedenfalls sei zu warnen. Ein unabhängiges Reifegradmodell habe sich bislang nicht etabliert.

Unreife Standards

Eine kritische Bestandsaufnahme lieferte auch Wolfgang Beinhauer vom Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft und Organisation aus Stuttgart. Die benötigten Softwareservices zu erstellen und zu betreiben, sei aufwändig: "Die effiziente Gestaltung von Services im Hinblick auf spätere Änderungen der Einsatzzwecke ist weitgehend unerprobt." Hinzu komme das Problem der diversen Web-Services-Standards, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden: "Einige sind bisher nur Ideen." Für die Unternehmen stelle dies ein Problem dar, denn "der Reifegrad bestimmt die Investitionssicherheit". Dass mit SOA nicht alles einfacher werde, zeige sich schon daran, dass etwa mit dem Enterprise Service Bus (ESB) eine neue Infrastrukturkomponente angeschafft werden müsse. Steht die Architektur, benötigten Anwender ferner ein Governance-Werkzeug, "um Probleme zu lösen, die sie ohne SOA nicht gehabt hätten."

Die Motive der Hersteller

Trotz dieser Hindernisse nehmen die Hersteller "riesige Investitionen" in SOA-Angebote vor, wie Spies ausführte. Oft genug werde dabei alter Wein in neuen Schläuchen angepriesen. "Viele verpacken einfach vorhandene Produkte neu und nennen sie SOA." Dabei unterschieden sich die Motive für die milliar- denschweren Ausgaben erheblich. Für IBM beispielsweise löse SOA das Thema E-Business als Unternehmensintegrator ab: "SOA ist das große Gummiband, das das Unternehmen zusammenhält." Der Analyst gab sich ferner überzeugt, dass Big Blue damit einen weiteren Schritt in Richtung Applikationsgeschäft tue, trotz der gebetsmühlenhaften Dementis des Managements. Anwendungen werde künftig nicht nur IBMs Software Group liefern, sondern vermehrt auch die Dienstleistungssparte. Ähnlich wie Accenture und andere Konkurrenten arbeitet IBM Global Services (IGS) fieberhaft an branchenspezifischen SOA-Paketen.

SAP hingegen sehe in SOA einen willkommenen Trend, um alte Softwarestrukturen aufzubrechen. "R/3 ist nicht mehr beherrschbar", provozierte Spies die anwesenden SAP-Vertreter. Ähnliches gelte für Microsofts Windows-Betriebssystem. Für den weltgrößten Softwarehersteller sei SOA zudem wichtig, um die Glaubwürdigkeit als Technologieanbieter zu sichern. Oracles zentrales Motiv laute demgegenüber schlicht: "So badly needed". SOA bilde eine unabdingbare Voraussetzung zur Integration der "zusammengekauften Komponenten".

SOA als Business-Thema?

In den Herstellervorträgen konnten sich die knapp 200 Fachbesucher von den potenziellen strategischen Vorteilen einer SOA überzeugen. Rolf Schumann, Chief Technology Officer der SAP für die Region Emea Central, wandte sich in diesem Kontext gegen eine techniklastige Betrachtung: "SOA ist ein Business-Thema." Am Ende wolle das Management Ergebnisse in Form von Geschäftskennzahlen sehen. SAP richte sein Augenmerk deshalb auf Enterprise Services, die wiederum aus den Geschäftsprozessen abgeleitet sind. Ins gleiche Horn stieß Wolfram Jost, Vorstand der IDS Scheer AG. Der RoI einer Service-orientierten Architektur lasse sich nur in Geschäftsprozessen messen: "SOA beginnt und endet bei den Prozessen."

Bottom-up statt Top-down

Dass die Realität oft anders aussieht, verdeutlichte Matilda Anello, verantwortlich für die Anwendungsentwicklung der Credit Suisse. Die vielfältigen SOA-Vorhaben der Schweizer Großbank stieß stets die IT an, nicht etwa das Topmanagement, berichtete die Managerin. Bereits im Jahr 1998 begann das Projekt Credit Suisse Information Bus (CSIB), das nach heutigen Maßstäben durchaus als SOA-Projekt gelten kann. Im Rahmen des Vorhabens brach das IT-Team Kernanwendungen in Komponenten auf. Der Information Bus dient, ähnlich wie der Enterprise Service Bus (ESB) gängiger SOA-Modelle, als Kommunikationsinfrastruktur.

Dieses Projekt war rein technisch getrieben, so Anello. Obwohl es zu Kosteneinsparungen führte, profitierten die Geschäftsprozesse dadurch zunächst in keiner Weise. Andere SOA-relevante Projekte wie die Vereinheitlichung der Frontend-Systeme mit Hilfe von Web-Services brachten hier durchaus positive Veränderungen. Unterm Strich sei entscheidend, Business-Verantwortlichen den Nutzen in einer verständlichen Sprache aufzuzeigen. Anello: "Das Wort SOA würde ich gegenüber dem Topmanagement nie in den Mund nehmen."