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06.04.1979 - 

Dank der Mittlerdienste des LFZ:

Softlab-Cobol-Esperanto für alle Mikros

MÜNCHEN (CW) - Einen horizontal und vertikal hundertprozentig Portablen ANS-Cobol-Compiler mit Checkout-Qualitäten will die Softlab GmbH, München, Ende '79/Anfang '80 marktreif haben. Das mit Bundesmitteln geförderte Software-Tool ermöglicht es Herstellern, Anwendern und Softwarehäusern, Mikroeomputer-Programme ohne Cross-Compilieren zu erstellen.

Wie Softlab-Chef Dr. Kurt Neugebauer und sein Compiler-Spezialist Peter Philipp erläuterten, äußert sich die totale Portabilität des neuen Produkts darin, daß es auf alle marktüblichen Mikrocomputer ausgelegt werden kann (weshalb auch alle Cobol-Programme auf diesen Rechnern einsetzbar sind) und darin, daß es großanlagenfähige Programme liefert (und damit Aufwärtskompatibilität gewährleistet).

Der bei Softlab ausgetüftelte Dreh der Sache trägt den Namen Laufzeitsystem (LFZ). Es arbeitet aus Speicherplatz gründen einstweilen auf interpretativer Basis und nicht als Vor-Übersetzer - jedenfalls "solange nicht die ,Bubbles'kommen" (Philipp). Neugebauer sieht

Bläschen dieser Art verschiedenenorts schon aufsteigen.

Das LFZ interpretiert einen vom Compiler erzeugten Zwischenstring, der maschinenunabhängig ist. Horizontale Portabilität stellt Softlab dadurch sicher daß für jedes einzelne Betriebssystem in einem gesonderten Arbeitsgang ein LFZ entwickelt wird, das dann die Mittlerfunktion zwischen dem Betriebssystem und dem Cobol-Compiler übernimmt.

Die Entwicklungsdauer für ein derartiges LFZ taxiert Neugebauer auf zwei bis drei Monate. Die Checkout-Eigenschaften des Compilers bestehen darin,daß er Fehlererkennung bereits zur Compile-Zeit, aber auch (wahlweise) interaktiv während der Laufzeit ermöglicht. Zudem, sagt Softlab, unterstütze der Compiler die Strukturierte Programmierung.

Im Anfang - so Neugebauer - stand die Erkenntnis, daß mit dem Siegeszug (und Preisverfall) der Halbleitertechnik Mikrocomputer ihren Markt mehr und mehr ausdehnen und dabei auch in Klein- und Mittelbetriebe, ebenso in dedizierte, rechenzentrumsferne Fachabteilungen von Großunternehmen vordringen würden. Die weitere Überlegung ging dahin, daß schon wegen des Mangels an hochqualifiziertem EDV-Personal ein sachgerechtes Programmieren der Mikrocomputer auf Hindernisse stoßen müßte.

Im gleichen Zusammenhang verwies Neugebauer darauf, daß bei Mikrocomputern anstelle allgemein anerkannter Programmiersprachen herstellerspezifische Dialekte in der Überzahl seien und das Problem noch verschärften. Um über den Stand der Dinge so viel Klarheit wie nur möglich zu erhalten, untersuchte Softlab in einer vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) subventionierten Marktstudie alle auf dem Markt angebotenen Mikrocomputer-Compiler und -Programmiersprachen auf ihre Qualitäten hin.

Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen entschied Softlab sich zur Entwicklung eines Cobol-Compilers, von dem man sich einen wirksamen Abbau der Programmier- und Personalschwierigkeiten versprach; denn - so die Softlab-These - "jeder normale Programmierer beherrscht Cobol".

Um Aufwärtskompatibilität auf größere Rechner hin gewährleisten zu können, wählte Softlab lupenreines ANS-Cobol mit indexsequentieller Dateiorganisation. Außerdem sollte horizontale Portabilität auf unterschiedlich strukturierte Rechner gegeben sein - ein Ergebnis der Erwägung, daß bei der über zwei Jahre dauernden Entwicklungszeit des Compilers eine am Markt durchsetzbare Preisgestaltung nur über große Absatz-Stückzahlen zu erreichen sei.

Der neue Compiler wird - so vermutet Neugebauer - hauptsächlich als OEM-Software gegen Lizenzgebühr an den Markt kommen. Da vor einigen Tagen aus Bonn der Bescheid eintraf, das BMFT beteilige sich zur Hälfte an den auf 3,5 Millionen Mark bezifferten Entwicklungskosten, ist die Softlab-Preispolitik auf eine erheblich verbesserte Basis gestellt. Damit rückt in den Bereich des möglichen, daß auch die (finanziell) ganz kleinen Mikrocomputer-Anwender sich die neue Systemsoftware zulegen; "diese Anwender", weiß Neugebauer, "zahlen eben nur 200 oder 300 Mark".