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25.08.1978

Software-Auswahl kann schematisiert werden

Ernest Bonnechére, Sekretär der European Conference of Associations of Data Processing Users, Consultant bei Intercom, Brüssel

Immer wieder wird die Wahl eines Programmpakets dem Zufall überlassen, oder sie ist das Ergebnis eines Akts der Verzweiflung, um die Lage noch zu retten.

Dies scheint zumindest die Erfahrung vieler meiner Anwender-Kollegen zu sein, die fertige Softwarepakete gekauft haben. Einige Pakete haben sich bewährt, einige waren sehr gut, manche aber eine Katastrophe.

Bis vor kurzem war ich selbst noch kein Anhänger von Software, die Drittfirmen entwickelt hatten, und zog die "handgestrickte" Variante vor.

Meine Meinung jedoch hat sich gewandelt. Ich hatte im Laufe der Jahre mit der Anschaffung von Softwareprodukten zu tun, die jedoch erst nach einer formellen und ausführlichen Untersuchung auf Grund eines klar definierten Bedarfs eingesetzt wurden.

Man muß zugeben, daß die Vertreter mit ihrer Behauptung oft recht haben, die Kosten einer selbst geschaffenen Lösung eines gegebenen Problems lägen manchmal weit höher als der von einem Software-Haus geforderte Preis.

Diese Software-Häuser werden sicher eine solche Behauptung mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen; es scheint jedoch unausbleiblich, daß die Entwicklung weiter in diese Richtung geht, solange die Bedeutung der Software zunimmt und die Hardware billiger wird.

Obwohl ich mich dem Programmpaket von Dritten nicht mehr entgegensetze, bin ich nichtsdestoweniger vorsichtig geblieben. Ein solches Softwareprodukt darf erst nach ausführlichen Untersuchungen mit bewährten und sicheren Methoden ausgewählt werden.

Die Tatsache ist zunächst, daß jedes Produkt schlecht ist, das nicht genau das liefert, was Sie davon erwarten. Um das zu bestimmen, müssen zuerst eine Reihe von Spezifikationen definiert sein.

Ein Softwarepaket ist in Wirklichkeit selten einfach schlecht. In den meisten Fällen wird seine unzureichende Leistung auf eine unkluge Anwendung im Rahmen einer bestimmten Problemstellung zurückzuführen sein.

Ich möchte deshalb jenen, die den Kauf weiterer Pakete planen - und deren Zahl wächst täglich -, ein einfaches Schema vorschlagen: Beginnen Sie mit der Definition Ihres Bedarfs und geben Sie sich erst dann zufrieden, wenn die mit dem Produkt und mit Ihren Daten auf Ihrer EDV-Anlage in Vergleichsläufen erhaltenen Ergebnisse ausgewertet sind.

Definition des Bedarfs bedeutet Definition der von Ihnen gewünschten Daten, Anwendungsprogramme und Ergebnisse. Es bedeutet ebenfalls Definition der Umgebung: Systeme, Hardware, Sprache usw.

Sobald der Bedarf definiert ist, muß bestimmt werden, was zum Erstellen des Pakets an Ort und Stelle nötig wäre. Man ist dadurch nicht nur besser in der Lage, Pakete von Dritten auszuwerten, sondern kann ebenfalls die Argumente finden, mit denen die Geschäftsleitung zum Kauf überzeugt werden muß.

Es dauert nicht lange, eine Liste mit Spezifikationen aufzustellen, womit man die erhältlichen Produkte vergleichen kann. Diese sind nicht schwer zu finden - es gibt Kataloge von Softwareprodukten und spezialisierte Softwareinventare.

Wie bei der Wahl eines Computers sind die Pakete, die dem Bedarf nicht genügen, rasch eliminiert. Der Rest muß gründlich studiert werden. Bei jedem Element jedes Paketes sollte die Frage nach der Relevanz für die Erfordernisse gestellt werden, damit die Pakete mehr oder weniger auf gleicher Basis verglichen werden.

Hier nun einige der wichtigeren Punkte, auf die es ankommt:

- Selbstverständlich soll das Produkt die Anforderungen erfüllen, für die es bestimmt ist, oder zumindest den größten Teil davon. Weiter muß es verbesserungsfähig sein, sobald Ihre Anwendung dies erfordert.

- Das Paket muß von dein Fachleuten verstanden werden können, die damit künftig arbeiten müssen. (Sprache, Betriebssystem der Anlage etc.)

- Das Produkt muß sich zusammen mit den in der EDV-Anlage verwendeten Routinen sowie anderen Software-Produkten vertragen.

- Das Produkt muß auf Ihrer existierenden Maschine laufen können. Oft mußte wegen eines Pakets zusätzlicher Speicher angeschafft werden - oder noch schlimmer, das nächstgrößere Computer-System.

- Das Produkt sollte die ihm gestellte Aufgabe nicht nur erfüllen - es sollte dies gut tun. Das erfordert ausreichende Vergleichsläufe und Auskünfte bei den vom Verkäufer angegebenen Referenzen.

- Das Paket sollte flexibel sein. Man darf dabei jedoch nicht aus dem Auge verlieren, daß eine zu große Flexibilität eine geringere Leistung oder einen höheren Preis zur Folge haben kann. Weiter ist es gut, sich vor Produkten zu hüten, die als "Source Code" angeboten werden, weil diese schwerer verständlich sind und so durch zusätzliche Unterstützung durch den Verkäufer höhere Kosten verursachen können.

- Die Dokumentation für das Produkt sollte sowohl für die logische als auch für die technische Seite vollständig sein. Sie soll sowohl für den Fachmann als auch für den Benutzer leicht verständlich sein.

- Alle Angaben für die Installation müssen unmißverständlich klar angeben, wer für was zuständig(...) Ausbildung, Installation und de(...) Kosten, Zeitbedarf für die Installation.

- Kosten und Zählungsweise für Leistungen wie Dokumentation, Unterhalt, Ausbildung etc. müssen festgelegt werden.

- Vom Verkäufer angegebene Referenzen sollten sorgfältig ausgewertet werden, speziell hinsichtlich der Fragen: Ist das Produkt neu? Wer hat es entwickelt? Ist die Softwareunterstützung durch den Verkäufer zufriedenstellend?

Sämtliche hier aufgeführten Punkte sollten sorgfältig beobachtet und abgewogen werden. Erst dann kann die Wahl zwischen einem selbst entwickelten oder einem gekauften Paket fallen!