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27.10.2006

SOA überfordert die Service-Provider

Um vom SOA-Trend zu profitieren, müssten die IT-Dienstleister vor allem Business-Beratung bieten.
Der Anteil der SOA-Projekte liegt derzeit bei 14 Prozent. Aber nur bei einem Prozent handelt es sich um reine SOA-Vorhaben.
Der Anteil der SOA-Projekte liegt derzeit bei 14 Prozent. Aber nur bei einem Prozent handelt es sich um reine SOA-Vorhaben.

Die Service-orientierte Architektur (SOA) ist in aller Munde. Die Systemintegratoren versprechen sich von den höherwertigen Services und Beratungsleistungen, die damit einhergehen, ein Riesengeschäft. Den Marktforschern von IDC zufolge werden die Anwender in diesem Jahr weltweit 8,6 Milliarden Dollar in externe IT-Dienstleistungen für SOA-Projekte investieren. Bis 2010 sollen diese Ausgaben auf 33,8 Milliarden Dollar ansteigen.

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Was IT-Dienstleister bieten sollten

• Beratung zur Frage, was SOA überhaupt ist und ob es konkretes Potenzial für den Anwender bietet;

• branchenspezifische, prozessorienterte Beratung für die schrittweise Konzeption und Umsetzung;

• Beratung hinsichtlich von Wirtschaftlichkeit und Change-Management;

• Beratung in Bezug auf die IT-Organisation, die IT-Prozesse und die IT-Governance;

• Unterstützung bei der konkreten Ausgestaltung einer SOA (Serviceportfolio, Servicemodellierung und eingesetzte Techniken);

• Definition nichtfunktionaler SOA-Anforderungen (Antwort- zeiten, Verfügbarkeit);

• Unterstützung bei der Umsetzung bis hin zur konkreten Entwicklung von Services. Quelle: sd&m

Gute Chancen für IT-Dienstleister

"SOA wird einen enormen Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Anwender haben - speziell im Endstadium der Implementierung, wenn es darum geht, sie zum Standard für die Entwicklung von Services und integrierten Systemen zu machen", frohlockt David Nichols, SOA-Experte bei Accenture. Bei solchen Prognosen ist es kaum verwunderlich, dass das Unternehmen in den nächsten drei Jahren rund 450 Millionen Dollar in die Entwicklung von SOA-Produkten und -Services investieren will.

Accentures Investitionen sind angemessen, zumal der wichtigste Wettbewerber nach Einschätzung von Branchenkennern in diesem Markt die Nase vorn hat: "IBM hat als erster auf SOA reagiert und weiß mittlerweile genau, wie die Architektur funktioniert", meint etwa Rüdiger Spies, Executive Advisor bei der Experton Group. "SOA hat das Thema E-Business ersetzt und bildet das verbindende Element für alle Unternehmensbereiche. Jedes IBM-Angebot enthält heute eine SOA-Message." Zudem habe der Konzern das Thema Architektur immer hardwareseitig betont und sei in alle relevanten Bereiche involviert - etwa Standardisierung und Open Source.

Ein weiteres Erfolgsrezept von IBM sieht Spies in dem Ansatz, die Serviceangebote im SOA-Bereich produktartig zu vermarkten - mit klar abgegrenzten Eigenschaften, ähnlich wie bei einer Versicherung. Damit versuche der Konzern, die im Softwaregeschäft üblichen Renditen auch im Servicebereich zu erzielen. "Solche Ansätze gab es immer wieder, aber IBM hat die Produktorientierung konsequent verfolgt, um die Services besser verkaufen zu können", so Spies.

In Deutschland kommen solche Angebote allerdings noch nicht sonderlich gut an. Der Münchner Beratungfirma PAC (Pierre Audoin Consultants) zufolge entfiel im vergangenen Jahr nur ein Prozent der Umsätze aus dem Systemintegrationsgeschäft auf reine SOA-Vorhaben. 13 Prozent waren Teil- oder Pilotimplementierungen. Ein Grund dafür ist, dass hiesige Firmen bei der Inanspruchnahme externer IT-Services traditionell zurückhaltend sind und lieber auf bewährte Standards zurückgreifen. Innovative Unternehmen, die SOA schon früh getestet haben, sind hierzulande allerdings Mangelware. Dadurch dauert es, bis das Konzept als Basis für die Geschäftsstrategie akzeptiert wird, folgern die Experten.

Deutsche Firmen sind vorsichtig

"Die Deutschen neigen dazu, erst einmal genau zu analysieren und auszurechnen, ob und wie sich SOA für sie lohnt", bestätigt Jürgen Henn, der als Partner in der Unternehmensberatung IBM Global Business Services die SOA-Aktivitäten des Konzerns verantwortet. "Es gibt Firmen, die SOA nur im Kontext von einzelnen Projektsituationen und innerhalb der Projektlaufzeit betrachten. Oft falle es jedoch schwer, einen Businesscase zu rechtfertigen, weil sich viele SOA-Vorteile erst über den ganzen Lebenszyklus einer Lösung hinweg ergäben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die SOA-Diskussion bislang vor allem auf der technischen Ebene geführt wird. "Viele Kunden gehen das Thema zu wenig strategisch an", kritisiert Henn.

