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05.10.2001 - 

Strategie des Softwarehauses ist unklar

Soft M kauft IBM-Buchhaltung

MÜNCHEN (mo) - Mit der Finanzbuchhaltung DKS verkauft IBM ihre letzte Anwendungssoftware für die AS/400 (inzwischen I-Series) an die Soft M AG, München. Kurzfristig ist das für das Softwarehaus ein lukratives Geschäft: Von den Nutzungsgebühren lässt sich gut leben. Langfristig ist die Strategie unklar.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2001 hat die Soft M AG die Finanzbuchhaltungssoftware "DKS" sowie die Anlagenbuchhaltung "ABH Plus" und alle mit diesen Produkten verbundenen Lizenzverträge mit Kunden sowie die Partnerverträge übernommen. Außerdem wechseln etwas weniger als 20 Entwickler und Supportmitarbeiter zu dem Münchner Hersteller. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt - verschenkt hat IBM ihr letztes Softwarepaket für die I-Series-Rechner aber nicht.

Dazu besteht auch keine Veranlassung. Soft M will nach eigener Aussage mit dem Programm Geld verdienen. Rund sieben Millionen Mark jährliche Einnahmen verspricht sich das Softwarehaus aus dem DKS-Geschäft - größtenteils über bestehende Verträge. Die Software wird faktisch vermietet: Der Anwender entrichtet eine jährliche Nutzungsgebühr. Wird sie nicht mehr gezahlt, darf das Programm nicht mehr eingesetzt werden. Rund 2000 deutschsprachige Anwender benutzen das Paket, 1250 in Deutschland und 700 in Österreich. DKS zählt damit zu den erfolgreichsten AS/400 Finanzbuchhaltungssystemen. Soft M hat seine eigene Finanzbuchhaltung aus der "Soft M Suite" an rund 1400 Anwender verkauft. Die Masse der DKS-Anwender befindet sich allerdings im unteren Mittelstand mit drei bis fünf Benutzern pro Installation.

DKS-Anwender zahlen gutMit diesen Kenngrößen dürfte sich DKS nach Ansicht des ERP-Experten Helmuth Gümbel vom Beratungsunternehmen Strategy Partners, München, als Cashcow für Soft M erweisen. Die Umsätze mit den Kunden liegen vermutlich über dem Branchendurchschnitt.

Obwohl Soft-M-Pressesprecher Friedrich Koopmann versichert, mittelfristig werde das Produkt wie von IBM geplant fortgeführt, rechnen Branchenkenner damit, dass die Produktlinie langfristig nicht strategisch weiterentwickelt wird. Für den gehobenen Mittelstand verfügt Soft M über die Soft M Suite; der Markt des unteren Mittelstands wird über die Tochter Schilling mit einer eigenen Produktlinie adressiert. Außerdem ist es um die Zukunft des I-Series-Marktes nicht gut bestellt, da er in den letzten Jahren praktisch nicht gewachsen ist. Soft M verspricht sich daher auch ein Geschäft mit DKS-Kunden, die mit einer anderen Betriebssystemplattform liebäugeln. Die Soft M Suite wird gerade Windows-tauglich gemacht.

Kein Wunder, dass IBM die DKS-Software noch selbst an den Euro anpassen musste, bevor sich ein Käufer für das Paket fand. Gümbel empfiehlt den Kunden daher, sich ein Sonderkündigungsrecht vorzubehalten und Soft M als Rechteinhaber neu zu bewerten.

Die Übernahme ist für Soft M auch insofern nicht ganz unproblematisch, als der Vertrieb von DKS primär über Partner erfolgt ist. Nach Angaben von Joachim Golenia, Leiter der nationalen Anwendungsentwicklung bei der IBM Deutschland GmbH, gibt es rund 100 aktive DKS-Geschäftspartner-Beziehungen in Deutschland. Zu denen gehören auch viele Soft-M-Konkurrenten wie Brain AG und AP Automation + Productivity AG.