Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.11.1982

Sofhfareentwicklung in Entwicklungsländern

Der von den Industrieländern zögernd aufgenommene Nord-Süd-Dialog braucht mehr privatiniierte Beiträge aus dem Bereich der Informationstechnologie, um nicht zu einem bürokratiefördernden Austausch von Antragen, Stellungnahmen, Gutachten und Ablehnungen zu verkommen. Warum also nur Stahl-, Textil-, Nahrungsmittel- und nicht auch Softwareproduktion in Entwicklungsländern?

Neokolonialismus?

Weder soll damit die anhaltende Softwarekrise exportiert werden, noch soll computergestützter Neokolonualismus gefördert werden. Vielmehr wäre auch dies soziale Marktwirtschaft, allerdings mit Erinnerungen an den Ökonomieklassiker Ricardo: Produktion am Ort kostenminimaler Ressourcen. Vor allem aber intelligente Entwicklungshilfe, da

- dringend benötigte Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern geschaffen werden,

- die Entwicklungsländer sich von den Industrieländern in einer der wichtigsten Zukunftstechnologien emanzipieren können (Vergleich hierzu der jüngste Report des Centre for Third World Economic and Social Studies (CEESTEM), in dem darauf hingewiesen wird, daß die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den Industrieländern sich heute nicht nur auf materielle Güter beschränkt, sondern auch Software-und Informationsproduktion zur Vertiefung dieser Abhängigkeiten beitragen),

- Exportmöglichkeiten (foreign exchange earners) für Entwicklungsländer geschaffen werden

- die Informationstechnik Schlüsselindustrie jeder weiteren Entwicklung ist und zur Überbrückung der sich sonst erweiternden Kluft zwischen Nord und Süd beitragen kann,

- eine lebensfähige Softwareindustrie auch ohne aufwendige Kapitalinvestitionen aufgebaut werden kann,

- software-engineering schneller erlernt werden kann als zum Beispiel mechanical engineering,

- keine produktionsbezogenen Umweltbelastungen entstehen,

- die Softwareproduktionskosten nur zirka ein Viertel bis ein Drittel des in Industrieländern üblichen Betrages ausmachen und damit ein Wettbewerbsvorteil für die Entwicklungsländer auf dem sich etablierenden Welt-Softwaremarkt entstehen könnte.

Schon ab 1971 haben verschiedene UN-Konferenzen unter starker Beteiligung von Experten aus den Entwicklungsländern entsprechende Empfehlungen ausgearbeitet

- "Education und training for the application of computers to accelerate the process of economic and social development must receive first priority".

- "International co-operation needs to be increased in activities relating to the application of computer technology to development" (UN-Report on the Application of Computer Technology for Development,

- "Policy should be formulated to encourage the growth of economically viable and competitive indigenous suppliers of services, software, and hardware".

- The contributions of international organisation... should consist of:... expediting the transfer of computer technology, especially in the form of software packages" (2nd UN-Report on the Application of Computer Technology for Development, 1973).

- "Governments, and particularly those of the developing countries, create and encourage national service and consultancy bodies as a means of developing and increasing their countries technical potential for software production, applications, optimal use of resources and vocational training".

- "Governments, particularly those of developing countries should adopt early measures... for setting up of projects for new uses of informatics, including the development of... software more suited to local conditions... (Intergovernmental Conference on Strategies and Policies for Informatics(SPIN), 1978).

Diese Empfehlungen sind inzwischen in einigen Entwicklungsländern, die sich schon auf dem sogenannten "operational state of computer developmentn befinden, zum Beispiel Indien, Brasilien, Mexiko, aufgegriffen und ansatzweise verwirklicht worden. So konnte sich zum Beispiel in Indien in den letzten Jahren eine leistungsfähige Softwareindustrie entwickeln, deren Produkte heute auch nach USA und Europa exportiert werden. Indien hat sich als erstes Entwicklungsland auf der Systems Æ81 in München beteiligt wo fünf Softwarehäuser auf einem Gemeinschaftsstand verschiedene Produkte vorstellen (vergleiche Computerwoche vom 16. Oktober 1981).

Auch in Ägypten, Süd-Korea, Thailand, Venezuela, also in Ländern, die sich nach einer UN-Klassifizierung "in transit from basic to operational state of computer development" befinden, werden zunehmend Softwarehäuser gegründet, die mitunter über besser ausgebildete Mitarbeiter verfügen, als dies in vielen europäischen Entwicklungsteams der Fall ist. Die Mehrzahl der in diesen Unternehmen tätigen Systemanalytiker und Programmierer hat ein natur-, wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftliches Studium- abgeschlossen und ist häufig bereits auf den Universitäten mit praxisnahen Computeranwendungen vertraut gemacht worden.

Freie Kapazitäten

Obgleich diese Beispiele zogen, daß man in einigen Ländern die sich aus der weiteren Verbreitung der Informationstechnik ergebenden Chancen bereits erkannt hat, ist es wahrscheinlich, daß die in der gesamten sogenannten dritten Welt vorhandenen Kapazitäten zur Softwareentwicklung nur unzureichend genutzt werden.

Dr. Dietrich Splettstoesser ist DAAD-Gastdozent am Institute of Computer Science, University Of Nairobi.