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04.10.2007

Social Software aus Deutschland

Um ihren Freunden nicht jedes Mal mitteilen zu müssen, wo sie sich gerade aufhalten, programmierten Stefan Kellner und Felix Petersen das System "Plazes", das dies automatisch anzeigt.

Ein System, das Orte mit Menschen verband? Das war neu. Eine gewöhnliche Landkarte oder ein GPS-System zeigt nur Ortsinformationen. Plazes fügte diesen Koordinaten erstmals Informationen über das persönliche soziale Umfeld von Menschen hinzu. Schnell wurde den beiden Erfindern die soziale Dimension ihrer Software bewusst. Denn es ließ sich nicht nur die eigene Position bestimmen, sondern auch noch die der Freunde. Und man erfuhr sogar, was sie dort gerade taten Plazes war geboren.

Gründer-Tipps

nStefan Kellner:

"Im Grunde musst du dir jeden Tag die Frage stellen, ob es das Richtige ist, was du tust. Den visionären Prozess und die Strategie kannst du niemals abschließen. Ich sehe uns hier als Erfinder, die nicht nur ein Geschäftsmodell entwickeln, sondern tatsächlich etwas Neues erfinden."

Felix Petersen:

"Ein Team, das sich mit dem Produkt identifiziert, ist die Grundvoraussetzung, um wirklich innovative Dinge zu machen. Am schwierigsten ist der Moment, in dem aus einem Zwei-Mann-Projekt eine Firma wird."

Steckbrief

Name: Plazes.

Firmensitz: Zürich, Berlin.

Geschäftsfeld: Plattform für geosoziale Navigation.

Umsatz: keine Angaben.

Mitarbeiter: 15.

Website: plazes.com.

Bei der Entwicklung der Geschäftsidee konnten die beiden Gründer auf einige Erfahrungen in den digitalen Medien setzen. Felix Petersen ist seit zehn Jahren im Bereich Internet und neue Medien tätig und beriet als Kreativdirektor zahlreiche Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Internet-Strategien. Stefan Kellner gehört seit Anfang der 90er Jahre zu den Internet-Aktivisten in Deutschland und entwickelte mit seiner ersten Firmengründung 1995 die ersten Websites und Communities.

Mit ihrem Know-how programmierten Petersen und Kellner neben dem Beruf in der Freizeit Plazes. Fast alles, was sie für den Web-Dienst brauchten, war neu. Und da sie nicht auf bestehende Modelle zurückgreifen konnten, war es wichtig, genau auf die Nutzer zu hören und zu schauen, wie etwas angenommen wird. Im Sommer 2005 ging Plazes online. Werbung gab es keine, stattdessen setzten die Gründer auf Weblogs und Mundpropaganda. Die Idee, Menschen, Orte und Veranstaltungen miteinander zu verbinden, kam an. Die Nutzer konnten über Plazes ihren Aufenthaltsort, ihre Aktivitäten und ihre Lieblingsorte anderen mitteilen. Ganz egal, wo sie waren, sie behielten alle wichtigen Plätze, Aktivitäten und Menschen im Auge und verpassten auf diese Weise keine Gelegenheit zu einem spontanen Treffen. Eine Idee, für die die zwei Betreiber im Silicon Valley prominente Finanziers fanden.

Im Januar 2006 gründeten Petersen und Kellner die Plazes AG. Förderer wie die Internet-Persönlichkeit Esther Dyson, der Netscape-Gründer Marc Andreessen und der WLAN-Pionier Martin Varsavsky haben sich 2006 als Business Angels an dem Unternehmen beteiligt. Sie sahen schnell das technologische Potenzial von Plazes und wollten vor allem, dass sich das Internet durch ihre Investitionen weiterentwickelt. 2007 hat zudem der Risikokapitalgeber Doughty Hanson Technology Ventures 2,7 Millionen Euro in Plazes investiert.

Inzwischen nutzen etwa 60 000 Menschen Plazes, darunter auch prominente Namen wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Love- Parade-Erfinder Dr. Motte und zumindest zeitweilig sogar der Regierende Bürgermeister von Berlin. Und Plazes wächst auch international: Mehr als die Hälfte der Nutzer kommt aus den USA.

Das Unternehmen mit Sitz in Zürich und Entwicklungsstandort in Berlin gehört heute zu den Vorzeigeprojekten des Web 2.0. 2006 wurde es mit einem Lead-Award in der Kategorie "Web-Leader des Jahres" ausgezeichnet. Jetzt arbeiten Petersen und Kellner daran, die hohen Erwartungen der Investoren zu erfüllen und Geld zu verdienen. Plazes ist bislang kostenlos, und so soll es auch bleiben. Der Plan: Lokal ausgerichtete Online-Werbung soll Geld in die Kassen bringen. Derzeit befinden sich die Gründer in Verhandlungen mit Werbevermarktern. Im kommenden Halbjahr beginnen erste Versuche. Schon 2008 will das junge Unternehmen operativ schwarze Zahlen schreiben.