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11.04.1997 - 

Kapitalnot führt zu unpopulären Maßnahmen

Software AG verkauft Großteil der US-Tochter

Rund 150 Millionen Dollar, so hat das "Wall Street Journal" erfahren, sind den Deutschen durch ihre mehrheitliche Trennung von der US-Tochter in die Kassen geflossen. Wenige Wochen zuvor hatten die Hessen bereits ihr R/3-Beratungsteam in die gemeinsam mit der Walldorfer SAP AG gegründete Tochtergesellschaft SAP Systems Integration GmbH entlassen. In diese 150 Mitarbeiter starke Kooperation, die sich zu 60 Prozent in Besitz der Walldorfer befindet, brachte die SAG angeblich rund 90 Prozent der Mitarbeiter ein.

Gesundschrumpfen heißt offenkundig die Maxime, die der neue Vorstandschef Erwin Königs verfolgt. Wie groß der verbliebene Anteil an der US-Tochter ist, mögen die Softwerker nicht preisgeben. Ein hoher Prozentsatz kann es allerdings nicht sein, denn die Minderheitsanteile müssen sich die Deutschen noch mit dem Management der US-Gesellschaft teilen.

"Wir haben versucht, das Ganze so abzusichern, daß die Firma weiterhin weltweit einheitlich agiert - mit den Produkten und dem Label der Software AG", erklärte SAG-Sprecher Wolf-Rüdiger Hansen. So seien Verträge geschlossen worden, die ein wechselseitiges exklusives Vertriebsrecht beinhalteten. Der amerikanische Markt werde also weiter mit den wichtigsten alten und neuen Produkten der SAG bedient.

Hansen stellt nicht in Abrede, daß die Software AG dringend einen potenten Geldgeber suchte. Da man nicht an der Börse notiert sei und das Eigentum in zwei Stiftungen verwaltet werde, habe es die SAGschwer, an das für den geplanten Innovationsprozeß nötige Kapital zu kommen.

Ein Konkurs drohte noch nicht, "aber wenn wir nichts unternommen hätten, wäre es irgendwann soweit gekommen". Der Sprecher verweist auf die zuletzt negativen Bilanzen: 1995 habe die SAG einen Verlust von 50 Millionen Mark hinnehmen müssen, und auch für das vergangene Jahr werde man wohl "eher eine rote Zahl" schreiben. "Wenn man solche Ergebnisse hat, fehlt einem das Geld, das man braucht, um seine Produktstrategie zu verwirklichen." Nun sei die Kasse gut gefüllt, man könne neue Aufgaben in Angriff nehmen.

Für die US-Investoren war die SAG ungeachtet ihrer Probleme interessant, verfügt sie doch über 800 zum Teil hochkarätige Kunden aus Privatunternehmen und Behörden, die weiterhin bedient werden wollen. Zwar konnte laut "Wall Street Journal" auch die amerikanische Tochter die rasante Entwicklung im Softwaremarkt mangels Kapital kaum angemessen mitverfolgen, doch die Gesellschafter hoffen, unter anderem über den Vertrieb von Fremdprodukten zum Erfolg zu kommen. Neue Partner sollen eingeladen werden, die Verkaufs- und Servicestrukturen der SAG zu nutzen und damit die Eintrittskarte ins Großkundengeschäft zu erhalten.

Hierzulande ruhen die Hoffnungen weiterhin auf den bewährten Produkten Adabas und Natural sowie der Middleware-Produktfamilie Entire. Das Datenbanksystem Adabas C soll eine Reinkarnation als "Universal Server" erleben und das Speichern multimedialer Daten erlauben. Die Entwicklungsumgebung Natural wird sich nach Plänen der SAG künftig zum Erstellen von Komponenten-Anwendungen eignen und die Entire-Middleware, so die Idee, soll unternehmensweite Geschäftsprozesse "nahtlos unterstützen". Strategisches Ziel bleibt ferner die Portierung von Microsofts Objekttechnik DCOM auf andere Betriebssystem-Plattformen - allerdings erwarten die SAG-Manager erst langfristig Erträge aus diesem Engagement.

Um die nötigen Wunder zu vollbringen, hat Königs mit Peter Mossack einen Entwicklungsleiter berufen. Er stand bereits früher in Diensten der SAG und soll nun für das reibungslose Zusammenspiel aller Produktlinien sorgen.