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09.11.1979

Sofortige Verfügbarkeit: Nur ein Werbeslogan der Broker?

Sofortige Verfügbarkeit wird zwar als Hauptargument der Broker gern in den Vordergrund der Kauf- und Leasingverhandlungen geschoben, weiß Hans Hagener, stellvertretender Geschäftsführer bei der Stuttgarter Broker-Firma Klaus Huebener GmbH, zu berichten. Aber dies sei häufig nur ein Zugpferd, das physisch in den meisten Fällen nicht existiere. "Hervorgerufen durch die derzeitige Lieferpolitik der Hardware-Hersteller entwickelte sich die Branche zu einem echten Wachstumsmarkt, auf dem allerdings", so Hagener, "Machenschaften existieren, die man einfach nicht hinnehmen kann".

"Planungskonzepte werden in vielen Betrieben leider nicht von EDV-Fachkräften entworfen, sondern in der Regel von Verwaltungsleuten erstellt", bedauert Franz Lamine, EDV-Leiter bei der Döhler GmbH & Co in Darmstadt. "Aus Unkenntnis unterschätzen diese meist den Speicheraufwand oder die Konfigurationsgröße. Dadurch entstehen dann Engpässe und man benötigt kurzfristig ein neues System." Der Broker sei hier oftmals die einzige Alternative.

Karl Heinz Schumacher, Geschäftsführer der Universal Handelsgesellschaft für Investitionsgüter mbH, Wiesbaden, sieht es ebenso. "Die Anwender kommen meist mit ihren Kapazitätshochrechnungen nicht klar", so der Wiesbadener Broker. "Das hängt einerseits mit der überhitzten Entwicklung mancher Firmen zusammen, andererseits werden die Rechenzentren in der Regel finanziell dermaßen kurz gehalten, daß sie an der Untergrenze ihrer Kapazität arbeiten müssen. Wir erleben es immer wieder, daß ein Anwender bei uns anruft und ein System sofort oder spätestens innerhalb vier Wochen braucht."

Vor dieser Situation stand kürzlich auch Günter Sawka, Organisationsleiter bei der Raiffeisenbank, München, der sich allerdings nur ungern an diese Zeit erinnert. Er benötigte dringend einen Belegleser, den er im September letzten Jahres bestellte. Als Lieferzeit wurde Januar 1979 vereinbart. Da im Mai das Gerät noch immer nicht geliefert wurde, stellte er Nachlieferfrist. Bis August tat sich wieder nichts, so daß er schließlich auf die Lieferung verzichtete. "Die Verträge", kritisiert Sawka, "sind generell unfair, weil sie zu lange Nachlieferfristen enthalten. Oft hat man erst nach einem dreiviertel Jahr eine echte Handhabe gegen den Broker." Nahezu unmöglich sei es, den tatsächlichen Verlust, einzuklagen, der nicht selten eine sechsstelige Summe erreiche.

"Zuviel unsaubere Geschäfte werden in dieser Branche gemacht", meint Hans Hagener resigniert, "es werden Zusagen gegeben, die weder liefer- oder preismäßig, noch von der Qualität her eingehalten werden. Es ist manchmal haarsträubend." Sofortige Verfügbarkeit sei reiner Zufall, so der Stuttgarter, denn die meisten Broker verfügten nicht über ein eigenes Lager. "Viele dieser Geschäfte bewegen sich an der Türschwelle zum Gerichtssaal."

Hans Joachim Köln, Mitarbeiter der Hanseatischen Leasing GmbH, Hamburg, sieht den Brokermarkt etwas differenzierter. Generell sei sofortige Verfügbarkeit zwar mehr ein Werbeslogan, hinter dem nicht allzuviel steckt. Aber Anbieter, die Fabrikate nur eines Herstellers vertrieben, könnten durch den prinzipiell besseren Kontakt entsprechend glaubwürdiger genannt werden.

Auch Robert Schlink, EDV-Leiter bei der Berliner Carl Mampe GmbH, stört die terminliche Unzuverlässigkeit der Gebraucht-Computer-Unternehmen.

Der Grund hierfür: "Kaum ein Broker ist bereit, sich einen Hobel selbst ins Lager zu stellen - die machen nichts anderes als reine Vermittlung per Telefon. In dem Moment, in dem jemand kurzfristig eine Anlage braucht, beginnt das Lotteriespiel: Wer besorgt die Maschine am schnellsten."

"Diese Pokerei im großen Stil ist eigentlich nicht verwunderlich", erläutert Karl-Heinz Schumacher. "Bedingt durch die Konkurrenzsituation arbeiten wir inzwischen auf einem knallharten Markt."

"Wenn man die heutigen Lieferfristen von Neu-Anlagen betrachtet", so wiederum Günter Sawka, "führt am Broker einfach kein Weg mehr vorbei". Diese Feststellung kann Hans Hagener nur unterstreichen: "Wir haben derzeit eine IBM 43/31 am Lager. Diese Anlage hat bereits wieder einen Abnehmer, der sie sofort benötigt und bereit ist, den vollen Listenpreis zu zahlen, nur weil der Hersteller nicht sofort liefern kann. Es gibt zwar Preisdiskussionen, aber der Kunde der eine Maschine dringend benötigt, ist bei sofortiger Verfügbarkeit grundsätzlich bereit, Preisabstriche zu machen."