SOA ist ein Management-Thema

"Es mangelt am Bewusstsein, dass sich die Vorteile von SOA nur dann ausschöpfen lassen, wenn Geschäftsmodell und -prozesse selbst schon Service-orientiert aufgebaut sind und dabei ein klarer Bezug zwischen der Business- und der Anwendungsebene besteht - also nicht aus reiner IT-Sicht hier und da ein Web-Service eingeführt wird", so Henn. Das hieße aber, dass SOA nicht nur in der IT-Abteilung, sondern auch in den Fachabteilungen und vor allem in der Geschäftsleitung ankommen muss. Dies ist allerdings bislang nur selten der Fall. Die Experten von PAC sehen darin das größte Hindernis für eine breite SOA-Adoption: "Der Erfolg wird davon abhängen, wie sehr das Topmanagement dahintersteht."

Vor diesem Hintergrund ist Grundsatzberatung derzeit noch die wichtigste Aufgabe der IT-Dienstleister - noch bevor eine IT-Architektur auf SOA-Basis überhaupt in Angriff genommen oder dedizierte Applikationen entwickelt werden.

Laut PAC werden die Anwender in den nächsten zwei bis drei Jahren vorrangig in Consulting investieren, um entscheiden zu können, ob SOA sich für ihr Geschäftsmodell eignet. Die Business-Komponente ist dabei entscheidend, meint Tim Gugel von der Capgemini-Tochter sd&m: "Es geht nicht darum, ein Problem zu suchen, das sich durch SOA lösen lässt. Die Berater müssen vielmehr prüfen, ob die Chancen, die SOA bietet, zu den geschäftskritischen Herausforderungen des Kunden passen."

Wichtig ist die Business-Sicht

Genau davon aber sind die Systemintegratoren - mit Ausnahme von IBM - überfordert. Sie beschäftigen zwar Consultants, um die geschäftlichen Anforderungen des Kunden zu analysieren. Laut Spies ist das aber nur "ein Deckmantel, um hochpreisige Dienstleistungen mit wenigen Leuten an den Mann zu bringen - und dann doch Standard-Implementierung zu wählen". Um ihren Kunden eine SOA vorzuschlagen, müssten die Provider viel früher in der Wertschöpfungskette anfangen, nämlich schon bei der Business-Architektur. Dazu fehle ihnen aber das Know-how - speziell im Bereich Management-Beratung.

Was im SOA-Bereich derzeit gefragt ist, sind IT-Spezialisten mit fundiertem betriebswirtschaftlichem Know-how, die sich sowohl in Business- als auch in technischer Hinsicht mit dem Thema Service-Orientierung auseinandergesetzt haben. Solche Experten sind allerdings schwer zu finden, räumt Spies ein: "Die Anforderungen an Business-, Information- oder Prozess-Architects sind nicht trivial - solche Leute gibt es nicht von der Stange. Und sie sind teuer."

Um die Akzeptanz von SOA zu fördern und an der Beratung zu verdienen, bleibt den Providern jedoch nichts anderes übrig, als solche Ressourcen aufzubauen, auch weil ihr traditionelles Geschäft - die Implementierung von ERP-, CRM- und SCM-Anwendungen - mit der Umsetzung des SOA-Konzepts abnehmen wird, warnt Spies: "Zum einen fällt weniger reine Programmierarbeit an, weil die Lösungen flexibler werden und weniger Anpassungsbedarf erfordern." Ein Beispiel hierfür sei die Enterprise-Services-Architektur von SAP, die es ermögliche, SAP-Systeme über grafische Prozess-Design-Tools - etwa von IDS Scheer - zu konfigurieren. Zum anderen falle es angesichts der standardisierten Schnittstellen leichter, Zusatzmodule zu programmieren und diese Tätigkeiten nach Asien zu verlagern. Auch das werde die klassische Arbeit der Systemintegratoren teilweise überflüssig machen.

Damit ist SOA für die IT-Dienstleister nicht nur eine Chance, höherwertige Services zu verkaufen, sondern auch eine Bedrohung für ihr herkömmliches Geschäft. "Die Systemintegratoren hätten schon vor zwei Jahren anfangen müssen, die nötigen SOA-Kompetenzen aufzubauen", so Spies. Die Entwicklung eigener Produkte werde ihnen dabei nicht viel helfen: "Sie können keine Produkte verkaufen. Das haben sie immer wieder versucht, aber sie verstehen einfach zu wenig von Produkt-Management und -Marketing."