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14.08.2006

Software aus zweiter Hand?

Vergangene Woche hat ein Urteil des Oberlandesgerichtes München den Markt verunsichert: Ist nun der Handel mit gebrauchter Software zulässig oder nicht? Die Experton Group schätzt das dazugehörige Marktvolumen in Deutschland auf 400 Millionen Euro ein.

Von Dr. Ronald Wiltscheck

Gespart wird derzeit überall, warum also auch nicht bei Softwarelizenzen? IT-Anwender sind an "gebrauchter" Software interessiert. Allerdings ist die rechtliche Seite dieser Vermögenswerte umstritten und die entsprechenden Transaktionen damit potenziell risikoreich. Nicht selten führen die unterschiedlichen rechtlichen Auslegungen von Herstellern, Händlern und Anwendern gebrauchter Software zu Differenzen untereinander. Das hat die Experton Group veranlasst, diesen speziellen Markt unter die Lupe zu nehmen.

Rechtliche Lage unsicher

Aktuell wird das Thema "gebrauchte" Software kontrovers diskutiert. Verstärkt sind Aktivitäten von spezialisierten Händlern wie Usedsoft oder Susensoftware zu beobachten. Während einige Softwarehersteller und Innovatoren schnell erkannt haben, welches wirtschaftliche Potenzial mit dem Vermarkten gebrauchter Software verbunden ist, haben es Anwenderunternehmen schwer, die rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren genau einzuschätzen, glaubt die Experton Group.

Kunden wären demnach unsicher, ob sie die Lizenzen "aus zweiter Hand" überhaupt einsetzen dürften. Da gibt es rechtliche Barrieren, etwa die fehlende Preisbemessungsgrenze bei gebrauchter Software. So müssen Anwenderunternehmen die damit einhergehenden Risiken gegen die möglichen Einsparungen abwägen.

"Spätestens mit Entscheidungen in anhängigen Gerichtsverfahren und der fortschreitenden Professionalisierung der Geschäftsmodelle der Gebraucht-Software-Händler könnte der Markt an Dynamik gewinnen", prognostiziert Axel Oppermann, Berater bei der Experton Group. Sollten die Gerichtsurteile aber negativ für diese Lizenzhändler ausfallen, wird laut Oppermann dieses Marktsegment wieder vollkommen verschwinden.

Die Experton Group geht davon aus, dass 2006 Gebraucht-Software im Neuwert von 400 Millionen Euro in Deutschland angeboten werden könnte. Allerdings macht dies nur 2,5 Prozent des gesamten Softwaremarktes aus. Dieses Potenzial entsteht durch Fehlinvestitionen der Anwender, Insolvenzen, Firmenübernahmen und Konsolidierungen, und könnte um weitere 100 Millionen Euro steigen. Es ist jedoch kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten, dass dieses theoretische Volumen vollkommen ausgeschöpft wird. Derzeit schätzt die Experton Group das Volumen des Handels mit gebrauchter Software auf 30 Millionen Euro jährlich.

Kritische Masse erreicht?

Zu begründen ist dies mit der unklaren Rechtslage sowie das dem Geschäftsmodell der "Usedsoftware Broker" zugrunde liegenden kritischen Masse. Solch ein System wird wesentlich durch die Anzahl der Markteilnehmer bestimmt, die ein identisches oder ein vergleichbares Produkt nachfragen beziehungsweise anbieten. Somit kann das Geschäftsmodell "gebrauchte Software" nur dann funktionieren, wenn ausreichend viele Ein- und Verkäufer da sind. Außerdem müssen die Preise für die "gebrauchte" Software transparent und marktgerecht sein.

Soll dieses Geschäftsmodell von Erfolg gekrönt sein, muss es unbedingt weiterentwickelt werden. Deshalb ist es notwendig, dass die führenden Gebraucht-Software-Anbieter mit den anderen Marktteilnehmern kooperieren. Da geht es um Zusammenarbeit zwischen Händlern, Lizenz-Management-Spezialisten und den bei Kunden tätigen IT-Dienstleistern. Erst dann erhält der Anwender mit gebrauchter Software einen echten Mehrwert und der dazugehörige Markt würde aufblühen.

Aufgrund sich häufender Anfragen von Kunden erstellt die Experton Group aktuell eine Analyse, die die Facetten der kontrovers diskutierten Gebraucht-Software-Thematik untersucht. Die Basis dieser Ausarbeitung sind zahlreiche Gespräche mit Anwendern, Anbietern sowie eine umfangreiche Betrachtung der aktuellen Lizenzmodelle. "Durch den Kauf oder den Verkauf von gebrauchter Software können Anwenderunternehmen das ohnehin knappe Budget der IT-Abteilungen entlasten beziehungsweise aufstocken", meint Oppermann von der Experton Group.

Leasing als Alternative

Da die Einschätzungen zu "falsch lizenzierter" Software durchaus unterschiedlich sind und ein Verstoß gegen das Urheberrecht strafrechtlich verfolgt werden kann, sollten interessierte Käufer, die den Gebrauchtmarkt als Alternative sehen, zwingend auf individuelle Einschränkungen in den Lizenzverträgen achten. Ferner muss der organisatorische Aufwand bei der Beschaffung in den Kaufpreis einbezogen werden, rät der Marktforscher. Neben dem Angebot von gebrauchter Software sollten unbedingt auch Leasing- oder Mietoptionen in Betracht gezogen werden. Möglicherweise sind diese Alternativen unterm Strich doch billiger als der Kauf von "gebrauchter" Software.