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14.07.2009

Software AG will SAP-Kunden

Die Darmstädter erhalten mit der Übernahme Zugang zu ERP-Nutzern, denen sie BPM- und Integrationsprodukte sowie -dienste anbieten können.

Fast eine halbe Milliarde Euro will die Software AG aus Darmstadt hinblättern, um den auf Geschäftsprozessanalyse und -modellierung spezialisierten Anbieter IDS Scheer AG aus Saarbrücken zu kaufen. Geben auch die anderen Aktionäre ihr Plazet und gibt es keine Einwände der Kartellbehörden, so könnte der Deal im dritten Quartal dieses Jahres vollzogen sein.

Nach Überzeugung von Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich ergänzen sich die Produktlinien der beiden deutschen Softwarehäuser. Während die Software AG mit den Produktlinien "Enterprise Transactions Systems" (unter anderem "Adabas" und "Natural") und "Webmethods" Lösungen für das Ausführen von Geschäftsprozessen biete, kämen mit IDS Scheer der Produktbereich "Aris" (Prozessanalyse und -design) sowie Consulting-Know-how hinzu. "Wir bleiben weiterhin ein Produkthaus", versichert Streibich.

IDS Scheer verfügt über insgesamt 7500 Kunden. Viele davon sind SAP-Anwender, denen Streibich künftig Lösungen zum Gestalten und Ausführen von Geschäftsprozessen sowie zur Anwendungsintegration verkaufen will. Die Consulting-Sparte von IDS Scheer berät Anwender in Sachen Geschäftsprozesse und führt als SAP-Partner ERP-Software bei Unternehmen ein.

Integration für SAP-Kunden

Die Webmethods-Systeme sind geeignet, SAP-Umgebungen mit anderen Anwendungen zu koppeln. SAP-Anwender haben Streibich zufolge hohen Bedarf an Lösungen, die es erlauben, Geschäftsprozesse flexibel über Service-orientierte Architekturen zu gestalten. "Systeme für das Business-Process-Management sind die Anwendungen der Zukunft", ist sich der SAG-Vorstand sicher.

Vor allem mit SAP-Kunden, die andere Produkte integrieren müssen, will die Software AG mit Hilfe von IDS Scheer besser ins Geschäft kommen. "Mit IDS Scheer erwerben wir SAP-Know-how", so Peter Kürpick, für Produktentwicklung verantwortliches Vorstandsmitglied bei der Software AG. IDS Scheer arbeitet seit Jahren eng mit SAP zusammen. Anwender sollen mit Aris gestaltete Geschäftsprozesse in SAP-Lösungen abbilden. Kürpick will die Aris-Produktfamilie mit der eigenen Webmethods-Plattform integrieren. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Business-Services-Repository "Centrasite". Es soll die in Aris entwickelten Modelle aufnehmen können, um sie dann in konkrete IT-Prozesse umzusetzen. Auf diese Weise soll es Firmen künftig möglich sein, alle Aufgaben von der Modellierung bis zur Ausführung von Geschäftsprozessen in einer Umgebung zu erledigen. Profitieren will die Software AG dabei auch von IDS Scheers Prozessdefinitionen für unterschiedliche Branchen.

Konkurrenz zu SAP Netweaver

Allerdings dürfte das SAP-Geschäft nicht so einfach sein. SAP selbst vermarktet mit "Netweaver" eine Plattform, die auch Fremdsysteme an ERP-Prozesse anbinden soll. Den SAP-Anwendern müssen die Darmstädter erklären, warum sie neben Netweaver noch eine weitere Infrastruktur einführen sollen.

IDS Scheer kooperiert mit anderen Softwarehäusern. Oracle beispielsweise hat Aris in die eigene Fusion Middleware eingebunden. Der Softwareriese dürfte daher gar nicht glücklich sein, dass sich IDS Scheer unter das Dach der Software AG begibt. Zuvor gab es im Markt durchaus Spekulationen, dass sich Oracle aufgrund der strategischen Bedeutung der IDS-Scheer-Produkte für das eigene Portfolio die Saarbrücker selbst einverleiben würde. IDS Scheer arbeitet auch mit dem Infrastrukturspezialisten Tibco zusammen, der mit der Software AG im Wettbewerb steht. Diese Partnerschaften sollen auch nach einer Übernahme durch die Software AG fortgeführt werden.

Das sagen die Analysten

Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC:

"Der Deal ist eine große Chance für die Software AG. Auf Grundlage von Centrasite könnte mit Hilfe von Partnern ein Prozess-Repository entstehen, das verschiedene Branchen abdeckt."

Analysten von PAC:

"Die Software AG gewinnt mit der Produktsuite Aris ein Lösungsportfolio im Bereich Geschäftsprozess-Management hinzu, das weltweit führend auf dem Markt ist und zugleich das eigene Portfolio ergänzt."

Stefan Ried, Senior Analyst bei Forrester Research:

"CEO Karl-Heinz Streibich verfolgt einen konsequenten Kurs, indem er die bestehende Mannschaft zu mehr Effizienz, Kostenkontrolle und Umsatz motiviert, während er Innovation und Marktanteil lieber durch Zukäufe ins Boot holt.

SAP ist der große Verlierer dieser Akquise. IDS Scheer hat nicht nachhaltig überlegt, wie man die Entwicklung in SAP-Software und die systemübergreifenden Prozesse besser gestalten kann."